19 Jan 2019

Quartalsauflagen - Alles relotieren hilft nicht

Submitted by ebertus

Abwärts immer, aufwärts nimmer. Auch das vierte Quartal 2018 brachte die schon gängigen, vom IVW aufbereiteten Verluste unserer sogenannten Qualitätsmedien. Wobei der Fall des Claas Relotius erst Anfang Dezember bekannt wurde, daher in seiner brachchenübergreifenden Dimension noch nicht wirklich in die hier genannten Zahlen eingegangen sein dürfte.


Bin diesmal spät d'ran mit meiner kleinen Nabelschau auf die sog. Lückenmedien, nun mit Fug und Recht wohl auch als Lügenmedien zu bezeichnen. Wobei der Spiegel für dieses vierte Quartal mit minus 1,3 Prozent sogar noch glimpflich davon kommt, der Fall des ertappten Erzählers guter, dem großmedial verkündeten Narrativ entsprechender Märchen erst Anfang Dezember bekannt wurde, seine Wirkung querbeet in der Brache wohl erst noch entfalten dürfte.

Deutlich steiler geht es mit dem Stern bergab. Saubere 11,3 Prozent sind es diesmal gegenüber dem Vorjahr, wobei der Stern dem Spiegel in Sachen Fake News (Märchen) kaum nachsteht. Der Blaue Bote  hinterfragte eines dieser Märchen und wurde sofort juristisch belangt. So wie ich die Einlassungen von Markus Kompa als Rechtsbeistand des Bloggers verstehe nun gerade nicht, weil das mit diesem kleinen syrischen Mädchen kein Märchen war, sondern lediglich deshalb, weil der Blaue Bote dem Qualitätsreporter vom Stern die geballte Naivität bzw. Unwissenheit nicht glaubte; das auch deutlich benannte.

Weiter im Text mit den Zeitschriften. Der Focus verliert gute 3,9 Prozent und bewegt sich damit durchaus in den stetig abwärts zeigenden Leitplanken. Nicht mehr leid tut es mir mittlerweile um das ct'magazin, welches diesmal nur 2,3 Prozent verliert. "Nur", weil neben dem mittlerweile stark gestiegenen Anteil systemfrommer, gar antideutscher Artikel nun auch schnöde Zensur immer deutlicher wird.

Anfang 2019 und zu spät für die Zahlen des hier in Rede stehenden vierten Quartals 2018 veröffentlichte ein mir bis dato unbekannter Viktor Heese bei Telepolis einen Beitrag zum GEZ-Umfeld. Wobei die dort genannten Zahlen bis heute nicht bestritten werden, eher als fundiert und nachvollziehbar angesehen werden dürfen; das ganze Gegenteil also zu den Texten der nach wie vor -wenngleich etwas unrund-relotierenden Medien. Dennoch und wohl auf Intervention einer ÖTV- Gewerkschaft wurde der Autor gefeuert, der Artikel "aktualisiert"; und entspricht dennoch immer noch nicht den Qualitätsanforderungen von Heise Medien:

"Auch nach der zwischenzeitlich erfolgten Aktualisierung des Beitrags entspricht dieser nicht den journalistischen Qualitätsanforderungen von Heise Medien. Deshalb werden wir mit dem Autor zukünftig nicht mehr zusammenarbeiten."

Es sei empfohlen, den Artikel und insbesondere die Kommentare nachzulesen (solange noch möglich ...)


Damit nun zu den überregionalen Tages- und Wochenzeitungen. Bei Bild bzw. Bild am Sontag geht es um 9,8 bzw. 11,3 Prozent abwärts und die aus dem gleichen (Springer) Verlag stammende Welt legt mit minus 11,7 Prozent sogar noch eine Schippe d'rauf. Ok, Springer hält das locker aus, hat mittlerweile diverse andere Geschäftsfelder erschlossen. Kann durchaus sein, dass der gerade hinter uns liegende Wohnungswechsel -die Neue via einem gängigen Immobilienportal gefunden- auch etwas  Geld in die Kasse von Springer&Co. gespült hat.

Die Frankfurter Allgemeine (FAZ) und die Sueddeutsche (SZ) haben diesmal die Reihenfolge in der nach unten offenen Auflagenskala getauscht. Währen die FAZ moderate 1,7 Prozent verliert, so geht es bei der SZ gleich um 3,7 Prozent abwärts. Liegt nicht an mir, lese bzw. kaufe die SZ schon lange nicht mehr, ebensowenig wie den Spiegel. Und da beide mich wegen dem immer mitlaufenden Werbeblocker aussperren, so schaue ich dort auch online nicht mehr rein.

Wobei, um die Ecke bei MEEDIA erfahren, hat Sascha Lobo wohl kürzlich einen skurrilen, dennoch absolut systemfrommen Text bei Relotius-Online veröffentlicht. Skurril (und gefährlich) nicht zuletzt, weil beispielsweise Telepolis und wie weiter oben erwähnt, genau diese impliziten Forderungen von Lobo explizit umsetzt.

Das Neue Deutschland, so munkelt man in der Branche steht einmal mehr vor der Insolvenz, verliert auch in diesem Quartal mit 4,1 Prozent wieder deutlich. Und weil der letzte Link zur taz führt, so sei diese hier abschließend erwähnt.

Die taz lebt nach wie vor von ihrem Status als Genossenschaftsmodell, verliert zwar kontinuierlich über die Quartale; dennoch und auch diesmal mit 2,2 Prozent noch relativ moderat. Ich schaue dort immer mal rein und kommentiere die oft tendenziösen Artikel auch schon mal; in der Regel kritisch und dennoch sachlich. Die taz hat nach meinem Eindruck bereits seit Jahren, spätestens seit dem Frühjahr 2014 deutlich erkennbar, den Schwenk der Grünen hin zu wirtschaftsliberaler (neoliberaler) Positionierung mitgemacht, transatlantisch orientierten Bellizismus eingeschlossen. Was mir nun zunehmend auffällt, das ist diese klammheimliche Zustimmung in Sachen Gewalt, in Sachen guter Selbstjustiz.

Aus meiner Sicht schon beinahe eine Art Zentralorgan der neuen, neulinken, politisch korrekten Antifa ...

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Hier der Link zu den IVW-Zahlen via MEEDIA
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Kommentare

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Egal ob ein privates oder öffentlich rechtliches Zentralorgan agitiert, da spürt man doch die »lenkende Hand« des Adam Smith. Ich nenne darum diesen postdemokatischen Neoliberalismus einen real existierenden Kapitalisten-Sozialismus, der durch seine informellen Mitarbeiter die soziale Marktwirtschaft in den Abgrund steuert(e).

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Zentralorgan
 

Die ARD-Frontfrau Anja Reschke hat es kürzlich erfrischend offen zugegeben.


Perfide?, Skurril? So leitet Reschke den von ihr abschließend und offen zugestandenen "Erziehungsauftrag" aus dem GG, wahlweise den (noch immer geltenden?) alliierten Vorgaben ab. Letzteres ist wohl schon Verschwörungstheorie, oder ...?

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar "lenkend" vs. erziehend
 

Die Interpretation vom erzieherischen Auftag der Nachkriegszeit zur postdemokratischen Politik der Parteienoligarchie heute ist der Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge.

Antwort auf ebertus  zum Kommentar "lenkend" vs. erziehend
 

nach meiner - vorher nicht vorstellbaren - erfahrung mit (auch vielen mir persönlich bekannten) "WENDEHÄLSEN" zu wechsel-zeiten 1990 der ddr zur brd ... also systemwechsel-erfahrungen ... oder ganz banale menschliche enttäuschungen >>> zumindest erlebte und verarbeitete erfahrungen daraus:

es bleibt eine frage des standpunktes, ob "anpassung" KLUG ist? ich weiß, dass es dauf keine klare und allgemeingültige antwort gibt - nur immer einen kontextualen zusammenhang ...

1. geht a.r. mit ihrer klarheit soweit, weil sie eine form der aufklärung und deren grenzen austestet?

oder 2. verkündet sie in propagandistischer art (mit täuschendem charme) eine parole, an die wir uns gewöhnen sollen ... ja sogar vielen "schülern" die richtung des "erfolges" vorgibt? ... also leistet sie einem beitrag der gebetsmühlenartigen wiederholung, die sich dann festsetzen soll und kann und darf?

ps. da ich nicht die fähigkeit besitze, ihre motive zu erahnen oder gedanken zu lesen ... und subtile verschleierung genau so schätze, wie klare offenheit (um durchs leben zu kommen) >>> bleibt eltztendlich nur die nackte information "wir sollen erzogen werden" (zwangsgebührenhaft und nicht freiwillig) ... und DAS ist eine anmaßung >>> und ja sie sollte öffentlich diskutiert werden ... dringend >>> wie überhaupt eine tragfähige WERTE-diskussion dringend notwendig ist - trotz pr-parolen und maulkorbverboten und anderen einschüchterungen durch schikanen ... es ist KAMPF ... ein unfairer kampf ... und ZUERST müssen wir auch um die fairness der kampfmittel kämpfen ... die bekommen wir nicht geschenkt - das sollte uns klar sein: freiheit wurde immer erkämpft und nicht geschenkt ... jedenfalls nicht durch geduldiges schweigen ...

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Wie man so munkelt in der Branche; und daher hier keine Verlinkungen ...

Es wird von dahingehend mehr oder weniger kompetenten Menschen angezweifelt, dass die "nur" 1,3 Prozent Minus beim Spiegel realitätsnah seien (vorsichtig ausgedrückt). Die anderen, zwischenzeitlich im Quartal veröffentlichten Zahlen (Einzelheftauflage bzw. Kioskverkäufe, Nielsen-Anzeigenstatistik etc.) sprechen eigentlich eine etwas andere Sprache.

So ganz unabhängig vom Märchenerzähler ...

Im Grunde vollkommen gegen den Trend, dieses vermeldete geringe Minus beim Spiegel; gegenüber den Springer-Blätttern, dem Stern, dem Focus, auch und insbesondere der Sueddeutschen.

Und nicht zuletzt, basieren die IVW-Zahlen auf absolut freiwilligen, von keiner unabhängigen Seite nachprüfbaren Angaben der Verlage. Natürlich, die faktischen Auflagezahlen dürfte deutlich höher sein als die gemeldete für Abo und Einzelverkauf. Es sei jedoch schon die Frage bzw. Spekulation erlaubt, ob diese zusätzlichen, eher wenig bis keinen Erlös bringenden Hefte, ob sog. Bordexemplare, Lesezirkeleinheiten, Werbegeschenke, e-papers etc. "richtig" verbucht werden.

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Verschwörungstheorie
 

Die intensiv vernetzten Lügenpresse mit der Lügenpolitik schönen ihre Erfolgszahlen seit Jahrzehnten. Die E-Auflage und die Werbeeinnahmen sind nicht öffentlich, sondern –irgendwie– abgeleitet. Eigentlich ist das bereits ein Gewohnheitsrecht. Wesentlicher scheint mir das Bestreben der EU, das Steuerrecht zentral in Brüssel und nicht mehr einstimmig bestimmen zu können.

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Es sieht ein wenig danachaus, das die journalistischen Qualitätsanforderungen von Heise Medien sich um die von Viktor Heese angeprangerten  höheren Einkommensklassen ranken.

Gewerkschaftliche LOHNANBEREI durch das Verschweigen realer Privilegien???

Die Identifikation / Orientierung (an) mit den gehobenen Einkommensklassen, statt mit den gemeinen Hartzern (wie zu hören ist sind die Honorare bei Telepolis eher prekär), hat ihre durchaus ihre Tücken:

 

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Antwort auf fahrwax  zum Kommentar Viktor Heese bei Telepolis
 

Bedarf 2019 2018
Regelbedarf für Alleinstehende/ Alleinerziehende
(Regelbedarfsstufe 1)
424 € 416 €
Volljährige Partner innerhalb einer Bedarfsgemeinschaft
(Regelbedarfsstufe 2)
382 € 374 €
Erwachsene Behinderte in stationären Einrichtungen
(Regelbedarfsstufe 3)
339 € 332 €
RL unter 25-Jährige im Haushalt der Eltern /  Strafregelleistung
für ohne Zustimmung  ausgezogene U 25’er
(Regelbedarfsstufe 3)
339 € 332 €
Kinder 14 bis unter 18 Jahre
(Regelbedarfsstufe 4)
322 € 316 €
RL für Kinder von 6 bis unter 14 Jahre
(Regelbedarfsstufe 5)
302 € 296 €
Kinder 0 bis 5 Jahre
(Regelbedarfsstufe 6)
245 €

240 €

Bei Kindern ist das fast die Hälfte.

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Etwas Realität
 

Das der herrschende Kapitalismus von der, seinen entmündigten Insassen aufgezwungenen. Verknappung existiert macht seine Wortwahl "Bedarf" doch mehr als durchsichtig?

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In den 1000 Jahren von 1933 bis 1945 hieß das: »Auf Diät setzen.«

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Diäten
 

Aus dem aktuellen >> Wort zum Montag<< meiner heißgeliebten Susan Bonath

(zu der Bemessung die das re-gierende Pack der Übersättigten zum >>Minimum<< für Lohnabhängige definiert, findet sie dort ebenfalls die passenden Worte):

 

"Mit leistungslosen Einkommen hat die politische Klasse in Deutschland kein Problem. Diese betrugen laut Sachverständigenrat der Deutschen Wirtschaft bereits vor zehn Jahren mehr als eine halbe Billion Euro pro Jahr – Tendenz steigend. Mehr als ein Drittel jedes Kaufpreises einer jeden Ware geht für die Dividenden, Pachten und Zinsen der Reichen drauf. Mit großzügigen Aufträgen für Rüstungs- und Luxusprojekte wirft die Politik ihrer Klientel die Moneten in den Rachen. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall etwa kassiert jährlich sieben- bis achtstellige Summen für den Betrieb des Gefechtsübungszentrums Altmark in Sachsen-Anhalt, inklusive der Kriegsübungsstadt „Schnöggersburg“. Milliardengräber wie Stuttgart 21 und die Endlos-Flughafen-Baustelle BER lassen grüßen. Bei Cum-ex-Geschäften sieht die Politik weg. Milliarden sickern jährlich in einen monströsen Überwachungsapparat und in Subventionstöpfe der Großkonzerne."

https://kenfm.de/tagesdosis-21-1-2019-arme-haben-freie-wahl-hamsterrad-oder-hungerstrafe/

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Fakten lügen nicht
 

Wer den "Fakten" von König Donald nicht huldigt, verbreitet Fakenews.

Wer der Königin Angela und ihren "Fakten" nicht die Reverenz erweist, hat flott verschissen - wird von den gefälligeren Arschlöchern angekackt.......

Wer interessiert sich da noch für Fakten, wo der Aufstieg lockt?

Die Vermarktung / Verbreitung der verlogenen Thesen der herrschenden Abzocker bringt den Aufstieg - scheißt auf alle mißlichen Fakten.

Die höchst innovativen Projekte von Stuttgarter Bahnhöfen und Berliner Flugplätzen belegen überaus eindeutig welche Klienten gepflegt und welche dafür kastriert / entmündigt werden müssen.

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Armin Wolf schreibt zum Thema bei den "Blättern":

"Journalismus in der Krise

Ich fürchte, ich werde Ihnen keine große Freude machen. Ich bringe nämlich schlechte Nachrichten. Ich möchte über die Krise des Journalismus reden. Die wäre ja schon dramatisch genug, vor allem für uns Journalisten und Journalistinnen, aber ich fürchte, sie ist vor allem ein Symptom für etwas noch viel Bedrohlicheres, für eine Krise der Demokratie. 

Die Krise des Journalismus ist eine dreifache: eine ökonomische, eine politische und eine essentielle. Über die ökonomische Krise muss ich Ihnen nicht viel erzählen. Darüber reden wir seit über zehn Jahren – und noch immer gibt es vor allem viel Diagnose und leider sehr wenig Therapie. Das traditionelle Geschäftsmodell professioneller Medien – wir verkaufen unsere Inhalte an unser Publikum und unser Publikum an Werbekunden – wurde durch die Digitalisierung bis an die Grenzen seiner Tragfähigkeit disruptiert, wie die Verlagsleute gerne sagen, wenn sie schon mal auf Betriebsbesuch im Silicon Valley waren oder zumindest ein Buch darüber gelesen haben."

https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2019/januar/zwischen-propaganda-und-paywall-journalismus-in-der-krise

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Schneller als das Neue Deutschland?

"Geht sterben"; und das dann frei nach Stefan Niggemeier. Erst denkt der taz-Geschäftsführer laut darüber nach und nun auch die stellvertretende Chefredakteurin. Natürlich, und wie beim Neuen Deutschland hat das mit den Inhalten wenig bis nichts zu tun, ist rein der modernen Technik, dem Internet geschuldet, soll dieses Problem nun über eine dicke, ganz tolle Wochenendausgabe eingefangen werden.

Mehrfach wird dem geschätzen Leser, der Leserin plus den (neuerdings) Diversen etwas Honig um das Maul geschmiert; wären doch alle zu diesem Diskurs eingeladen, in diesen Diskurs eingebunden. Komisch, als Leser der taz seit bald vierzig Jahren bekomme ich aktuell über die offiziellen Seiten der Online-Ausgabe davon kaum etwas mit. Der hier verlinkte Artikel von Barbara Junge ist dort konsequenterweise auch nicht zu kommentieren. Vielleicht kann man via der Papierform mehr erfahren, aber die  kaufe ich seit dem Frühjahr 2014 nicht mehr, ist transatlantisch-bellizistische, gar systemfromme Eingebundenheit nicht so mein Ding.

Aktuell und wie im Blogtext geschrieben, entwickelt sich die taz nach meinem Eindruck zum klammheimlichen Zentralorgan der neuen, neulinken militanten Antifa. Wer mag das noch lesen? Außer den neulinken RAFlern im Geiste; oder den verbliebenen, sich noch nicht zu einer Kündigung der Anteile aufraffen könnenden Genossenschaftlern? Jenseits eines auch nur halbwegs erkennbaren intellektuellen Anspruch? Ich mausiere (ohne auszurutschen) das dort bei der online-taz in der Regel gleich durch und immer seltener gibt es einen Beitrag, bei dem ich mich etwas einlese, gar kommentatorisch hinreissen lasse.

Insofern hatte Niggemeier jenseits der Technik des Internet auch inhaltlich recht: Geht sterben!


Nachtrag 23.01.2019

Zum aktuellen taz-Text, der sich einmal mehr, eher verschämt und nicht wenig relativierend dem Gewaltthema nähert, dort habe ich gerade folgenden Kommentar eingestellt:
 

 

Antwort auf ebertus  zum Kommentar Die taz geht sterben ...?!
 

einer der bemerkenswertesten beiträge der gegenwart zur situation der medien: er ist der medienheld des tages und macht vielen mut ... und uns allen klar: wir sind viele - auch wenn die ör-scheinwerfer nicht auf uns gerichtet sind - wir uns nicht schminken lassen müssen, bevor wir etwas sagen und eigentlich reicht die frage: "rote oder blaue pille", wenn wir uns über gelingende zukunft unterhalten wollen ... oder nur grad mal etwas plappern wollen

https://www.heise.de/tp/features/Medien-Wir-brauchen-mehr-Fremdkritik-42...

hier einige "zufällig" ausgewählte kommentare zu seinem text:

https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Medien-Wir-brauchen-mehr...

https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Medien-Wir-brauchen-mehr...

https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Medien-Wir-brauchen-mehr...

https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Medien-Wir-brauchen-mehr...

hier in erinnerung an mögliche alternativen des mainsteams - die durch den ganz plötzlichen tod seines wichtigsten vertreters dann andere wege gingen: sein letzter artikel vor seinem tod ... und auch vor der stellen- und gelderstreichungen von arbeitsfähigen redaktionen ... und der informationskonzentration auf einige wenige - von denen hier zumindestens einer beim namen genannt wurde ... der lebt immer noch ...

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/echtzeitjournalismus-dr-...

Bild des Benutzers ebertus

wie lange Markus Kompa et al. bei Telepolis so  noch werden schreiben können.

Antwort auf ebertus  zum Kommentar Bin gespannt,
 

ich versuche alles, was mir gefällt zu unterstützen - so gut es mir möglich ist - meistens nur verbal oder verlinkungen

was sonst???

Bild des Benutzers ebertus

Wenn es sie nicht schon gäbe, dann müssten sie erfunden werden!

Markus Kompa hat recht, auch wenn die folgend und meinerseits gern verfolgte Thematik vielleicht nicht so ganz die seine sein dürfte. Der einigen hier (auch mir) persönlich bekannte Tilo Gräser hat bei Sputnik einmal mehr den Nachfahren von Holocaust-Überlebenden, hat Moshe Zuckermann zu Wort kommen lassen.

Der differenzierte Blick eines Menschen (den ich in der JW-Ladengalerie persönlich kennenlernen durfte) auf die Instrumentalisierung Holocaust zur Unterstützung des imperialen Gebarens von Israel gegenüber den Palästinensern. Zuckermann und sein aktuelles Projekt "Kritische Aufklärung" sind auch hier im Blog immer mal (mein) Thema. Beinahe zwangsläufig, dass auch Moshe Zuckermann bereits im Fadenkreuz eines inflationär verwendeten Antisemitismusvorwurfs steht; ein Vorwurf hierzulande, auch und gerade erhoben von den Nachkommen der Täter.

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Die taz geht sterben ...?!
 

Habe gerade das 9-Wochen-Probeabo des Wochenend-ND und empfinde die Zeitung als sehr angenehm zu lesen, ein wenig wie die "Wochenpost" oder auch die "Woche" seinerzeit. Die Redaktion muss natürlich ihrem Geldgeber zu Diensten sein, weicht aber immer wieder erfrischend von der "Linie" ab, etwa beim Thema Venezuela oder auch beim Heimatbegiff. Pro und Kontra "Aufstehen" halten sich die Waage, die Gelbwesten werden gut behandelt usw.

Leider gibt es Online-Zugriff auf Inhalte nur mit einem Extra-Abomodell, aber die entscheidenden Stichworte werden genannt, etwa die 42 Forderungen der Gelbwesten, bei denen die Suchmaschine eher auf den "Stern" verweist: Das sind die Forderungen der Gelbwesten

Bild des Benutzers ebertus

Antwort auf hadie  zum Kommentar "Dicke, ganz tolle Wochenendausgabe"
 

Und Du hattest meiner Erinnerung nach hier auch mal von einem Probeabo der NZZ berichtet.

Ich finde das gut und richtig, sich breit aufgestellt zu informieren, auch wenn ND und NZZ vom gesellschaftspolitischen Duktus her eher die gegenteiligen medialen Pole beschreiben, dennoch aktuell noch ohne sofortige soziale Ächtung zitiert werden dürfen. Aber solange wir (und die privaten Medien) sich in einem ökonomisch determinierten Umfeld bewegen, solange braucht es Käufer dieser Medien.

Klar, RT und Sputnik haben es da leichter, ebenso die zwangsfinanzierten Öffentlich-Rechtlichen.

Weder bei der taz noch beim ND habe ich bislang gelesen, welche Auswirkungen der Rückzug auf eine papierne Wochenendausgabe (ansonsten nur noch online) insbesondere auf die Beschäftigten (Feste, Freie, Praktikanten, Zulieferer etc.) haben wird. Und dass der Auflagenrückgang auch -gaaanz wenig natürlich nur- an gewissen Inhalten liegen könnte, das wird in beiden genannten Medien nicht thematisiert; ganz im Gegenteil, gibt's in allwissender Manier oft noch eine Schippe oben d'rauf.

Ansonsten ist es schon klar, weichen das ND und die Junge Welt (aber auch -vorsicht Querfront- Compact oder Kopp etc. ) in Sachen Russland oder -aktuell- Venezuela  deutlich von der in den staatsnahen Verlautbarungsmedien verkündeten Linie ab.

Bild des Benutzers Heinz

Antwort auf hadie  zum Kommentar "Dicke, ganz tolle Wochenendausgabe"
 

Egal, wie softig die fomuliert ist, macht Bezahlschranke bei mir klick und weg bist du.

Nicht mal Werbung durch Verlinken oder Empfehlen mache ich dafür.

Bild des Benutzers ebertus

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die taz und das ND als heisse Kandidaten für absehbar nur noch Wochenendausgaben via Papier zu sehen.

Springer scheint mit seiner Welt, genauer der Welt am Sonntag vorauszugehen, wie MEEDIA vermutet. Beim nochmal d'rüber nachdenken erschließt sich mir das sogar ein Stück weit, ist Springer eher marktwirtschaftlichen Anforderungen unterworfen als die genannten anderen.

Die taz lebt noch recht kommod mit ihrem Genossenschaftsmodell, halten viele Schäfchen ihr in einer Art Beharrungsvermögen noch die Treue, gehört sie in neulinken, gerade grünen Kreisen einfach dazu.

Das ND dagegen wird wohl primär von der Linkspartei am Leben erhalten, solange dort noch etwas finanzielle Masse zu verteilen ist, externer Werbeauffwand mit Sicherheit teurer zu bezahlen wäre.


Wie dem auch sei, bei allen dreien und auch anderen, sogenannten Qualitätsmedien gehen die Zahlen der gedruckten Auflagen schneller runter, als es -und nach nicht nur meiner Ansicht nach- betriebswirtschaftlich darstellbar wäre; ohne Querfinanzierung und/oder Griff in die Rücklagen.

Am 18.04. gibt es die nächsten IVW-Zahlen für das erste Quartal 2019 - mal schauen ...