25 Dez 2018

Weihnachten im Jemen

Submitted by Dietrich Klose

Im Jemen spielt sich die größte humanitäre Krise der Gegenwart ab. 

Ein paar Zahlen: Von etwa 30 Millionen Einwohnern sind 22,2 Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Zwei Millionen haben als Binnenflüchtlinge ihre Heimat verloren. Über 20 Millionen leiden unter schwerer Lebensmittelunsicherheit: Sie wissen nicht, wie sie zu ihrer nächsten Mahlzeit kommen werden. Davon leiden etwa fünf Millionen an schwerer Lebensmittelnot.

Jede zehn Minuten stirbt ein Kind an Hunger oder an vermeidbaren Krankheiten. 1,5 Millionen Kinder sind schwer unterernährt, 400.000 vom Hungertod bedroht. Etwa die Hälfte der Kinder ist in der Entwicklung zurückgeblieben.

Etwa zwei Millionen Kinder bekommen keine Schule mehr. 2500 Schulen sind zerstört oder beschädigt. Die Lehrer haben teilweise seit zwei Jahren kein Gehalt mehr bekommen.

Eine Choleraepidemie hat ca. 1,2 Millionen Menschen erfasst. Es gab bisher 2500 Todesfälle, davon ein Drittel Kinder unter fünf Jahren.

Diese Krise ist kein Naturereignis, sondern menschengemacht. Durch das Eingreifen der Saudis in den jemenitischen Bürgerkrieg vor nunmehr 3 Jahren und 9 Monaten wurde daraus ein internationaler Krieg. Zu den Zerstörungen der systematischen Luftangriffe der Saudis und ihrer Verbündeten kommen die katastrophalen Auswirkungen der saudischen Seeblockade, durch die nur noch ein ungenügender Teil der Importe das Land errreichen kann. Für Lebensmittel ist der Jemen zu 80 bis 90 %, für Medikamente und medizinischen Bedarf zu 100 % auf Importe angewiesen.

Die Luftangriffe der saudischen Koalition haben 422.000 Wohnhäuser beschädigt oder zerstört, 327 Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen...

An der Seite der Saudis mit dabei: Der "Westen".

Auf die Frage: "„Wie kommt Ihnen die heile Weihnachtswelt hierzulande vor, wenn Sie an den Jemen denken?“, antwortete Karl-Otto Zentel, der Generalsekretär von CARE Deutschland: "Wie ein anderer Planet. Hier der Wohlstand und die Freiheit – dort die zusammengebrochene Infrastruktur und das nackte Elend."

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Kommentare

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ich möchte dich hier begrüßen - mit deinem perfekt passenden weihnachts-gedanken-text - vielen dank dafür.

ich habe mich in der ddr schon immer als internationalist gefühlt - kurze zeit dort auch in der "liga für völkerfreundschaft" gearbeitet und "zufällig" immer im umfeld von völlig selbstverständliche internationalisten gearbeitet - sei es durch berichte von gastspielen verschiedener künstler - privat-geschichten auf multinalionaler ebene - im sport oder in gesellschaftlichen begegnungen mit progressiven menschen aus chile oder uruquay ... und das ist so geblieben - ja, das mediale erleben der schrecklichen kriege der letzten zeit und gegenwart, ist für mich nicht vorstellbar - schwerst vorstellbar (in einem gemütlichen sessel) - vor allem mit einer gefühlten ohnmacht und hilflosigkeit, die mir jedoch mein selbst bescheidenes hartz4-leben materiell gut erträglich gemacht hat, in dem wissen, was VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT ist (einerseits als "internationalist") - und andererseits: auch im "besten und reichsten land der welt" auf der seite der armen und betrogenen zu stehen, wenn die "kapitalistischen herrschaftsfreuden" nicht zum eigenen lebensgefühl passen - sondern als perversion wahrgenommen werden.

leider haben die asozialen in den angeblich-demokratischen führungsfunktionen der welt die vorherrschende macht und zeigen der ganzen welt ihre fratze ... und schaffen es immer noch und immer wieder, dass bei der von ihnen gepflegten kulturlosigkeit - die alles vohandene miese und ekelerregende - zu dem der mensch (auch) fähig ist - zu befördern und entwickeln ... und sogar noch sowas wie stolz darauf zu vermitteln...

... doch ich glaube der höhepunkt der perversionen ist (fast?) überschritten - denn soviel unmenschlichkeit können die (meisten) menschen dann doch nicht in sich selbst ertragen ...

ja, zu meinem weihnachten gehören auch gedanken und gefühle in viele teile der welt - zu hungernden und verletzten ... mutigen jenseits des ms ...

Bild des Benutzers fahrwax

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Relativ zeitnahe werden dieser Tage vermutlich auch bombige Grüße aus deutscher Produktion (von der hirntechnischen Maden-Produktion in Germany) in Nordsyrien abgeliefert.

"Wie beim Einmarsch in Afrin Anfang dieses Jahres ist es auffällig still in Europas Politzentralen."

https://www.heise.de/tp/features/Rojava-Auf-der-Suche-nach-Erdogans-Terroristen-4259150.html

Es bietet sich die überparteiliche Eintragung auf eine angemessene Änderung des teutonischen Grundgesetzes an, diese Mehrheit selbsternannter Demokraten ist sicherlich jederzeit verfügbar:

Keine Mordtätigkeit ohne Rendite für deutsches Wachstum & sichere Arbeitsplätze für debile (demokratisierte) Nazis.

Germanen first - wo auch immer gerade gebombt, oder ausgehungert wird........