23 Mär 2016

Ursachenforschung II – Mord und Selbstmord

Submitted by Delloc

Jeder Mörder spielt Gott, indem er eigenmächtig über Tod und Leben entscheidet. Jeder mörderischen Entscheidungen geht eine Bewertung voraus, die in der Liquidation einer lebendigen Teilwirklichkeit Vorteile sieht. Ein gottloses Wertesystem ist dafür die notwendige Voraussetzung – wie für jede Art von Gewalt.

Zwar sind Schuldgefühle die unweigerliche Folge aller Gewalttaten; doch um diese zu beherrschen, zu besänftigen und loszuwerden, wurde ein psychomentales Muster entwickelt, das ihre Ursachen ganz woanders sucht und zu erkennen glaubt. Mit anderen Worten: es werden Zusammenhänge konstruiert, die nur ein Ziel haben, nämlich die eigene Schuldlosigkeit herauszustellen und die Schuld auf andere abzuwälzen, die fortan als Feinde gelten und liquidiert werden können.

In gottlosen Gesellschaften wird derart Schuldlosigkeit als Rechtfertigung für Mord gesehen und somit paradoxerweise zur endgültigen Schuld pervertiert. Die derzeitigen Drohnenmorde und Bombardierungen der Moslems sind Ausdruck dieser Perversion.

Jeder Mord ist ein sinnloses Ritual, das aus der Liquidation Gottes einen Machtzuwachs zu generieren sucht und diese Kraft magisch in seinen Mörder investiert – als Zeichen dafür, dass die Form über den Inhalt triumphiert und die Liebe ihre Bedeutung verloren hat.

In der Koinzidenz von Mord und Selbstmord wird diese Bedeutungslosigkeit auf die Spitze getrieben. Wenn alle zur Wahl stehenden Möglichkeiten des Lebens zunichte gemacht werden, wird deutlich, wie tief Schuldgefühle dominieren können. Wer nämlich glaubt, Sühne durch Mord und Selbstmord zu erlangen, der hat wahrscheinlich selbst niemals Liebe und Vergebung erfahren. Und so kehren die Bomben- und Granatsplitter zurück zu ihren Produzenten...

Kommentare

Bild des Benutzers ebertus

"Und so kehren die Bomben- und Granatsplitter zurück zu ihren Produzenten ..."

Und Gott, oder wie er in den verschiedenen (abrahamitischen) Religionen genannt wird, ist zumindest hierzulande nicht viel mehr als eine Hülle, gern für sog. westliche, abendländische Werte instrumentalisiert.

Daran schließt sich (für mich) jedoch ebenfalls an, dass es bei der aktuellen Auseinandersetzung eher nicht um Glaubensfragen, um Religion geht, auch gottlose Menschen und Gesellschaften nicht per se böse sein müssen; vice versa ...

Aktuell geht es nach meiner Ansicht eben nicht um Huntingtons "Clash of Civilizations" incl. jeweiliger Religionen, Kulturen und deren Rituale, sondern um schlichte Machtpolitik, um Herrschaft über Ressourcen und um geostrategische Positionierungen.

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{Schlichte Wahrheit... Gott... ist zumindest hierzulande nicht viel mehr als eine Hülle... für sog. westliche, abendländische Werte instrumentalisiert}

Selbst, wenn das vermutlich stimmt, bedeutet es ja nicht, dass die universale Lebenswirklichkeit (= meine Definition von Gott) sich dadurch auf diese reduzierte Perspektive begrenzen wird... J

 

{Daran schließt sich (für mich) jedoch ebenfalls an, dass es bei der aktuellen Auseinandersetzung eher nicht um Glaubensfragen, um Religion geht...}

Schon Aristoteles wusste, dass der Mensch nicht das ist, was er „sich dünkt“, zu sein.

Außerdem: wenn man Religion auf Fragen des Glaubens reduziert, lässt man außeracht, dass die Essenz menschlicher Existenz auf Identitäten beruht, die ohne Religion, bzw. ohne eine transzendente Dimension, keinen „vernünftigen“ Sinn machen.

Das Fehlen transzendenter Erfahrungen und ihre Verwechslung mit übersinnlichen Hirngespinsten ist die Ursache aller identitätsverzerrenden Wahrnehmungen.

Die daraus resultierende Verkümmerung des menschlichen Selbstwertgefühls kann in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zunehmend als „Verwahrlosung“ beobachtet werden – „Verwahrlosung“ im Sinne des Verlustes jener Wahrheit, die auf das eigene Selbst als Gewissheit gerichtet ist. Wenn die Menschheit durch einen ökonomischen Totalitarismus zunehmend daran gehindert wird, sich ihrer selbst in Wahrheit gewahr zu werden, dann ist damit allerdings das Ende einer natürlichen identitätsbildenden Selbsterkenntnis beschlossen.

 

{... auch gottlose Menschen und Gesellschaften (müssen) nicht per se böse sein...}

Auch hier gilt, dass es nicht von Bedeutung ist, ob jemand „sich dünkt“, gottlos, gut oder böse zu sein. Die Gleichsetzung von gottlos und böse ist lediglich ein oberflächliches Synonym des derzeitigen moralisierenden Mainstream-Diskurses...

Das Kriterium für Gottlosigkeit erfüllt sich bei der Antwort auf die Frage, wer der Handelnde ist, wer oder was als Subjekt, bzw. als ursprüngliche Quelle, gesehen und verehrt wird.

Sobald nämlich das Ego des Menschen eine höhere Priorität genießt als die universale Lebenswirklichkeit, ist jede Art von destruktiver Gewalt die zwangsläufige Konsequenz.

 

{Aktuell geht es nach meiner Ansicht ... um schlichte Machtpolitik, um Herrschaft über Ressourcen und um geostrategische Positionierungen}

Ja, genau!

Aber gerade deswegen ist das Verständnis, wie es dazu kommen konnte und welche psychomentalen Vergewaltigungen dem vorausgehen müssen, von fundamentaler Bedeutung.

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Grundsaetzlich wuerde  ich gern zustimmen.  Der Terrorthematik in eine "religioese" Dimension zu stellen, finde ich auch sehr wichtig. Doch es werden einige implizite Definitionen verwendet, die ich problematisieren moechte.

1. Was ist eine "gottlose Gesellschaft"? Wann ist eine Gesellschaft nicht gottlos? usw. (endlos viele Nachfragen.)


2. Mord. Mord ist ein gesellschaftliches Konstrukt. In angelsaechischen Gesellschaften gibt es man-slaughter unterschiedlichen Grades, die je nach  Umstaenden und Motiven beurteilt werden. (Im deutschen Recht ist u.a. "Heimtuecke" ein qualifizierendes Merkmal des Mordes.)

3. "Selbstmord" ist auch ein (dis)qualifizierender Begriff. Suizid ist eine Selbsttoetung, aber kein Mord.

4. Die hoechste Strafe fuer einen Mord ist die Hinrichtung. Wenn ein "Moerder" sich also selbst hinrichtet ist die Tat damit (sozial und rechtlich) gesuehnt.    Auch bei einem mehrfachen "Mord" ist das so.  Da in zivilisierten Gesellschaften heute die Todesstrafe abgeschafft ist, wird als Suehne lebenslange Haft als angemessen angesehen. (Die Angehoerigen der Opfer sehen das natuerlich anders.)

5. "Suicidebomber" stoeren zwar den Rechtsfrieden (wie jede Toetung eines Menschen). Tat und Strafe stehen jedoch in einem "angemessen" Verhaeltnis zueinander. 

Das wird natuerlich in der oeffentlichen Terrorismus-Debatte nicht so gesehen. Da werden vor allem die Legitimitaet der Motive fuer die Selbsttoetungen und die Totung von anderen Menschen thematisiert. Fuer beides werden psychologische bzw. "religioese" Motive angenommen, die dann politisch umgemuenzt werden.

Wuerde man die Ereignisse weniger hysterisch betrachten und generalisieren, waere viel gewonnen. 13 Tote wie in Bruessel sterben auch auf deutschen Autobahnen innerhalb weniger Tage. 

Bild des Benutzers Delloc

{1. Was ist eine "gottlose Gesellschaft"?}

Wenn das Ego dominiert und demzufolge singuläre Interessen die Balance des Ganzen zerstören.

 

{2. Mord ... ist ein gesellschaftliches Konstrukt...

3. "Selbstmord" ist auch ein (dis)qualifizierender Begriff. Suizid ist eine Selbsttoetung, aber kein Mord.}

Die (disqualifizierende !) Selbstermächtigung, über Tod oder Leben zu entscheiden, war mir wichtiger als gesellschaftlich moralisierende Differenzierungen.

 

{4. Die hoechste Strafe fuer einen Mord ist die Hinrichtung. Wenn ein "Moerder" sich also selbst hinrichtet ist die Tat damit (sozial und rechtlich) gesuehnt. ...

5. "Suicidebomber" stoeren zwar den Rechtsfrieden (wie jede Toetung eines Menschen). Tat und Strafe stehen jedoch in einem "angemessen" Verhaeltnis zueinander.}

Strafe ist eine Form der Sühne für Opfer und Beobachter. Sie besitzt ihren spezifischen Wert lediglich als Ersatz für unkontrollierte Rachemaßnahmen.

Die Motive der Tat bleiben aber ungesühnt, weil durch Strafe allein keine erweiterten Selbsterkenntnisse beim Täter initiiert werden.      

Selbst wenn sich der Täter durch Suizid selbst bestraft/richtet, hat er lediglich die Wiederholung der Tat durch denselben Täter verunmöglicht, aber keinen Beitrag geleistet, Gewaltmotive durch Bewusstseinserweiterungen zu bearbeiten bzw. aufzulösen.

 

{... fuer die Selbsttoetungen und die Totung ... werden psychologische bzw. "religioese" Motive angenommen... Wuerde man die Ereignisse weniger hysterisch betrachten und generalisieren, waere viel gewonnen. 13 Tote wie in Bruessel sterben auch auf deutschen Autobahnen innerhalb weniger Tage.}

Ja, den Tod generell zu hysterisieren, ist zweifellos eine Art von Realitätsverlust. Aber wenn in einer Gesellschaft, die emotional zunehmend ärmer wird, auf Gewalt, die gezielt auf die Liquidation von Leben gerichtet ist, sensibel reagiert wird, so finde ich den Appell zur Deeskalation irgendwie schon ziemlich abgebrüht...

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 Den undefinierten Begriff durch den undefinierten Begriff "Balance des Ganzen" zu definieren, finde ich unbefriedigend. Sind aber nur Woerter. Ich kann mir schon vorstellen, was Sie so ungefaehr meinen.

Die (disqualifizierende !) Selbstermächtigung, über Tod oder Leben zu entscheiden,

ueber den Tod von anderen zu entscheiden disqualifiziert. Keine Frage. Das eigene Leben zu beenden ist m.E. ein Recht. Das wird von den abrahamitischen Religionen natuerlich anders gesehen.    

Gewaltmotive durch Bewusstseinserweiterungen zu bearbeiten bzw. aufzulösen.

Das ist evtl. Aufgabe der Paedagogik oder der Sozialwissenschaft aber nicht des Strafrechts.

 

Ich bin dabei einen eigenen Beitrag um Thema zu schreiben und werden den hier und in der dFC einstellen. Dauert noch ein paar Tage.

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{Das eigene Leben zu beenden ist m.E. ein Recht.}

Das Recht ist immer nur eine historisch veränderliche Werteordnung. Insofern gab und gibt es zum Suizid die unterschiedlichsten Auffassungen, Verurteilungen und Sanktionen. Übrigens: bei Männern unter 40 ist es in Europa inzwischen die zweithäufigste Todesursache.

Die Vorstellung "eigenes Leben" setzt allerdings ein Ego voraus, das glaubt, klar und deutlich zwischen "Ich" und "NIcht-Ich" unterscheiden zu können. 

Da an jedem singulären Ereignis aber stets das gesamte Universum beteiligt ist („Bells Theorem“), sind Verallgemeinerungen einzelner Perspektiven stets unzureichend und fehlerhaft. Diese Erkenntnis, die von Physikern als die wichtigste Entdeckung auf dem Gebiet der Wissenschaft angesehen wird, erfordert eine äußerst subtile innere Vision. Es gibt nicht nur nichts, worauf man mit dem Finger zeigen könnte, um es als Ursache von diesem oder jenem zu begreifen. Zusätzliche dürfte, streng genommen, jede Singularität nur als relative Positionierung lokalisiert und beschrieben werden.

Mit anderen Worten: einzelne Dinge oder Wesenheiten existieren weder an sich noch für sich, sondern sind lediglich Erscheinungen, die durch eine separierende Beobachtungsweise hervorgehoben werden, während der Kontext, in dem sie existieren, in den Hintergrund gedrängt wird. 

So stellt ein „Ich“, das sich als getrenntes, unteilbares Wesen („Individuum“) abgrenzt, lediglich eine gedankliche Erfindung dar, bei der wesentliche Zusammenhänge  ausgeblendet werden. „Das könnte die tiefste Ursache der Angst sein -, dass man sich an etwas klammert, das nicht existiert.“ (Jiddu Krishnamurti)

Insofern basiert auch die Vorstellung von einem "eigenen Leben" auf der Illusion der Existenz singulärer/separater Entitäten. Die Tatsache, dass du theoretisch die Macht hast, deinem Ich-Beobachter die existenzielle Voraussetzung zu entziehen, ist ja noch kein Beweis dafür, dass der tatsächliche Suizid letztendlich allein dein eigener Entschluss gewesen ist.

Bei dieser Gelegenheit fällt mir ein, wie wunderbar jene Stunden meines Lebens waren, als ich erstmalig die Erkenntnis zulassen konnte, dass ich gar nichts entscheiden muss... außer einfach aufmerksam zu beobachten, was "der Wind mir will, eh noch die Birken beben." (frei nach Rilke) 

Bild des Benutzers Aussi43

Ok.

Diese Betrachtung zu "Ich" und "nicht-Ich" ist mir nicht fremd. Und als spirituell-grundsaetzliche Bestimmung der eigenen Existenz kann ich diese Sichtweise teilen.
Ich weiss aber auch, aus eigener Erfahrung, wie schwierig und langwierig es, ist eine solche Sichtweise der eigenen Person zu"realisieren", wie man es im Zen nennt.

Die Vorstellungen vom eigenen "Ich" als "Traum" zu erkennen, ist ein sehr grosser Schritt, der den meisten Menschen, auch bei grossem Bemuehen nach langer Uebung moeglich ist. (Oft gar nicht.) Im Zen heisst das dann gut japanisch "kensho".
Krishnamurti und andere spirituelle Lehrer haben diese Sichtweise vertreten, aber nie eine gesellschaftliche "Norm" daraus gemacht.
 
In der alltaeglichen Wahrnehmung, in der "Lebenswelt", ist diese spirituellle Einsicht nicht vorhanden. Lebensweltlich, im Alltagswissen, gibt es klar abgegrenzt  "Ich" und "Andere". Das haben Phaenomenologen und Anthropologen sehr deutlich herausgearbeitet.
 
Auf dieses "Alltagswissen" beziehe ich mich. In diesem Kontext sehe ich das Recht auf die Selbsttoetung als wichtigen Fortschritt gegenueber dem fruheren, religioes begruendeten Verbot der Selbsttoetung.
 
Ein andere Frage ist es, wie die Gesellschaft auf zunehmende Haeufigkeit der Selbsttoetungen reagieren koennte oder sollte. Da gibt es m.W. viele Ansichten und praktischen Ansaetze. 
Einen sehr guten Artikel dazu (ueber eine bestimmte Gruppe von Menschen) habe ich neulich im Guardian gelesen.

https://www.theguardian.com/science/2016/mar/18/premature-autism-deaths-...

 Wie auch immer, jedenfalls ist die spirituelle Sicht des "Ich" kein gesellschaftlicher Grund fuer ein allgemeingueltiges Verbot der Selbsttoetung.

 

Soweit so unterschiedlich von Ihrer Position. Wir muessen uns ja nicht gegenseitig ueberzeugen. Deshalb wuerde ich von mir aus diese Debatte hier beenden.

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{... "Ich" und "nicht-Ich" ... Ich weiss aber auch, aus eigener Erfahrung, wie schwierig und langwierig es, ist eine solche Sichtweise der eigenen Person zu"realisieren", wie man es im Zen nennt.

Die Vorstellungen vom eigenen "Ich" als "Traum" zu erkennen, ist ein sehr grosser Schritt, der den meisten Menschen, auch bei grossem Bemuehen nach langer Uebung moeglich ist. (Oft gar nicht.)}

Ja, das ist die Gefahr bei der „sadhana-Fraktion“, dass Übungen und jedes Bemühen die Haltung verstärken, selbst der Handelnde zu sein. Solange diese Überzeugung dominiert, ist es fast unmöglich, die psychomentalen Prozesse der Wahrheitsfindung loszulassen. Diese verhindern aber geradezu, das reine Bewusstsein der Wirklichkeit lebendig wahrzunehmen und sich als teilnehmendes Wesen darin und dabei zu erfahren.  

 

{Krishnamurti und andere spirituelle Lehrer haben diese Sichtweise vertreten, aber nie eine gesellschaftliche "Norm" daraus gemacht.

In der alltaeglichen Wahrnehmung, in der "Lebenswelt", ist diese spirituellle Einsicht nicht vorhanden. Lebensweltlich, im Alltagswissen, gibt es klar abgegrenzt  "Ich" und "Andere". Das haben Phaenomenologen und Anthropologen sehr deutlich herausgearbeitet.}

Ja, die Normen werden dort gesetzt, wo die Erfahrung der Wirklichkeit fehlt. Gesetze und Vorschriften werden von jenen gemacht, die ihre wirklichkeitsfremden Vorstellungen als wahr propagieren, weil sie in ihren eigenen Hirngespinsten gefangen sind.

 

{Auf dieses "Alltagswissen" beziehe ich mich. In diesem Kontext sehe ich das Recht auf die Selbsttoetung als wichtigen Fortschritt gegenueber dem fruheren, religioes begruendeten Verbot der Selbsttoetung.}

Alle Gebote und Verbote entspringen einer Vorstellung, der eine singuläre/fragmentarische Projektion auf eine vermeintliche Wirklichkeit vorausgeht. Insofern haben alle Normen lediglich eine zeitlich begrenzte Geltungsdauer. Sich mit dieser Relativität zu identifizieren, indem man eine Norm des „Alltagswissens“ hofiert, ist (glücklicherweise) nicht jedermanns Sache.

Bild des Benutzers fahrwax

Längst ist es üblich, das erwerbliche Gottheiten die Namensgebung und ein  glaubhaftes Bildnis scheuen - ihre Probanden stattdessen bevorzugt in Schuld und Sühne verstricken - um ihr finales Anliegen, die Erfüllung der Todessehnsucht paradiesisch einkleiden zu können.

Die Religion der Verwertung ist nicht "gottlos", sie duldet nur keine Wesensfremden - der Mensch ist ihr unkalkulierbarer, unheimlicher Feind und ihre Nahrungsgrundlage.

Unkalkulierbar, >>unverwertbar<< sein, entspringt purer Freude am eigenen Handeln - "wirtschaftlich" kann das nicht sein.

 

Bild des Benutzers Delloc

{... Erfüllung der Todessehnsucht...}

Dunkel, dunkler, am dunkelsten... cool

 

{Die Religion der Verwertung ist nicht "gottlos", sie duldet nur keine Wesensfremden – der Mensch ist ihr unkalkulierbarer, unheimlicher Feind und ihre Nahrungsgrundlage.}

Kapitalismus als Religion???

Nicht jeder Glaube ist religiös zu nennen, sondern nur jener, der sich auf die Wirklichkeit richtet und die Wahrnehmung zum Kriterium ihrer lebendigen Existenz erkennt.

Die Vergötzung des Kapitals als sich selbst verwertende Wert ist gottlos, weil die lebendige Wirklichkeit des Lebendigen dabei liquidiert und geopfert wird.

 

{Unkalkulierbar, >>unverwertbar<< sein, entspringt purer Freude am eigenen Handeln - "wirtschaftlich" kann das nicht sein.}

Selbst die „pure Freude“ ist nicht dein Werk...

Bild des Benutzers Heinz

Mord/Totschlag, Selbstmord/Suizid, Selbstmordanschlag/Kamikaze

Das sind alles Begriffe, die völlig unterschiedliche Vorgänge bezeichnen und jeweils unterschiedliche psychische Verfassungen voraus setzen.

Die Eigentötung würde ich nicht als Selbstmord bezeichnen, weil die Verbindung mit Mord dieses gewisse moralinsaure Element enthält.

Der Sinnlosigkeit, aus welchem Grund auch immer, stimme ich zu.

Bild des Benutzers Aussi43

Da bist Du ja auch. (ich habe mir hier ein anderes Bildchen zugelegt, heisst 'cosmic cow')

Der Sinnlosigkeit, aus welchem Grund auch immer, stimme ich zu.

Sinnlosigkeit ist m.E. das Stichwort in der Debatte um die Selbsttoetung. Michael Jaeger haben ja die Sinnlosigkeit als konstitutiv fuer die heutige Gesellschaft "analysiert". Ist vielleicht etwas zu pauschal.

Jedenfalls meine ich nicht, dass man die individuell wahrgenommene Sinnlosigkeit, wenn sie einen Menschen zur Selbsttoetung treibt, durch einen moralisch-spirituell Appell, (wie das @Delloc m.E. vorschlaegt) nicht "weg machen" kann, mit oder oder uebergreifende Einsicht in die "Natur" des Menschen.

Sinnlosigkeit ist objektiv vorhanden, verbreitet, und wohl auch eine rational zu rechtfertigende Wahrnehmung. Darum sollte man auch Selbsttoetung nicht diffamieren. Fuer manche Menschen ist das angesichts des Zustands dieser Welt notwendig .

Bild des Benutzers Heinz

Ich will mich hier nicht auf eine Debatte über Gott und die Welt einlassen, solange mir niemand definitiv sagen kann, wer oder was Gott ist.

Zur Sinnhaftigkeit von Leben oder hier Leben nehmen, gehört meiner Meinung nach, welchen Sinn ich selbst meinem Leben gebe und welchen Sinn den Nachbarn, stellvertretend für den Rest der buckligen Mischpoke. Darum unterscheide ich auch strikt die Tötung in den völlig unterschiedlichen Kategorien:

Andere Menschen / mich selbst / mich selbst als Opfer, um andere zu töten.

In welchem Zustand und in welcher gesellschaftlichen Ökologie lebt jemand, der auch nur an Töten denkt - Soldaten und Polizisten eingeschlossen, die ja immer sagen können, sie verteidigen etwas und handeln darum in Notwehr.

Ich fürchte, mit einfachen Antworten kommen wir bei diesem Thema nicht weiter.

Bild des Benutzers Delloc

 

Sinnhaft oder sinnlos sind nicht die entscheidenden Begriffe, die die Qualität des menschlichen Bewusstseins differenziert beschreiben. Die Qualität liegt in der Art und Weise, wie individuelle Wahrnehmung geschieht, was sie fokussiert und was sie ignoriert/verdrängt und wie die Impulse eingeordnet/bewertet werden.

 

Bei der Entscheidung über Leben oder Tod war mir wichtig, hervorzuheben, dass die Überzeugung, der separat Handelnde zu sein, aus einer reduzierten Bewusstseinsqualität stammt und demzufolge die Tötungs- oder Mordentscheidung dieser reduzierten Perspektive entspricht.

Dies ist kein „moralisch-spiritueller Appell“ (wie @Aussie43 interpretiert), sondern eine ursächliche Beschreibung.

„Einfache Antworten“, die @Heinz bei diesem Thema für nicht hilfreich hält, sind es wirklich nicht, solange das Bildungsprogramm der kapitalistischen „Kultur“ nicht die individuelle Bewusstseinsqualität im Auge hat, sondern nur jenes Bewusstsein gewaltsam in die Menschen introjiziert, das den privaten Profitinteressen einer kleinen parasitären Minderheit entspricht.

Zur „Selbstbestimmung“ (@Marie) ist mir noch eingefallen, dass diese eine Selbsterfahrung voraussetzt, die eben nicht in Form gewalttätiger Konditionierungen fremde Identitäten darstellt, sondern Raum für Freiheit und Selbstwahrnehmung gibt.

Bild des Benutzers Heinz

Entscheidend vor einer Tat um Leben und Tod sind die Antworten, die sich jemand selbst gibt, die jemand zu ver-antworten hat. Das sind Antworten auf existenzielle Fragen:

"Wie kann ich - ohne die Tat - weiter leben?"

Diese Frage nur beispielhaft für viele andere. Meist fragt sich das jemand vor der Tat gar nicht, sondern hat sich - unbewußt - in eine ausweglose Situation hineinbegeben, oder ist in diese Situation hinein manöveriert worden.

Reflexion, wahrnehmen, was ist, Meditation sind Begriffe, die in unserer Kultur nicht oder noch viel zu wenig praktiziert weirden; diese Lebenspraxis  ist der Schlüssel zu weniger "sinnlosem" Tod; sinnlos ist dabei eben auch nur ein Begriff von vielen.

"Cui bono - wem nützt es?", war die Frage des Richters im antiken Rom. "Cui bono?", kann auch die Frage in unserer Kultur sein, um Lebenspraxis und Lebensqualität liebenswerter zu machen.

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{"Wie kann ich - ohne die Tat - weiter leben?"

... ausweglose Situation...

"Cui bono?", kann auch die Frage in unserer Kultur sein, um Lebenspraxis und Lebensqualität liebenswerter zu machen.}

Wirklich???

Die Frage „Cui bono?“ ist die Frage nach dem Nutzen. Das Prinzip dieser Art von Bewertung führt aber doch geradezu in die Ausweglosigkeit hinein, indem das, was man erwartet bzw. glaubt, zukünftig nicht ertragen zu können, als so sinn- und nutzloslos abwertet, dass der Tod wie eine Erlösung erscheint.

Die „ausweglose Situation“ setzt immer ein Ego als Subjekt voraus, das nur um sich selbst kreist und aus dieser reduzierten Bewusstseinsperspektive heraus handelt.

Die „westliche“ Kultur aber fördert diese egomane Sicht der Dinge geradezu, indem sie den einzelnen dem Nutzprinzip von Aufwand und Leistung unter konkurrenten Marktbedingungen unterwirft.

Bild des Benutzers Heinz

Ego oder Selbst sind notwendige Konstrukte des Geistes, um den Körper überleben zu lassen in einer feindlichen Umwelt des fressen und gefressen werdens. Egomanisch wird das erst in einer Kulturgesellschaft.Da will ich aber nicht nur die westliche Kultur in die Pflicht nehmen, weil die Egomanie in fast allen Kulturen vertreten ist. Der Westen hat nur die Ökonomie zum Moloch gemacht und zum global dominanten Kriterium.

Tod als letzte Instanz kommt sowieso; die eigentliche Frage ist doch:

"Wie frühzeitig erkenne ich eine Sackgasse und welche Wege wähle ICH/EGO/SELBST,
um der zu entgehen oder hinein zu tappen?
"

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{Ego oder Selbst sind notwendige Konstrukte des Geistes, um den Körper überleben zu lassen in einer feindlichen Umwelt des fressen und gefressen werdens.}

Sorry, aber das ist für mich Stammtischgeschwafel...

Das Ego ist nicht phylogenetisch, sondern psychogenetisch zu definieren. Eine hilfreiche Beschreibung dieses Vorgangs kann man bei Wolinsky nachlesen - ausgehend vom Zustand des Kleinkindes, das sich vor der Entwicklung einer Beobachteridentität mit Allem essenziell noch eins fühlt:

„Bitte bedenken Sie, dass Sie in der Essenz reines Bewusstsein bzw. Beobachten ohne Objekt erfahren können. Gurdjieff spricht hier von objektivem Bewusstsein. Sobald die Beobachter-Identität gebildet ist, belegt sie die Leere der Essenz, um die sich der Körper organisiert hat, mit irgendeiner abschätzigen Etikettierung, z.B. »Etwas stimmt mit mir nicht« oder »Ich bin schwach«. Aus diesem Grund betrachtet sie die Leere der Essenz als Mangel an etwas. So kann der Beobachter die Essenz z.B. als unwürdig, unvollkommen, schwach etc. bezeichnen. Dieses Etikett, das der Essenz verliehen wird, wird zum Hauptmerkmal bzw. falschen Kern. ... Dieses Etikett wird der Essenz vom Beobachter verliehen, und anschließend wird Widerstand dagegen aufgebaut. Das der Essenz beigelegte negative Etikett wird zur Brille, durch die der Beobachter die Welt sieht.

Alle Erfahrungen werden somit, wenn der Beobachter die Essenz als unwürdig bzw. wertlos etikettiert, durch die Beobachterbrille der Wertlosigkeit gefiltert; dementsprechend werden alle Ereignisse aufgenommen, erfahren und verdaut, um das vom Beobachter geschaffene Etikett der Wertlosigkeit zu verstärken.

Der leere Raum der Essenz wird also vom Beobachter als wertlos bezeichnet, und alle Erfahrungen verstärken diese Beobachter-Identität der Wertlosigkeit, ohne allzu sehr auf die äußere Welt einzugehen. Kurz gesagt, die Beobachter-Identität der Wertlosigkeit wird zum Filter für die meisten Erfahrungen der Person. ...

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Der Beobachter ist Teil der Fixierung und der Begrenzung unseres Bewusstseins. ... Um sich also schließlich in der nächsten Dimension Ihres menschlichen Wesens - der Essenz - zu gründen, müssen Sie über den Beobachter hinausgelangen.

Der Beobachter betrachtet die Essenz als »nicht ich«. Dieses »nicht ich« in Kombination mit dem der Essenz beigelegten Etikett wird zur Aufmerksamkeitsfixierung des Beobachters. Diese Fixierung zwingt den Beobachter, seine Aufmerksamkeit so zu fixieren, wie er die Essenz etikettiert hat. Um gegen die Fixierung, der sich der Beobachter nicht entziehen kann, anzukämpfen, entwickelt er eine überkompensierende Identität. Wenn zum Beispiel die Lebenskraft der Essenz vom Beobachter als schwach etikettiert wird, dann kann er nicht umhin, sich unbewusst auf diese Schwäche zu fixieren. Er bildet dann die Identität eines falschen Selbst, das das zuvor geschaffene Etikett durch übermäßiges Starksein kompensieren soll. ... (Denn der Beobachter glaubt ja, nur durch Überkompensation sei ein Entrinnen möglich.)

... Wir dürfen nicht vergessen, dass das Etikett vom Beobachter bezeichnet und aufgrund von biologischem Mangel gebildet wurde. Dieser bewirkte eine Dissoziation bzw. eine Abspaltung vom biologischen Selbst, d. h. dem physischen Körper/Geist.“ (Stephen Wolinsky, Jenseits des Enneagramms, Freiburg 1998, S. 126 ff.)

 

{"Wie frühzeitig erkenne ich eine Sackgasse und welche Wege wähle ICH/EGO/SELBST,
um der zu entgehen oder hinein zu tappen?"}

Das ist in der Tat eine wichtige Frage.

Die Tragik aller „Mangelprojektionen“ (s.o. „Dissoziation“) liegt aber darin, dass alle Bemühungen, in der Gegenwart etwas zu bekommen, was wir in der Vergangenheit vermisst haben, illusionär sind. Schuldgefühle und Schuldängste sind insofern angemessener Ausdruck dieses sinnlosen Tuns, andererseits wiegen sie doppelt schwer, weil sie die Aufmerksamkeit in die Richtung einer identifizierten Beobachter-Persönlichkeit lenken, durch die sich die Illusionen noch verstärken. Selbst diejenigen, die ihre Wahrnehmungen als illusionäre Träume erkannt haben, sind allein dadurch noch nicht zur Wahrheit erwacht.

In der Konsequenz bedeutet dies, dass niemand in der Lage ist, den Illusionen des Ego zu entgehen, solange nicht geklärt wird, wie die individuellen psychomentalen Muster funktionieren bzw. entstanden sind.

Bild des Benutzers Aussi43

Jetzt lasse ich mich verleiten doch noch mal zu schreiben.

Wenn man mal mit Menschen zu tun hatte, die sich selbst  toeten wollen, weiss man, dass fuer die meisten dieser Menschen nicht der Tod das Problem ist, sondern das Leben. Es geht also nicht um die theoretische Analyse der Vorgaenge im Bewusstsein des lebendigen Menschen, der sich selbst umbringen will. (solche Ueberlegungen sind den Betroffenen - wenn sie die ueberhaupt verstehen - ziemlich egal. Dass solche Ueberlegungen theoretisch-moralisch im Kontext der  europaeischen Tradition legitim, moeglicherweise gar "richtig" und "notwendig" sind, bestreite ich natuerlich nicht. Ich bin ja nicht doof.) Mit geht's um den praktischen "Umgang" mit Menschen, die sich selbst toeten wollen. (Von Mord verstehe ich nix.)

Nach meiner Erfahrung gibt es zwei "Typen" von Menschen, die sich selbst umbringen. Die einen nehmen den Tod billigend in Kauf, die anderen machen sich vorher "nen Kopp". 

Es gibt Zwischentypen, Junkies beispielsweise, die permanent den Tod (auch das getoetet werden) als Risiko akzeptieren. Das kann jahrelang "gut" gehen. Bis so ein Mann nach vielen Jahren auf der Szene sich (wie es scheint) "zufaellig" umbringt. Seine Kumpel wissen dann meistens, dass das gar nicht zufaellig war. Es ging dem Toten darum,  "Schluss" zu machen, d.h einen Schlusspunkt zu setzen.

Genau diese Haltung ist es, die Menschen dazu bringt, die Frage, die Heinz eben formuliert hat (("Wie") Kann "ich" (der konkrete Mensch) - ohne mich umzubringen - weiter leben?)  irgendwann mit einem klaren "Nein" zu beantworten. 

Vorher werden von den meisten Menschen Auswege probiert. Doch irgendwann ist damit Schluss. Meine Junkies wussten das. Und diesen "Leben-Tod-Mechanismus" kann man ihnen nicht ausreden.

Stimmt ja auch. irgendwann sind die einigermassen sinnvollen Moeglichkeiten des Weiterlebens erschoepft. Junkies sind dann konsequent. Die meisten  Menschen nicht.

Abschliessend: Dass Menschen lang und breit mit anderen debattieren, ehe sie sich tatsaechlich umbringen ist, nach meiner Erfahrung, eher selten. Intellektuelle machen das manchmal. Carl Amery hat darueber ein huebsches Buch geschrieben.

Die Diskussion des Themas hat meist andere Gruende als die Absicht, sich selbst zu toeten.

Konkret kann man "Entschlossenen" eher ueber das "Wie" reden, als ueber das "Warum".

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Dein Beispiel hinkt gewaltig.

Ein Junky hat eigentlich keine große Wahl mehr, die Entscheidung zum Junky ist sehr viel früher gefallen. Meist war die erst einmal unbewußt, aus Neugier und Nichtwissen ... bis zu einem Punkt ohne Umkehr.

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William Shakespeare: Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler, sie treten auf und gehen wieder ab.

Jedes Spiel hat Regeln, die alle Spieler.Innen beachten; auch diese Regeln kann jede(r) lernen; wer diese Regeln nicht lernen will oder kann, hat ein Problem mit dem Spiel und mit allen anderen Spieler.Innen.

Spielfilm: Das Leben ist eine Baustelle.

Eine Baustelle funktioniert nach Regeln, die jede(r) lernen kann; werden diese Regeln nicht beachtet, ist das gesamte Bauwerk gefährdet.

Statt nach der Ursache von Mord und Freitod zu fragen könnten wir auch nach den Regeln des Lebens fragen.

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{William Shakespeare: Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler, sie treten auf und gehen wieder ab.}

Rainer Maria Rilke: Nur fort von allen vielen, welche das Leben spielen...

 

{Jedes Spiel hat Regeln, die alle Spieler.Innen beachten; auch diese Regeln kann jede(r) lernen; wer diese Regeln nicht lernen will oder kann, hat ein Problem mit dem Spiel und mit allen anderen Spieler.Innen.

Das Leben ist eine Baustelle.

Eine Baustelle funktioniert nach Regeln, die jede(r) lernen kann; werden diese Regeln nicht beachtet, ist das gesamte Bauwerk gefährdet.}

 

Die Hauptfrage ist doch, wer die Regeln bestimmt, also eine reine Machtfrage! Die Frage der Anpassung war und ist ein stetiger Kampf zwischen Herrschenden und Unterdrückten...

Vor und über dieser egomanen Spielwiese gab und gibt es aber eine natürliche Ordnung, die das gegenwärtige Spiel des homo oeconomicus zu zerstören droht – zumindest innerhalb seiner eigenen begrenzten Lebenswirklichkeit.   

Insofern sind die politökonomischen Regeln radikal in Frage zu stellen - damit „das gesamte Bauwerk gefährdet“ wird!!!

 

{Statt nach der Ursache von Mord und Freitod zu fragen könnten wir auch nach den Regeln des Lebens fragen.}

Das ist ein und dieselbe Frage.

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Das ist eine Frage, die jede(r) für sich selbst beantwortet. Damit beantwortet auch jede(r) selbst, welche Macht andere über ihn/sie haben dürfen und entziehen sich dem Einfluß, oder unterwerfen sich.

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{... eine Frage, die jede(r) für sich selbst beantwortet. ...}

 

Ja, Gemeinsamkeit würde Empathie voraussetzen, eine Fähigkeit, die im divide et impera kapitalistischer Unterdrückung zunehmend verloren geht. broken heart

Das Selbst im andern zu erkennen, ist aus der isolierten Perspektive der Egomanie - des reduzierten Kreisens um sich selbst - auch gar nicht möglich. Pegida lässt grüßen... cool

Bild des Benutzers Heinz

Im kapitalistischen Spiel geht es immer um ein Nullsummenspiel mit Gewinnern und Verlierern. Empathie ist darum vorsätzlich ausgeschlossen.

Genau darum geht es auch bei Pegida - und bei allen politischen Parteien - die Unterwerfung unter eine Weltanschauung, die von den Führern, Parteivorsitzenden und Schreihälsen bestimmt wird; letztendlich um jede Form von Hierarchie, die Macht statt Verantwortung praktiziert.

Dies zu erkennen und seine ganz persönlichen Konsequenzen daraus zu ziehen bleibt dem Einzelnen nicht erspart; in diesem Sinne ist EGO ein positiver Selbstschutz gegen eine vereinnahmende, destruktive Gemeinschaft.

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"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" sachte dieser jüdische Sozial-Agitator damals mal.

In diesen schrecklichen Zeiten der kapitalistischischen Sozialisation ( der sacht: bescheiße alles und alle, dann bist du ein König!), ist es lebensnotwendig den "Nächsten" erst einmal zu checken: will er ein Sieger - ein Gewinner - sein, dann ist er kein "Nächster" sondern ein Raubmörder. Ein dem GELD-Ruhm-Macht-Syndrom Verfallener, letzlich ein verblödetes, armes Schwein - aber immer gern zur Schandtat bereit.

"Nächste" erkennt Mensch an der schlichten Bereitschaft bevorzugt mehr zu geben, als zu nehmen.

Die Kooperation mit Raubmördern ist purer Selbstmord - "Gemeinschaft" ist für dieses Pack nur eine beliebte Tarnung und liefert ihm nur schmackhaftes Frischfleisch.

Leider sind Menschenfresser Meister von Tarnung & Täuschung - das macht das Leben richtig schwierig.......

Bild des Benutzers Delloc

{Im kapitalistischen Spiel geht es immer um ein Nullsummenspiel...}

Irgendwo gelesen? Selber assoziiert? Begründung? Thermodynamik?

 

{Empathie ist darum vorsätzlich ausgeschlossen.}

Anpassung an die Normativität des Faktischen? Befürwortung? Bedauern? Konsequenzen?

 

{... Pegida - und bei allen politischen Parteien - die Unterwerfung unter eine Weltanschauung, die von den Führern, Parteivorsitzenden und Schreihälsen bestimmt wird;...}

Unterwerfung lediglich aufgrund ideologischer Verführung/Autoritätsgläubigkeit/Mimesis? Verhältnis von Sein und Bewusstsein außer Kraft gesetzt?

 

{Dies zu erkennen und seine ganz persönlichen Konsequenzen daraus zu ziehen bleibt dem Einzelnen nicht erspart; in diesem Sinne ist EGO ein positiver Selbstschutz gegen eine vereinnahmende, destruktive Gemeinschaft.}

EGO = Bewusstsein?

Hierzu ein Ausschnitt aus einem Vortrag zum Bild der Wahrnehmung von

Prof. Dr. Wolf Singer, wissenschaftliches Mitglied der MPG und Direktor des MPI für Hirnforschung Frankfurt:

„Ziel meines Vortrags zur Neurobiologie, das Gehirn als ein in hohem Maße aktives, auf sein eigenes Wissen rekurrierendes selbstreferenzielles System vorzustellen, das auf der Basis der gespeicherten Information - genetische ebenso wie epigenetische - aus dem wenigen, was die Sinnessysteme zur Verfügung stellen, ein kohärentes Bild der Welt synthetisiert. Das Gehirn entwirft Modelle der Welt, vergleicht dann die einlaufenden Signale mit diesen Modellen und sucht nach den wahrscheinlichsten Lösungen. Diese müssen nicht unbedingt mit der physikalischen Realität übereinstimmen - und sie tun dies in vielen Fällen auch nicht - denn es kommt vorwiegend darauf an, die Variablen zu bewerten, die verhaltensrelevant und fürs Überleben dienlich sind. Und es ist wichtig, dabei so schnell wie möglich zu sein. Unsere Kognition fußt also auf Wahrscheinlichkeitsberechnungen und Inferenzen. Das Faszinierende ist dabei, dass wir das Ergebnis dieses interpretativen Aktes für die Wirklichkeit nehmen. Wir merken nicht, dass wir konstruieren, sondern uns ist als bildeten wir ab. Es ist dies eine der vielen Illusionen, denen wir erliegen. Eine weitere Illusion ist die Vorstellung, dass wir im Gehirn ein Kommandozentrum haben, in dem das Ich residiert und wertet, entscheidet und befiehlt. Stattdessen müssen wir uns das Ich als einen räumlich verteilten, sich selbst organisierenden Zustand denken - was weder attraktiv erscheint noch leicht fällt. Dann gibt es noch die immer unangenehmer werdende Inkompatibilität zwischen unserer Selbsterfahrung und dem naturwissenschaftlichen Bild von uns. Subjektiv erfahren wir uns als autonome, mit freiem Willen begabte mentale Agenten, die entscheiden was sie tun wollen, und diese Entscheidung dann in neuronale Aktivität umsetzen, damit geschieht was wir wollen. Diese Sicht ist immer weniger vereinbar mit den Ergebnissen neurobiologischer Forschung. Wir leben also parallel in zwei Welten. In der einen, der subjektiv erfahrenen, nehmen wir unsere Wahrnehmung für die Realität und merken nicht, dass wir konstruieren - vermuten unser Ich an einem singulären Ort und trauen ihm zu, frei schalten und walten zu können. Aus neurobiologischer Perspektive hingegen müssen wir erkennen, dass diese Annahmen und Vorstellungen in hohem Maße unplausibel sind. Die Zukunft wird zeigen, wie sich diese Einsichten auf unser Selbstbild auswirken werden.“

 

Ähnlich hat Ramesh Balsekar das Ego mal mit einem Toaster verglichen, der davon überzeugt ist, das Brot autonom aus eigener Kraft zu bräunen.