14 Nov 2016

Tatort & Co.

Submitted by Delloc

Jedes Tötungsdelikt basiert auf einem Konflikt im menschlichen Miteinander. Alle Konflikte entstehen aber aus Gedanken/Vorstellungen/Überzeugungen, die zwischen dem, „was ist“, und dem, „was sein sollte“, unterscheiden. Tätlich wird diese Differenz aber erst dann, wenn Wunsch/Ideal und Wirklichkeit als unerträglich empfunden werden.

Das, „was ist“, nicht mehr ertragen zu können/wollen, ist aber nicht nur eine Frage individueller Frustrationstoleranz, sondern hängt überwiegend davon ab, welche Lebenserwartungen ein Mensch entwickelt hat.

Wenn die auf die Zukunft gerichteten Projekte und Pläne die Gegenwart dominieren, kann die persönliche Wahrnehmung derart eingeschränkt werden, dass Mangelgefühle psychischer wie körperlicher Art entstehen. Verspannungen, Kopf- und Rückenschmerzen, Magenverstimmungen, Verdauungsprobleme, Müdigkeit, Schwindel, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen u.a. sind die Folgen dieser konfliktbeladenen Aufmerksamkeitsstrategie.

Die Ideologien der Leistungsgesellschaft, die Wettbewerb propagieren und Konkurrenzverhalten fördern, sind die kulturellen Antriebskräfte dieser zerstörerischen Wirkmechanismen. Da aber immer nur eine Minderheit auf dem Siegertreppchen stehen kann, wird die Mehrheit von Bedauern, Schuldgefühlen und Scham ergriffen, wenn sie auf ihre Vergangenheit blicken.

Es sind fast ausschließlich Looser, die zur Axt greifen und damit Tatorte produzieren. Die Würde jedes Menschen überschreitet irgendwann eine Grenze, an der sie in eine Macht umschlägt, die jeden Respekt vor dem eigenen Leben und dem der andern verliert. Ob Axt, Revolver, Gift oder Sprengstoffgürtel, jede Mordtat ist letztlich Ausdruck eines Verlustes menschlicher Würde. Die Würde des Menschen mag „unantastbar“ sein, aber diese haptische Beschwörungsformel schützt uns keineswegs vor ihrem Verlust.

Wenn Tatort & Co. uns diesen Verlust täglich mehrfach vor Augen vorführen, so ist dies zweifellos einer Aufmerksamkeitsquote geschuldet, die sich aus emotionalen Spannungen speist, die auf Angst basieren.

Ängste fördern aber nicht nur die Unterwerfung unter die Machtstrukturen des politischen Systems, sondern sind auch ökonomisch nützlich. Große Industriezweige profitieren davon: Drogen wie Alkohol, Nikotin, Zucker, Musik und Unterhaltung beeinflussen die Wahrnehmung, verzerren und  überlagern die Wirklichkeit, während Ängste vorübergehend in den Hintergrund treten.  

So füllt der TV-Zuschauer mit Mon Chéri, Kartoffelchips und veredeltem Hopfensaft das emotionale Loch, das Tatort & Co. zuvor gegraben haben.

Der Verlust der Menschenwürde hat viele Gesichter. 

Kommentare

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In Angst lebt aber nicht nur der Verlierer - auch der (eingebildete)Sieger leidet regelmäßig darunter, das sein Sieg jederzeit revidierbar ist.

Ein scheiß Schicksal, wenn dir dein Geldberg vorwiegend Verlustängste beschert - deine scheinbare Macht auf tönernen Füßen steht.......

"Der Psychologe und Systemtheoretiker Norbert Bischof schreibt in seinem Buch „Das Kraftfeld der Mythen“, man müsse erkennen, dass wirklich ich-starke Persönlichkeiten keine ideologische Randständigkeit nötig haben. Extremismus, gleich welcher Coleur, sei stets eine Notreaktion, die auf eine eher schwache psychische Konstitution schließen lasse. In diesem Buch vergleicht er linke und rechte Ideologien und kommt zu einem – für Laien auf den ersten Blick – überraschenden Schluss, nämlich dass die psychologischen Urkonflikte beider Gruppen sehr ähnlich sind. Der rechte Flügel verkläre die Vergangenheit, der linke die Zukunft.

Innerlich bedürftige Menschen eignen sich früher oder später wieder Macht an. Um wahre Reformen einzuleiten, setzt es Erfahrungen der Bindung voraus, die zu einer persönlichen Autonomie führen. Nur daraus kann Freiheit entstehen! Solange wir uns nicht näher mit diesem so wichtigen Thema befassen, spielt es keine Rolle, wer am Ende wieder die Macht hat, ob links oder rechts. Integre, bindungsfähige Menschen brauchen keine Ideologien und Parolen mehr. Sie kooperieren – auf nationaler und internationaler Ebene."

http://frieda-online.de/rechte-und-linke-ideologien/

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Integre, bindungsfähige Menschen !

Ja, aber Integrität und Bindung sind nicht käuflich. Der Schlüssel heißt Selbsterkenntnis.

Sich selbst zu erkennen, führt zu einem Machtzuwachs von unendlicher Subtilität. Diese Macht ist so einzigartig, dass sich nichts neben ihr vergleichen ließe. Man nennt diese Macht Liebe (Agape), die sich augenblicklich auflöst, sobald Gedanken, Bilder oder Emotionen dazukommen und sie auf eine bestimmte Erscheinungsform reduzieren wollen. Wo immer etwas in eine geistige Form gefasst wird, gibt es Dualität und diese ist mit Liebe nicht vereinbar. Emotionen und Verstand erzeugen den Abgrund der Dualität, doch das Herz überwindet ihn.

Aber das Herz ist nichts, über das man einfach so verfügen könnte. „Es zu finden“ (Galilei), ist das eine, dabei zu bleiben und darin zu ruhen, das nächste. Den zweiten Schritt kann man nicht vor dem ersten tun. Danach entscheidet die Angst, bzw. das Fehlen jeglicher Angst, ob man ganz damit verbunden bleiben kann.

„Sie sind die Liebe selbst – wenn Sie keine Angst haben.“ (Nisargadatta Maharaj)

Solange aber Verlangen und Wünsche existieren, bleibt die Angst ein ständiger Begleiter. Denn Wünsche können enttäuscht werden. Verlangen und Ängste sind die Ursache des Gefangenseins in einem herzlosen Käfig, in dem das Ego dominiert. Alle Diktate des Ego führen dazu, die Macht der Liebe zu verlieren.

Da die Bürgerliche Gesellschaft machtorientiert und politökonomisch darauf basiert, das Ego zu umwerben und zu stärken, ist die physische und psychische Zerstörung allen natürlichen Lebens kein Unfall, sondern Programm dieser Herzlosigkeit.

Mit dem Schüren von Ängsten (Schuld, Sünde, Hölle, Gericht, Inquisition, Exkommunizierung, Bann etc.) wurde das natürliche Wesen der Christenmenschen zutiefst verunsichert und beschädigt. Dieses geschundene und von den Kirchen zugerichtete Ego war die gesellschaftliche Grundlage, von der die Bürgerlichen Ausbeutungs- und Mörderspiele von Kolonisation, Enteignung, Ausplünderung, Imperialismus und Vernichtung geplant und durchgeführt wurden.

Es ist fruchtlos, „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ zu propagieren, wenn „es“ als Selbst unerkannt bleibt bzw. mit einem persönlichen „Selbst“ identifiziert wird, das ggf. „dumm, gierig und herzlos ist“. (Maharaj)

Wenn sich dagegen die Kunst der Wahrnehmung entfalten darf, wird eine Subtilität und Sensibilität daraus erwachsen, die aus sich selbst heraus in den Weg münden, der den Willen des Universums ebnet – mühelos, zweifelsfrei und ohne jede zusätzliche Orientierung. Die Entdeckung der Wirklichkeit ist dabei die einzige Liebeserfahrung, die ewig währt.

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Sie propaggieren pausenlos den "integren, bindungsfähigen Menschen" und leben täglich das glatte Gegenteil.

Gerade die Parteilichkeiten mit dem "C" im Kürzel stechen hervor mit der Mißachtung schlichtester Regeln ihres vorgeblichen Glaubensbekenntnisses. Ihr Glaubensstifter hätte sie, zu möglichen Lebzeiten, als Händler / Falschmünzer, vom Platz gewiesen.

In ihrer selektiven Selbstwahrnehmung sehen sie sich als "Christen" - das ist paranoid.

Wer, zuallererst sich selbst, belügen muss - kann nur eine arme, selbstverliebte Dummbatze sein.

Ermöglichen wir diesen geistig-seelisch verarmten Knallchargen die überfällige Selbsterkenntnis.

Selbst mit einem Zylinder auf der hohlen Birne erreichen sie nur die Größe einer vollgeschissenen Socke, sie haben unser Mitleid - unsere Hilfe verdient.