25 Mär 2019

Mali meets Afghanistan

Submitted by ebertus

Und die Bundeswehr ist mitten d'rin. Wird dort auch unsere Freiheit verteidigt? So wie doch angeblich am Hindukusch? Oder lediglich Unterstützung für die ehemalige Kolonialmacht Frankreich geleistet?

Die Anregung zu diesem Blog verbirgt sich hinter einem aktuellen Telepolis-Artikel und beginnen mag ich mit einer eher persönlichen Geschichte. Bei meinem letzten Besuch in Italien vor wenigen Wochen da war für einen Tag ein gemütliches Abendessen im dortigen Freundeskreis angesetzt. Eine mir gut bekannte Italienerin, die den -trotz Salvini...- immer noch zahlreichen Flüchtlingen italienisch beibringt, sie hatte einen ihrer Schüler mitgebracht.

Klar, ein Bootsflüchtling, ein junger Mann aus Mali; sonst würde ich das hier und zur Überschrift passend nicht so konkret berichten. Er sprach primär französisch, und ich eben deutsch (wahlweise englisch), wobei unser beider Italienischkenntnisse noch nicht für eine auch nur ansatzweise verstehende Diskussion ausreichten. So waren wir auf die Übersetzungen dieser eingangs erwähnten Italienerin angewiesen, welche ein Stück weit sowohl deutsch als auch französich spricht.

Der junge Mann mit einem -nach seiner Aussage- muslimischen Hintergrund spricht die Sprache der ehemaligen Kolonialherren, machte einen gebildeten Eindruck und eröffnete zwei Erkenntnisse, deren Hintergrund mir in dieser zum Nachdenken anregenden Nähe bis dato noch nicht bewußt war.

1. Die Franzosen sind dort und insbesondere unter der muslimischen Bevölkerung absolut verhasst

2. Die Bundeswehr wird zwar als Besatzungsmacht gesehen, ist gegenüber den Franzosen jedoch besser gelitten

Den Grund dafür konnte ich in diesem Gespräch und wegen der problematischen Verständigung im Detail (die Lehrerin ist keine Spezialistin für gesellschaftspolitisch derart heikle Themen) nicht wirklich ergründen, habe mir das später mit gewisser Recherche noch etwas aufbereitet. Danach ist es wohl so, dass die Bundeswehr primär auf Präsenz zeigen und auf Beobachtungen hin orientiert ist, während die Franzosen massive aktive Kampfeinsätze exekutieren; insbesondere gegen die in der Regel islamistisch orientierten Aufständigen.

Eine gewisse Parallele zu Afghanistan, wo insbesondere die US-Amerikaner militärisch aktiv sind.

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Was nehme ich nun mit aus dieser Begebenheit?

Während die Flüchtlinge aus dem Nahen und Mittleren Osten mehr oder weniger eindeutig auf den US-Imperialismus zurückzuführen sind, die entsprechenden -faktischen- Rohstoffkriege unter Beteiligung der Nato eingeschlossen, so ist die Situation der Flüchtlinge aus Afrika wohl zum erheblichen Teil auf deren Status als (ehemalige) Kolonien zurückzuführen. Und das "ehemalige" sei hier bewußt in Klammern gesetzt, weil zumindest der ehemals größte Kolonialherr in Afrika es faktisch nach wie vor ist.

Wenn es also in unregelmäßigen Abständen jetzt immer wieder darum geht, wer denn von den guten Europäern die vor Libyen geretteten Flüchtlinge aufnimmt (nachdem Italien und auch Malta sich dahingehend konsequent weigern), dann sollte bei dieser bigotten Schacherei um Zahlen eben nicht vergessen werden, welche neokolonialen Interessen insbesondere Frankreich in Afrika vertritt.

Manchmal ist es gut, wenn man weder eine ehemalige Kolonialmacht, noch eine aktuelle Besatzungsmacht ist. Dass dieser, oben erwähnte junge Mann aus Mali sich trotz des doch so bösen Salvini nun explizit für Italien entschieden hat, das ist mir nach diesem Abend durchaus etwas verständlicher. Nicht zuletzt, was die romanische Sprachfamilie betrifft, so liegen Frankreich und Italien doch wesentlich näher aneinander als eben Mali und Deutschland;

und eben zu der Frage führt, was haben wir, was hat die Bundeswehr dort in Mali zu suchen.

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Ab Mitte Juni bin ich aller Wahrscheinlichkeit nach wieder unten, vor Ort. Mal schauen, ob es dann weitere Informationen, vielleicht sogar ein erneutes Treffen mit diesem Flüchtling gibt.
 

Kommentare

Bild des Benutzers fahrwax

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"Die Versuche, nun in Mali und den Nachbarstaaten die brutalen Folgen einer völlig falschen Kriegspolitik mit ebensolchen Mitteln zu begrenzen, können nur scheitern. Die Fokussierung auf den so genannten Anti-Terror-Kampf muss aufhören, die militärischen Einsätze müssen zurückgefahren werden und die humanitäre Unterstützung und der Dialog auch mit militanten Kräften gefördert. Genau eine solche Friedenslogik ist gefragt, um Mali Sicherheit und Stabilität zu verschaffen."