28 Okt 2018

The Kids are allright

Submitted by fahrwax

Allen Versuchen der NRW Landesregierung jeden Widerstand zu unterbinden zum Trotz verläuft die seit langem geplante Blockade  von Ende Gelände rund um den Hambacher Forst sehr erfolgreich.

Weder die Räumung des, für die Übernachtungen der Aktivistis benötigten, Camps in Manheim, noch die penetranten Behinderungen des Sonderzuges aus Halle, Jena, Potsdam, Göttingen, Magdeburg durch die bewaffneten Arme der RWE hörigen "Demokraten" konnten die Entschlossenheit dieser gewaltfreien Bewegung bisher erschüttern.

Gestern ist es den Aktivistis nun gelungen Bagger und Bahnlinie zu besetzen und die für das RWE angekarrten, willfährigen  Hundertschaften wieder einmal sehr blass aussehen zu lassen.

 

Das Bild von heute Morgen stammt von Daniel Hofinger (via Twitter)

Wir sind viele – so viele wie nie!

Insgesamt 6.500 Menschen sind heute bei der bisher größten Ende Gelände Aktion im Rheinischen Braunkohlerevier unterwegs. 4000 Menschen blockieren die Gleise der Hambach-Bahn, die RWE's Kraftwerke mit Braunkohle versorgt.

Pressemitteilung vom 28.10.2018 um 09:00

Noch immer blockieren 2.000 Aktivist*innen die Schienen der Hambach-Bahn+++ “Unser Protest lässt sich nicht räumen”

Auch über Nacht haben 2.000 Aktivist*innen die Schienen der Hambach-Bahn besetzt gehalten. Gestern waren insgesamt 6.500 Ende Gelände-Aktivist*innen im Rheinischen Braunkohlerevier unterwegs um den Betrieb des Tagebau Hambach zu blockieren. Eine Gruppe von ca. 4.000 Menschen hatte dabei gegen 13.30 Uhr die Schienen der RWE- Bahn besetzt, von den einen Großteil die Nacht trotz Kälte ausharrten. Die Polizei verhinderte die Versorgung der Aktivist*innen mit Wasser und Essen.

Die Bahn, von RWE als “Schlagader des Reviers bezeichnet”, transportiert die Braunkohle aus dem Tagebau Hambach zu den umliegenden Kraftwerken. Normalerweise fahren auf dieser Strecke mehrmals pro Stunde voll beladene Kohle-Züge (ca. 9.000 Tonnen pro Stunde).

Karolina Drzewo, Pressesprecherin von Ende Gelände: “Unser Protest lässt sich nicht räumen, unsere Stimme lässt sich nicht ignorieren. Diesen Sommer haben wir die Folgen des Klimawandels selbst zu spüren bekommen, mit Hitzewellen und dem Rekordniedrigwasser im Rhein. Aber wir kämpfen hier auf den Schienen nicht nur für unsere eigene Zukunft. Wir kämpfen auch für die Lebensgrundlage der Menschen im globalen Süden, die etwa durch Hurrikanes und Dürren schon jetzt am Schwersten vom Klimawandel betroffen sind.”

presse@ende-gelaende.org

Karolina Drzewo: 0049 152 04560800
Selma Richter: 0049 157 87414171

Fotos: https://www.flickr.com/photos/133937251@N05/albums

UPDATE: 28.10.2018 um 11:25 Uhr

Tagebaubetrieb seit 24 Stunden blockiert+++ Aktivist*innen laufen in Demo-Zug Richtung Protestcamp+++ andere Aktivist*innen an Schienen festgekettet

28.10.2018. Nach 24 Stunden erfolgreicher Blockade der Hambachbahn brechen viele Aktivist*innen in einem Demo-Zug Richtung Protest-Camp in Stepprath-Düren auf. Eine Gruppe von Aktivist*innen haben sich an den Schienen festgekettet und halten so die Blockade des Tagebaubetriebs weiter aufrecht.

 

Als weiterer Maßstab von Ende Gelände gilt:

System Change not Climate Change!

Ohne eine Abkehr vom fossilen Kapitalismus ist weder eine ernstzunehmende Bekämpfung des Klimawandels noch globale soziale Gerechtigkeit möglich. Es ist ein tiefgreifende sozial-ökologischer Wandel nötig um ein gutes Leben für alle zu erreichen.

 

Kommentare

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ebenso wie die Atomkraft eine dreckige, bereits aus der Zeit gefallene Technik.

Insofern stehe ich hinter den Kids. Bezeichnend ist, dass die Linkspartei und wohlwissend um ihre noch ganz lebendigen Leichen im Brandenburger Keller dahingehend eher sehr zuückhaltend agiert. Die ab- und ausgebaggerte Gegend um Senftenberg beispielsweise kenne ich noch aus einigen Besuchen zu DDR-Zeiten

Ansonsten, und ich erinnere nochmals daran, muß Energie irgendwo herkommen. Vielleicht auch nicht der Weisheit letzter Schluß, aber LNG dürfte wesentlich sauberer sein als Braunkohle. Eben die auf der Hand liegende sog. Übergangstechnik. Find' ich gut, was die Russen da machen. Weder für Schiffe noch für LKW gibt es bislang ausgereifte Techniken, was die gern gehypte E-Mobilität angeht. Und wenn man dann lesen darf, dass ein mit Schweröl betriebenes Kreuzfahrtschiff mehr Dreck ausstößt als 10.000 Pkw, dann wird (mir) klar, nach welchem weissen Sand man als kleiner Dieselfahrer geschickt wird.

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Braunkohle ist,
 

Die Kids sehen die Ausformungen der Braunkohle voll im kapitalistischen Kontext / Gesamtrahmen - das macht sie mir so liebenswert. Hervorstechend erschienen mir zunächst vorwiegend die Erbauer und Bewohner der Baumhäuser mit ihrer glasklar herrschaftsfeindlichen Haltung - von der herzallerliebsten "Winter" und ihren Worten bei der Inhaftierung kann ich nie nicht genug schwärmen.......

Und organisiert sind die Kids vom Feinsten - das erlebt die RWE-Büttelei jetzt seit Tagen.

 

Auf den Baggern, auf den Bäumen & in den Häusern für das gute Leben - sachich mal so.......

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........betitelt die Presseabteilung der olivgrünen Fraktion die derzeitigen Geschehnisse, erarbeitet von Ende Gelände:

"Komplexe Probleme brauchen Symbole. Das Braunkohlerevier könnte das Gorleben der Klimabewegung werden."

http://www.taz.de/Kommentar-Braunkohle-Proteste/!5546126/

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Am Samstag haben rund 6.500 Menschen im Rheinland gegen den Braunkohleabbau protestiert und setzten sich damit für weltweite Klimagerechtigkeit und einen Systemwandel ein. Rund 4.000 Menschen gelang es auf verschiedenen Wegen auf die Bahnschienen der Hambach Bahn zu gelangen und somit die Kohle-Zufuhr zu RWE´s Kraftwerken für über 24 Stunden zu blockieren. Eine kleinere Gruppe von ca. 40 Menschen konnte einen Bagger im Tagebau besetzen.

Das  schöne Video dazu sollte auch inzwischen bei youtube stehen - tut es aber nichr - darum derzeit nur unter:

http://graswurzel.tv/p336.html

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Antwort auf fahrwax  zum Kommentar Die Sicht von Graswurzel TV
 

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Zwei Stunden. Über Asphalt, Feld, Wald und Wiese. Über Baumstümpfe hinweg, durch Polizeiketten hindurch. Dann noch den steilen Abhang zu den Gleisen der Hambachbahn hinunter. Selbst für sportlich Trainierte ist durchaus eine Herausfoderung. Ein 75jähriger Demonstrant aus München macht das alles mit. Ihn haben wir an den Schienen getroffen. Und mit ihm das folgende Interview geführt:

 

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Oder Unterwerfen bis zum Crash?

"Ein Kommentar von Susan Bonath.

Unnütze Umweltzerstörung für ein paar Arbeitsplätze? Im Hambacher Forst stehen sich Gewerkschaften und Umweltschützer feindlich gegenüber. Erstere klammern am Lohnarbeitsmodell des vorigen Jahrhunderts. Letztere wenden sich gegen das System der Ausbeutung von Mensch und Natur – ein Widerspruch, der zeigt: Die am Kapitalismus klammernde Sozialdemokratie kann aktuelle Probleme nicht lösen.

Riesige Mondlandschaften erstrecken sich am Niederrein nahe Köln. Der Energieriese RWE fördert dort Braunkohle. Mehr als 3.500 Hektar Wald und etliche Dörfer sind dem Tagebau bereits zum Opfer gefallen. Nun sollen die letzten 200 Hektar, der Hambacher Forst, der Kohleförderung weichen. Obwohl laut einer von der Bundesregierung eingesetzten Kohlekommission das letzte Kraftwerk im Jahr 2038 vom Netz gehen soll. RWE will in den kommenden 20 Jahren alles herausholen. Es geht um Profite.

Umweltschützer wehren sich seit Jahrzehnten gegen die Pläne des Konzerns. Wenn der Mainstream überhaupt einmal darüber berichtete, tat er die Waldbesetzer gerne als Spinner ab. Erst jetzt, wo RWE ernst machen will, ist der Widerstand zum Massenprotest angewachsen."

Weiterlesen: https://kenfm.de/tagesdosis-29-10-2018-unterwerfen-bis-zum-crash/

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Selbstverständlich sind Gewerkschaften und Sozis miteinander verfilzt.  Nicht nur im Bundes- und Landtag, sondern auch bei den Pöstchen in der Sozialversicherung. Das Problem der Energiewende besteht aber darin, daß die Politiker öffentlich einen Ballon aufgeblasen  haben mit dem Atomausstieg und Klimaschutz und sich nicht daran halten. RWE handelt auftragsgemäß richtig und will Gewinn machen, um Steuern zahlen zu dürfen. Die Aufgabe der Politik wäre es gewesen bei der Braunkohle Vorgaben zu machen. Erst als RWE im Hambacher Forst begonnen hat, Nägel mit Köpfen zu machen, sind die Penner in der Politik aufgeschreckt.

Nehme ich den Bergrutsch bei der HessenWahl, dann ist das Wahlergebnis die Quittung für eine jahrzehnte andauernde NICHT-Politik. Die Politik macht als Seilschaft gemeinsame Sache mit der Industrie. Im Interesse der Zivilgesellschaft ist das auch soweit ihre Aufgabe, als sie die eigene Industrie gegen ausländische Industrien schützen soll. Mehr ist aber von Übel, wie wir bei den HartzGesetzen erlebt haben. Mit dieser Agenda 2010 wurde die Soziale Marktwirtschaft endgültig abgeschafft. Als treuhänderische Vertreterin der Zivilgesellschaft ist es die Aufgabe der Politik, zur Industrie den sozialen Ausgleich zu erzwingen. Dazu zählt auch der Umweltschutz, weil wir nur eine Umwelt haben, in der wir gemeinsam leben.

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Klare Ansage
 

als "treuhänderische Vertreter der Zivilgesellschaft" zu haluzinieren gelingt mir - auch unter selbstmörderischem Drogeneinfluß - so ganz & garnicht.

Umweltschutz & Umwelt sind unter der Prämisse Kapitalismus dem nächsten Quartalgewinn ausgeliefert - da das Wichtigste zuerst seiner Erfüllung entgegen lechtzt, kommen Menschen in diesem Rechenexempel nur vor solange sie Gewinne abliefern.

Wahlergebnisse erbringen >>Wahlkampferstattungen<< pro Kreuz in der Urne - so läuft nur das schmuddelig-bizarre Tagesgeschäft um die Trogplätze. Wer wem fort das Futter nun in die steuergefüllten Tröge schaufelt ist das, was diese Herrschaften grundsätzlich wie dreist als >> Verantwortung übernehmen<< deklarieren.

Alle Macht den Märchenerzählern steht in welchem Paragraphen vom Grundgesetz?????

 

https://qpress.de/2018/10/29/merkels-spontan-rueckzug-wer-findet-den-fehler/

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Antwort auf fahrwax  zum Kommentar Die korrumpierten Selberesser......
 

Positiv denken!

Zweifelsfrei habe ich ein positives Bild beschrieben, das als Vision möglich wäre. Die real existierende Politik ist das genaue Gegenteil. Nur ist mir die Formel: «Jeder nach seinen Fähigkeiten und jeder nach seinem Bedarf» in einer global vernetzten Welt zu schlicht. Gerade die Psychopathen, die heute andere für sich schuften lassen, werden im utopischen Kommunismus unfähig sein und hohe Ansprüche haben – also andere für sich schuften lassen. Da lob ich mir ein politisches Geldsystem, das Großkotze abschöpft und umverteilt. Sowas funktioniert mit kontrolliertem Geld.

Du brauchst dich also nicht gleich vollzudröhnen und um die Ecke zu bringen.

Das GG ist nicht das schlechteste, einige Änderungen mal abgesehen. Z.B. ein qualifiziertes Bundesplebiszit, das die ehemaligen Nazis trotz der Frankfurter Dokumente verhindert hatten und das heute von der CDU verhindert wird. Auch etwas mehr Föderalität täte dieser Republik gut; verhindert wird diese durch die Art. 21 GG, 31 GG und die Parteizentralen.

Sicher kann das kommunistische Ideal in einer begrenzten Gemeinschaft funktionieren, die sich gemeinsame Ziele gibt. Eine Option für ein offenes globales Netzwerk ist das nicht. Die Frage: «Utopie oder Vision, das ist hier die Frage,» sehe ich so, daß mit der Utopie ein Ideal beschrieben wird, das einen idealen Menschen voraussetzt. Die Vision ist da bescheidener und nimmt den Menschen, der eben nicht ideal ist, sondern wo jeder seine Macken hat. Darum braucht die Vision eine Kontrolle, die verhindert, daß die Freiheiten der Mitmenschen mißachtet werden.

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Wer nimmt den Psychos, die heute andere für sich schuften lassen und die das politische Geldsystem kontrollieren  die Macht weg?

Schätze, die mit den Macken werden's richten müssen.

Nur die Selben - die mit den selben Macken - können sich auch gegenseitig daran hindern ihre Freiheiten einzuschränken.

Wer soll's sonst auch richten, wo es doch real keine Übermenschen (ohne Macken!) gibt?

Die derzeit regierenden Heroen in Wirtschaft & Politik können doch auch nur die Laiendarsteller von Übermenschen simulieren - darin stimmen wir beiden Schönen nun mal schon überein.

Wo die Kontrolle der Vision herkommen soll, wenn nicht aus der gegenseitigen Kontrolle von Menschen gleicher Berechtigung, erscheint mir in deiner Betrachtung als gordischer Knoten.

"Etwas mehr Föderalität" wird das nicht aus der Kacke reißen können.......

Glaubst du etwa an Systeme die intelligenter sind als ihre Erzeuger, oder gar an menschenfreundliche Machthaber die sich überflüssig machen, statt sich regelmäßig zu Despoten aufzublasen?????

Mag sein, das ich gern träume, aber nur weil ich nicht an Übermenschen (Nationen, Grenzen & Götter, etc.....) glaube und weil mir die übergeordneten Psychopathen und ihre Dreistigkeit so auf den Keks gehen..

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Small is Beautiful
 

der Herr Kohr. Seine "Vernunft" halte ich für eine genetische Anlage die es zu kultivieren gilt.

Anarchismus ist für Kohr die gewaltfreie Form des Zusammenlebens, jeder Mensch ist kraft der Vernunft in der Lage, jedem anderen Menschen mit Würde und Respekt zu begegnen, gemeinsam eine Gesellschaftsform zu praktizieren, in der die gegenseitige, freie Anerkennung auf so hohem Niveau praktiziert wird, dass eine äußere (3.) Ordnungsmacht überflüssig ist."  (Zitat Wikipedia)

Small ist nicht allein beautiful, der Aufbau von unten nach oben wahrt die Kontrolle von unten - hat die Chance Machtmissbrauch zu unterbinden.

Mercie für die Links!

 

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"Am nächstgelegenen Bahnhof Düren wurden die Aktivisten direkt bei der Ankunft von der Polizei festgehalten, mussten Personalien an- und zum Teil Fingerabdrücke abgeben. Die Aktivisten teilten sich in Gruppen auf und bildeten farbige »Finger«, die an verschiedenen Stellen Blockaden durchführen sollten. Es war Konsens in allen Gruppen, sich ruhig und besonnen zu verhalten. Von Ihnen sollte keine Eskalation ausgehen; Menschen sollten nicht gefährdet werden. »Wir werden mit unseren Körpern blockieren und besetzen. Wir werden dabei keine Infrastruktur zerstören oder beschädigen«, hieß es.

Die langfristigste und größte Blockade wurde auf dem Gleisbett der Hambachbahn geschaffen. Wie Ameisen strömten die in weiße Overalls gekleideten Aktivisten am Samstag mittag auf die Gleise und legten die Bahn dadurch still. Die Bahn, von RWE als »Schlagader des Reviers« bezeichnet, bringt die Braunkohle aus dem Tagebau Hambach zu den umliegenden Kraftwerken. Normalerweise fahren auf dieser Strecke mehrmals pro Stunde voll beladene Kohlezüge und transportieren rund 9.000 Tonnen pro Stunde. Ein Großteil der Aktivisten blieb trotz klirrender Kälte auch über Nacht auf den Gleisen. Die Polizei verhinderte deren Versorgung mit Wasser und Essen."

Weiterlesen:

https://www.jungewelt.de/artikel/342490.widerstand-im-braunkohlerevier-ziviler-ungehorsam-en-masse.html

 

Bildquelle: Fröhlich, Hambie 6.10.2018

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Wolfgang Poreh schreibt dazu bei TELEPOLIS:

"Dabei ist diese offenbar in den Augen der Schlapphüte besonders hinterhältig: "Ein wesentliches Merkmal der Kampagnen sei 'der Verzicht auf die offene Propagierung von Gewalt, um auch Nicht-Extremisten für ihre Positionen zu gewinnen'", so das Blatt.

Kathrin Henneberg, eine der Sprecherinnen von Ende Gelände, kann mit den Vorwürfen nicht viel anfangen. Der Protest habe gerade erst begonnen. Sie sieht den Begriff angesichts der Klimakrise eher positiv belegt. Man radikalisiere sich, insofern man Verantwortung übernehme. Es bleibe nicht mehr viel Zeit, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Danach werde es für die Menschheit gefährlich, da diverse Kipppunkte überschritten würden.

Mit letzterem ist gemeint, dass zum Beispiel größere Eismassen in der Antarktis oder auf Grönland derart destabilisiert werden, dass ihr Abschmelzen nicht mehr aufgehalten werden kann. Darauf hatte unter anderem der kürzlich veröffentlichte neue Bericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, Zwischenstaatlicher Ausschuss für Fragen des Klimawandels), der UN-Organisation für Klimawissenschaften hingewiesen."

https://www.heise.de/tp/features/Kohleausstieg-Massenhafter-ziviler-Ungehorsam-4208070.html?wt_mc=rss.tp.beitrag.atom

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Antwort auf fahrwax  zum Kommentar Massenhafter ziviler Ungehorsam
 

«... Verzicht auf die offene Propagierung von Gewalt .. »

Darauf kann die Staatssicherheit nun wirklich nicht verzichten. Gewalt muß sein, sonst werden diese Schlapphüte alle brotlos. Hecken die denn wohl mal wieder ein paar Provokateure aus ...

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"Der Ort bleibt geheim

Die AktivistInnen von Ende Gelände, die den Protest monatelang vorbereitet haben, sind ausgezeichnet organisiert. Sie informieren die Beteiligten sehr genau und versuchen, alle mitzunehmen – auch Leute, die sich Blockaden nicht zutrauen. Und sie sind geradezu überwältigend freundlich – zueinander, aber auch zu Aussenstehenden und zur Presse. Wer das für eine Nebensache hält, hat noch nie eine Massenaktion erlebt.

Ende Gelände arbeitet mit Strukturen, die sich schon bei Blockaden von Atomtransporten und in der Antiglobalisierungsbewegung bewährt haben: sogenannten Bezugsgruppen. Die Idee ist simpel: Wer an eine Aktion reist, tut sich mit drei bis sieben Bekannten zusammen. Sie sorgen während der Aktion füreinander, teilen den Proviant, sprechen sich ab, wie weit sie gehen möchten. Muss während einer Aktion etwas entschieden werden, zum Beispiel, ob eine Blockade aufgehoben werden soll, schickt jede Bezugsgruppe eineN DelegierteN.

Vor der Aktion bilden die Bezugsgruppen grössere Gruppen, sogenannte Finger. Sie nähern sich von verschiedenen Seiten dem Gelände, das sie besetzen wollen – ein gutes Rezept, um die Polizei zu überfordern. Dass es funktioniert, zeigt sich am Samstagmittag: Der pinke Finger hat sich der bewilligten Solidaritätsdemo am Rand des Waldes angeschlossen. Auf ein Zeichen hin stürmt er plötzlich los, quer über die Felder. Jede Bezugsgruppe hat einen Namen – wer seine Leute verliert, ruft ihn laut: «Egal!», «Bastel!», «Kohleausstieg jetzt!», tönt es, während einige PolizistInnen erfolglos versuchen, den Ansturm aufzuhalten. Sie schaffen es zwar, Einzelne zu Boden zu reissen, aber der grosse Teil kommt durch und trifft auf den Gleisen die anderen Finger. Grosser Vorteil: Die deutsche Polizei benutzt kein Gummischrot.

«Wir sagen, was wir tun, und tun, was wir sagen. Das ist einer unserer Grundsätze», betont Daniel Hofinger, einer der PressesprecherInnen von Ende Gelände. «Wir haben im Voraus gesagt, dass wir Kohleinfrastruktur blockieren wollen – wir haben alles angekündigt.» Sie haben bloss nicht angekündigt, wo genau sie es tun wollen. Denn das ist zentral, damit Ende-Gelände-Aktionen funktionieren: Die meisten Beteiligten kennen den Ort der Aktion nicht. Das setzt ein grosses Vertrauen in die Vorbereitenden voraus. «Ja», sagt Hofinger, «und es gibt uns eine grosse Verantwortung.» Das Schöne daran: Es bewährt sich. Ende Gelände missbraucht dieses Vertrauen nie. Alle sollen die Aktionsform wählen, mit der sie sich wohlfühlen: «Sorgt gut für euch!», steht auf dem Flugblatt neben dem Aktionskonsens. «Der Stress, den diese Aktion vielen Teilnehmenden machen kann, ist auch für Gesunde nicht zu unterschätzen. Geht mit eurer Bezugsgruppe nur dorthin, wo es für alle von euch gut ist, und bleibt nur, solange alle wollen.»

Damit spricht Ende Gelände etwas Wichtiges an: Aktionen, die über bewilligte Demos hinausgehen, sind anstrengend, manchmal gefährlich und für viele eine Überforderung. In linken Bewegungen seit den sechziger Jahren entstand aus diesem Grund oft eine unausgesprochene Hierarchie: Die grössten Helden (seltener Heldinnen) waren jene krassen Typen, die sich trauten, zuvorderst an der Polizeireihe zu stehen, jene, die sich auch von Tränengas, Wasserwerfern, Durst und Schlafmangel nicht abschrecken liessen. Viele andere, die die Anliegen teilten, aber diesen Mut nicht hatten, fühlten sich klein und feige und verabschiedeten sich früher oder später vom Aktivismus.

Wie kaum eine Bewegung zuvor im deutschsprachigen Raum schafft es Ende Gelände, diese ungesunde Dynamik umzudrehen. «Für den Kohleausstieg brauchen wir richtig viele Menschen», sagt Daniel Hofinger. «Darum bieten wir verschiedene Aktionssettings an. Alle sollen sich nach ihren Fähigkeiten einbringen können – wir sind dankbar für jeden Beitrag. Auch wer in unserem Camp kocht und Toiletten putzt, ist wichtig, nicht nur wer Gleise besetzt.»

Weiterlesen: https://www.woz.ch/1844/klimabewegung/hut-ab-sagt-der-polizist