9 Okt 2018

Berlin ... wie haste Dir verändert

Submitted by ebertus

Über dieses heute durch das Berliner Verwaltungsgericht ergangene Urteil zu Fahrverboten für Dieselfahrzeuge musste ich schmunzeln; so vollkommen nicht (mehr) davon betroffen.


Wir -Dieselfahrer- wohnen am südwestlichen Rande der Stadt und sind schon bislang nahezu ausschließlich mit dem öffentlichen Nahverkehr in die Stadt gefahren. Daher hätte das Gericht aus unserer Sicht auch dem weitergehenden Antrag der DUH folgen, das Fahrverbot für Diesel unterhalb von Euro 6 auf die gesamte Innenstadt (S-Bahn-Ring) ausdehnen können.

Aus gesellschaftspolitischer Sicht interessanter dürfte dabei die Frage sein, wie die in Berlin mitregierenden Grünen auf dieses Urteil reagieren. In BW und gerade in Stuttgart konnte und kann man ja beobachten (nicht nur beim Projekt S21) zu welchen systemfrommen Lobbyverein sich diese Grünen -auch meine Grünen bis zum Herbst 1998- mittlerweile gewandelt haben.

Unsere Fahrräder haben wir längst verschenkt, vergeht kaum eine Woche, wo in den lokalen Medien nicht über tote oder schwer verletzte Fahrradfahrer berichtet wird. Nein, nicht nur die gern genannten, rechts abbiegenden LKW sind für unsere Fahrrad-Abstinenz verantwortlich. Das öffentliche Straßenland inklusive der Fahrrad- und Fußgängerwege verkommt immer mehr, war das heraufziehende, neoliberal grundierte Desaster und ganz in unserer Nähe bereits 2013 wie ein Fanal zu verstehen.

Bei den Bürgerämtern wartet man wochenlang auf einen Termin, die Schulen gehen von der Bausubstanz, wie von der immer weniger qualifizierten Lehrerschaft den Bach runter (nein, betrifft uns nicht) und selbst die Judikative mag nicht mehr.

Die Stadt, insbesondere das (alte) West-Berlin war unser Leben, sprangen jedoch die dann erwachsenen Kinder bei der ersten Gelegenheit ab. Wir folgen ... wird der Odenwald, die südhessische Bergstraße unsere neue, vielleicht letzte Heimat sein.
 


Der frühe Biermann, er ist mittlerweile wohl auch im System angekommen ...

Kommentare

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 durchmischt sich von Bärlin bis in den Odenwald - das erzeugt ein prima Klima, wird sogar preiswert als "Kultur" gehandelt und ist das Mannah für uns Nichtdenker-schmecker-riecher.

"Wenn die Sonne der Kultur herbstlich niedrig steht" (oder so ähnlich) - schrieb einmal so ein Durchdenker dieser stinkigen Materie - " dann werfen selbst Zwerge einen langen Schatten......."

Watt soll ich da auch weiter zu sagen?

Gift bleibt halt Gift, selbst wenn es unter Kultur & Arbeitsplätze verbucht wird.

Wage es bitte nicht mir die (Braunkohle) Briketts aus dem Ofen zu stehlen!!!

Mit dem Guten im Schlechten erübrigt sich jede weitere Ausrede - Kapitalismus tötet nicht nur Biermänner.

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Sehr viel interessanter wird die Frage sein, wie die Verwaltungen ihre normative Kraft des Faktischen kontrollieren wollen. Der gesamte Lieferverkehr und nur ein Teil des Personenverkehrs läuft mit Diesel. Bei den staatlichen Zuschüssen zur Umrüstung oder zum Abwracken picken sich die Politiker einige Brennpunkte heraus und alle anderen Autofahrer gehen leer aus. Da sehe ich bereits eine Lawine an Klagen auf diese Dunmpfbacken zurollen.

Zur Info Finanztip:

Häufige Fragen: Diesel-Abgasskandal, Nachrüstung und Fahrverbote

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Diesel Deal
 

"Der gesamte Lieferverkehr und nur ein Teil des Personenverkehrs läuft mit Diesel."

Das hatte ich mit ähnlicher Zielrichtung schon mal für die sogenannte E-Mobilität angesprochen.

Gefühlt sind an Wochentagen die stark frequentierten Autobahnen zu rund 50 bis 60 Prozent mit LKW-Verkehr belastet; meist die ganz dicken Brummer aber auch viele, viele kleinere Lkw, Liefer- und sonstige Servicewagen. Mindestens letztere überschwemmen auch die Innenstädte und bräuchten dann in großem Umfang Ausnahmegenehmigungen, damit die städtische Infrastruktur halbwegs aufrecht erhalten werden kann.

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