19 Mär 2019

Gut gebrüllt, Löwin ...

Submitted by ebertus

Kritik an dieser blauäugig dargebotenen Untätigkeit der Regierenden zum Thema Klimawandel ist richtig, ist nötig. Sich dann jedoch auf wohlfeile Gemeinplätze und Schlagworte zurückzuziehen, das desavouiert dieses doch hehre Anliegen gleich ein Stück weit.


Mit Susan Bonath gehe ich inhaltlich meist konform, einen aus meiner Sicht und unterhalb der Gürtellinie vorgetragenen Anwurf gegen Sahra Wagenknecht mal außen vor gelassen. Und Bonath schreibt viel, ob bei KenFM, bei Rubikon, in der Jungen Welt oder eben bei RTdeutsch. Genau dieser Artikel bei RT  ist mir heute beim Morgenkaffee nun unangenehm aufgestoßen.

Eigentlich geht es bei diesem Text zu 99,9 Prozent lediglich darum, die sattsam bekannten Textbausteine neu anzuordnen, dem Kapital und seinen Seilschaften die Schuld am Klimawandel zu geben; und ansonsten sich jeder Konkretisierung zu enthalten, die "anderen Marktteilnehmer" eingeschlossen; bzw. gnädig ausgeblendet. Wenn ich böse formulieren wollte dann so:

Bonath übt auf ihre Art den Schulterschluß mit allen Guten, von den systemisch bereits eingemeindeten Grünen bis zur Greta. Und wer das nicht so sehen will, der  ist dieser Meinungskampagne des Kapitals aufgesessen, die sogar als "Systemkritik" verkauft werden kann.


Dumm nur, dass man dabei unter sich bleibt, in dem Spiel  nicht mal die AfD ein Plätzchen am Tisch der Schuldigen zugewiesen bekommt. Denn das fiel mir bei der großmedialen Berichterstattung zu den Schülerstreiks etc. so uff ... Täter und Opfer sind beide die Guten; wenn Merkel & Co. als Vertreter des Systems den Streikenden ihre Solidarität verkünden. Hat den Schülern mal jemand gesagt, dass die Regierung, die hinter ihr stehenden Herrschenden und fast alles Besitzenden gleichzeitig die (einzigen) Täter sind; aber leider, leider garnichts machen (können, wollen, brauchen). Weil die Guten ihnen den Rücken freihalten.

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Und Susan Bonath selbst hüllt sich zwischen ihren Textbausteinen zum Konkreten, zu den doch (hoffentlich) möglichen Alternativen in Schweigen, ist ihr schlußendliches "Kapitalismus abschaffen" mehr als wohlfeil; schon beinahe bockig. Nochmal böse formuliert, so könnte man ihr eine Art Querfrontvorwurf machen, nun auch mit den Grünen und der Linkspartei als willfährig Gute am Katzentisch der Macht.

Die Grünen hatten, als sie in NRW noch in der Regierung saßen, der Rodung des Hambacher Forstes zugestimmt, mussten und müssen daher bei den aktuellen Protesten dort immer an ihre eigenen Worte und Taten denken, sich eher zurückhalten. Und die Linkspartei macht in Brandenburg alles mit was die SPD zum Braunkohletagebau in der Lausitz etc. vorgibt, ist jetzt sogar zum neuen Polizeigesetz voll dabei.

Zur Thematik der Flüchtlinge (die Susan Bonath auch immer mal abhandelt), da hat man wenigstens noch die AfD als Schuldige, kann deren Vertreter als die qua Definition Bösen entlarven; obwohl diese weder im Bund noch in irgendeinem Bundesland für EU-Natodrahtverhaue und andere, menschenunwürdige Zustände rund um das Mittelmeer exekutiv verantwortlich sind.

Aber zum Thema der Klimapolitik reicht es bei Bonath kaum für mehr als die bekannte Kontaktschuld:

"So sitzt beispielsweise EIKE-Vizepräsident Michael Limburg im Fachbeirat der AfD für Energiepolitik. EIKE-Präsident Holger Thuß ist nicht nur CDU-Lokalpolitiker in Jena. Er fungiert auch als politischer Berater des Heartland Institute, ist Mitglied der Hayek-Gesellschaft mit Sitz in Berlin und Autor der rechtslibertären Zeitschrift "eigentümlich frei". EIKE arbeitet zudem eng mit dem Liberalen Institut der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung zusammen."

Schön, und exekutiv ...? Eben, da sind es ausschließlich die (neuen) Blockparteien, auch die alles mitmachenden Guten, von der SPD über die Grünen bis hin zur Linkspartei. Insofern muß man sich nicht wundern, dass die im Bonath-Artikel genannte "Systemkritik" nun primär "von rechts" kommt, vom Kapital nur noch eingesammelt werden muss. Sie hatten ihre Chance, diese Linken, wurden jedoch und offensichtlich noch viel früher eingesammelt als deren verbliebene Klientel.

Wer hat uns verraten? Die Guten!

Kommentare

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von allen west-usa-seiten mit superspannenden inhalten, die für deutschlands medien (die ja gar nicht richtig wissen, wie lange sie noch putin bashen oder vielleicht doch etwas einlenken sollen ... wie auch immer, ihre einsichte plumpheit hat sich wohl in der ganzen welt langsam aber sicher herum gesprochen, da sind sich die internationalen linken und rechten absolut einig ...

also hier zwei konträre sichten - mit gleichen fakten und ganz unterschiedlichen motiven ... und mit spannenden kommentaren, die man wie bei der nzz in d nicht findet ...

"Auf zum ersten Gefecht
Das Neue an der US-Debatte um sozialistische Politik sind nicht die Ideen dahinter. Sondern dass in Amerika ernsthaft über Alternativen zum Kapitalismus nachgedacht wird."

https://www.zeit.de/kultur/2019-03/sozialismus-kapitalismus-gesellschaft...

Niall Ferguson über die Kultur an Unis: «Als Rechter bist du ein potenzieller Nazi. Kommunisten hingegen sind moralisch einwandfreie Sozialdemokraten»
Er zählt zu den wichtigsten Historikern der Gegenwart. Im grossen Gespräch rechnet Niall Ferguson mit dem Wohlfühldenken vieler Kollegen ab: Er legt offen, wie die Linke die angelsächsischen Universitäten gekapert hat. Und wie jene, die ständig von Inklusion sprechen, Andersdenkende konsequent exkludieren.

https://www.nzz.ch/feuilleton/niall-ferguson-als-rechter-bist-du-ein-pot...

ps. kommentare anderer lesen ist fast genauso interessant, wie selbst welche schreiben :-)))

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Antwort auf marie  zum Kommentar noch mehr brüllende löwen

trifft Daniele Ganser; oder so ...

Ersterer: "Und wie jene, die ständig von Inklusion sprechen, Andersdenkende konsequent exkludieren."

Letzterer: via Spreadwords (via Rubikon):

"Wir waren einfach nur eine Menschheitsfamilie, bevor uns die Religion trennte, die Politik uns separierte und das Geld uns teilte."


Wenn man heute ehemals linke Medien konsumiert, so wird dort separiert und exkludiert, was die Tastatur nur so hergibt. Im Grunde, und so verstehe ich Ganser wie Fergusson, haben die neuen Linken und ihre Medien nebst politischer Repräsentanz und im Auftrage des Geldes genau diese Funktion übernommen, welche die Religion früher inne hatte.

Antwort auf ebertus  zum Kommentar Niall Fergusson
 

so radikal, wie ich denken kann, könnte ich zu dem schluß kommen, dass schon die religion GANZ ALLEIN zu geldeinnahmen ihrer "erfinder" gedacht war "ich halt sie dumm - du hälst sie arm" ... doch auch da gab es ja einen franz von assisi ... also ÜBERALL - bei jedem dogma gibt es ausnahmen, die WIRKLICH im wortsinn durch ihre taten die ganze heuchelei für die welt sichtbar machen ... doch sie schaut ja selbst aufs geld ... dieses superschlaue täuschungsmittel, welches letztendlich ein stück papier in schlösser, autos und jeden realen wert der welt umtauschen kann ... und somit gibt es - zu ende gedacht - nur noch WERTE, die nicht käuflich sind - aber gleichzeitig belächelt und tief als gravierendes defizit des mensch-seins wahrgenommen wird ... bewußt oder unbewußt ... jedenfalls aus allen bereichen der gesellschaft verdrängt ... bis auf letzte reservate von kunst, philosophie und anderen "spinnereien"

genau daraus erkläre ich mir die zunahme als dringenden trost in unterschiedlichen ideologien, religionen und esoterisch-sektenartigen sonstwas ... die letztendlich bei "relativer logik(ehrlichkeit) und analyse der realität" alle zu dem gleichen ergebnis kommen - ob rechts-links-konservativ-kommunistisch >>> doch ein wirklich ehrlich-evolutionärer diskurs, der alle positionen zuläßt, wird vermieden ... denn er würde letztendlich die heuchelei auf ALLEN seiten offenbaren und wäre das ende jeder macht-spiel-fantasie

ps. meine haltung ist immer auf der seite der vertrauensvollen ehrlichkeit, welche die widersprüche kritisiert, um sie zu klären ... auch ist meine haltung zu geld (zum ärger meiner kinder, für die ich immer kompromisse gemacht hatte) ein teil meiner inneren freiheit ... und gleichzeitig ein teil meiner äußeren begrenzung, die ganz einfach die gesellschaftlichen verhältnisse vorgeben, die ich massivst ablehne und diese ablehnung humorvoll bis schamlos persönlich lebe ... ich will weder held sein, noch lasse ich mir scham einreden

Antwort auf ebertus  zum Kommentar Niall Fergusson
 

es ist für mich hoffnungsvoll, dass diese relative offenheit und toleranz in anderen ländern von intellektuellen ebenfalls gefordert wird - das echt tragische ist, dass dies in deutschland nur die afd und die dkp - jeder auf seine art tun ... wobei ich beiden schon einige spezielle interessen unterstelle ... dies jedoch IMMER ERST DANN, wenn sie in machtbesitz sind/wären real und praktisch zu analysieren wäre ... NIEMAND ist perfekt und vollkommen ... aber darauf hin zu arbeiten und für menschen deren vielfältigen und ureigendsten interessen aller art - außer purer menschenverachtung - zu ermöglichen ist dafür der maßstab - egal ob der sich bei kirchenvertretern, konservativen, linken aktivisten oder "einfachen" menschen findet ... ja selbst mein glaube an die KUNST macht ja nur sinn, wenn über KUNST das gleiche verständnis vorhanden ist und nicht alles, was sich so nennt oder genannt wird damit gemeint sein kann

doch bei fast allen begriffsverwendungen herrscht ein dermaßen durcheinander, dass kaum noch einer unmißverständlich verwendet werden kann ... und sich ins pure gegenteil verkehren läßt

ALLE die daran beteiligt sind, sind menschenverachter die zur verwirrung beitragen ... und in deutschland ist dies wohl der wichtigste bestandteil der "leitkultur" ... ganz egal, was über andere kulturen und länder geschrieben und gesagt wird ... ich bin voll bei heinrich heine und versuche nicht daran zu denken, um ruhig schlafen zu können ... wenn ich auf den rest der bunten welt schaue und die unruhegeister mit menschlichen träumen