7 Okt 2018

Juden in der AfD - Verlogene Entrüstung

Submitted by ebertus

Unter heftiger, im Vorfeld großmedial überbrachter Kritik des jüdischen Establishments in Deutschland wurde heute eine Gruppe, ein Arbeitskreis von "Juden in der AfD" gegründet.

Die Gründungsversammlung fand in Wiesbaden statt, und die lokale Frankfurter Rundschau berichtet; sogar relativ neutral und ganz im Gegensatz zu anderen Berichten eben dort im Vorfeld dieser Gründung. Neunzehn Gründungsmitglieder und weitere fünf sind avisiert; das ist schon eine gewisse Ansage - nicht zuletzt auch an das jüdische Establishment hierzulande.

Wer Menschen jüdischen Glaubens als per se die besseren Menschen versteht, die natürlich nichts mit so einer rechten Schmuddelpartei wie der AfD zu tun haben sollten, der mag sich fragen, ob dieses Denken, diese (gespielte) Entrüstung nicht antisemitisch zu nennen ist. Menschen jüdischen Glaubens sind weder bessere, noch schlechtere Menschen; und Religion ist keine Biologie, sondern Ideologie.

Moshe Zuckermann, von mir auch hier bei den termiten  gern erwähnt, er bringt es in der Jungen Welt auf den Punkt:

"Was die Vertreter dieses Establishments nicht merken, ist, dass die Gründung der Vereinigung »Juden in der AfD« in der Logik dessen liegt, was gerade sie seit Jahren mit einigem Erfolg zu tabuisieren trachten. Wiederkehr des Verdrängten?"

Und Zuckermann benennt sehr deutlich, um welches Israel es geht, welchen bigotten Spagat die jüdischen Berufsoffiziellen in Deutschland üben, welche Verbindungen Israel zu den europäischen Rechten pflegt; wo doch Israelkritik hierzulande und oft reflexartig als Antisemitismus diffamiert wird:

"War es nicht jüngst die Mossad-Legende Rafi Eitan, die lobende Grußworte an die AfD richtete? War es nicht der israelische Premier Benjamin Netanjahu, der den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, Horthy-Bewunderer mit antisemitischer Rhetorik, in Israel als Staatsgast (mit obligatorischem Yad Vashem-Besuch) begrüßte? An Rassismus, Xenophobie, Araberhass und rabiater Volksverhetzung kann es Israels politische Kultur allemal mit der AfD aufnehmen, und zwar nicht nur »auf der Straße«, sondern auch – und gerade – in der Sphäre der hohen Politik."

Kommentare

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traut sich ja ne menge - mit gefällt ja so ein klartext sehr gut.

mehr gibt es dazu nicht zusagen - schade nur, dass es so wenig zuckermänner gibt ...

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haben eigentlich noch andere parteien diesen arbeitskreis der staatsräson in ihrer struktur?

man kann sagen was man will - aber sie sind schlau - taktisch schlau und spielen voll auf der klaviatur des regierenden zeitgeistes im lande ... was natürlich bei blinden als einäugige nicht allzu schwer ist. erinnert mich irgendwie auch an trump ... niemand muß sie mögen (da legen sie gar keinen wert darauf) - aber sie machen ihr ding - passend zum zeitgeist der kulturlosigkeit und ohne schamgrenzen. und das hat schon was an "alternative" zu den gedrechselten lügen und widersprüchen der sogenannten pc - die ihre "ansprüche" ständig hinterherkorrigieren müssen und jedes vertrauen verloren haben.

ehrlich graut mir etwas, wenn afd und trump die tonangeber sind - aber mindestens genauso peinlich sind ihre dauerbasher.

augstein träumt im freitag von einer koalition aus cdu+afd als ultimatives heilmittel für die linken lebenskräfte ... zwei neue "bewegungen" ringen um die übermacht - #unteilbar gern zusammen mit den muslimbrüdern und #aufstehen verfranst sich nach seinem startschuß erst mal gründlich ...

das bienchen der woche bekommen von mir die mazedonier - die gar keine abstimmungslust über ihren landesnamen haben und einfach boykottieren

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Antwort auf marie  zum Kommentar "arbeitskreis"
 

"... aber mindestens genauso peinlich sind ihre dauerbasher."

Nachdem die großen Medien, die Nachkommen der Täter im Vorfeld der Gründung beinahe Schnappatmung bekamen und sogenannte "Alibijuden" erkannten, so bleibt es jetzt, nach dieser Gründung in den Qualitätsmedien weitestgehend ruhig. Insofern greift die zu diesem Thema ansozialisierte Beißhemmung doch ein ganzes Stück weit.

Juden, auch böse Juden, sogenannte Alibijuden mag der Biodeutsche nicht wirklich kritisieren, da versteckt es sich gern hinter den jüdischen Berufsoffiziellen hierzulande; die, wenn man so will, spiegelbildlich ebenfalls als sog. Alibijuden funktionieren, diesmal nicht für die AfD, sondern für den guten Biodeutschen.

Ein Schmierentheater ...

Antwort auf ebertus  zum Kommentar Eher noch schlimmer ...
 

hmm - ist ja nicht so mein thema - schon allein wegen den innewohnenden inhumanen schwachsinnskategorien mit der fokussierung auf eine religionszugehörigkeit (?) - selbst wenn diese gar nicht praktiziert wird ... du kennst dich da ja vielleicht etwas besser aus ? ist man dann jude per geburt? und gibt es auch christen per geburt >>> also religiös geborene? ich werde das wohl nie verstehen! wo bleibt die den juden entsprechende differenzierte zuordnung dann bei den christen??? haben die "sowas" nicht und sind homogen zu betrachten - wieviel nazis gibt es unter den christen? und sich atheisten auch noch christen in diesem sinne?

wie schon gesagt: mein logisches verständnis verweigert sich diesem thema, weil eine (faschistische) rassenlehre für mich einen gravierenden unterschied zu möglichen ethnischen/geografischen/religiösen herkunftsbestimmungen darstellt - die wohl jedoch auch in jahrhunderten von "völkerwanderungen" nicht korrekt nachvollziehbar sind und eine (adlige^^) stammbaumpflege kein aushängeschild für irgendetwas darstellen können = gut so = ist so ...

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Antwort auf marie  zum Kommentar juden, christen, moslems u.s.w.
 

Natürlich nicht, hat seriöse Wissenschaft ein derartiges "Gen" noch nicht entdecken können.

Insofern gibt es in der jüdischen, wie der muslimischen Religion auch das Ritual der Beschneidung (Branding) und in der Regel initiiert von den Eltern. Bei den Juden gar bis zum achten Tag nach der Geburt des Jungen, während die Muslime das vom Alter her etwas toleranter sehen; und Mädchen in beiden Religionen eh außen vor bleiben.

Ein weites, erklärungsbedürftiges Feld also für die guten Ideologen hierzulande ...

Antwort auf ebertus  zum Kommentar Religion qua Geburt?
 

ist natürlich für jedes lebewesen durch "stärkere" möglich ... und möglicherweise kann ja durch diesen eingriff eine art identifizierung erfolgen - wie durch jede art von sozialisierung auch.

okay - ich will nicht spitzfindig werden ... "äußerlich" würden sich ja juden und araber kaum unterscheiden und ist als rassismus-ursprung zwischen ihnen dann noch seltsamer ... genau wie die tatsächliche "überprüfung" mit heruntergelassenen hosen bei den europäischen juden

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Eher noch schlimmer ...
 

Betreutes Denken macht Sinn:

Der intelligente Weg, Menschen passiv und fügsam zu halten, besteht darin, das Spektrum akzeptabler Meinungen strikt zu begrenzen, aber eine sehr lebhafte Debatte innerhalb dieses Spektrums zu ermöglichen – und sogar kritischere und abweichende Ansichten zu fördern. Das gibt den Menschen das Gefühl, dass freies Denken stattfindet, während die Voraussetzungen des Systems immer wieder durch die Grenzen des zulässigen Bereichs der Debatte verfestigt werden.“

Noam Chomsky

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"Wer für Israel ist, kann nicht antisemitisch sein

Die Idee hinter diesem Schauspiel ist so alt und erfolgreich wie die organisierte Islamfeindlichkeit im Land. Sie geht zurück auf die Macher des Denunzianten-Portals PI-News, das seit fast einem Sechsteljahrhundert sein staatsgefährdendes Gift versprüht, ohne dass Politik und Sicherheitsbehörden etwas dagegen unternommen hätten. Es war dieses Portal, das sich als erstes in Deutschland demonstrativ eine Art Hechscher, einen „Koscher-Stempel“, aufgedrückt hat, indem es „pro-israelisch“ in seine Kopfzeile schrieb, um die Hetze gegen vor allem türkische und arabische „Ausländer“ (kostümiert und pauschalisiert als Islamisten) zu kaschieren.

Es ist ein Akt der Exkulpation, denn wer für Israel ist, kann nicht rechtsextrem, nicht rassistisch, nicht antisemitisch, nicht deutsch-völkisch und somit kein Problem in der bundesdeutschen Demokratie sein. Diese (Un-)Gleichung scheint bis heute aufzugehen, worauf sowohl die AfD als auch das zweite Ziehkind der PI-News, die Pegida, samt ihrer Sympathisanten und Beschwichtiger hindeuten."

http://der-semit.de/juden-in-der-afd-eine-veralberung-des-waehlers/

Richtig schlimm würde die Ungleichung dann, wenn der Staat Israel selbst rechtsextrem & rassistisch wäre.

Da wären dann die AFD und Israel nur noch mittels Exorzismus vom rechten Glauben an die eigene völkische Überlegenheit bekehrbar.......

Hach Gott o Gott, was für ein schreckliches Drama.

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Antwort auf fahrwax  zum Kommentar Wer für Israel ist.....
 

wenn er von einer verlogenen Entrüstung spricht.

Israel selbst ist in vielen Aspekten als rechtsextrem & rassistisch zu bezeichnen und der demonstrative Schulterschluß zwischen Viktor Orban und Benjamin Netanjahu lediglich ein Beispiel der faktischen Nähe Israels zur europäischen Rechten.

Insofern sind diese Juden in der AfD zumindest ehrlich, müssen keinen verlogenen Spagat üben.

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Das meint Zuckermann,
 

.....schlägt der, von mir wegen seiner deutlichen Aussprache geliebt, U. Gellermann einmal mehr überaus prägnant.

Unter der Überschrift

Da wächst was zusammen.......

schreibt er doch locker vom Hocker - und lässt auch weder Broder, noch Lengsfeld dabei aus:

"Auch wenn das AfD-Bundesvorstandsmitglied Joachim Kuhs den Interessensverband „Juden in der AfD“ als „einen echten Glücksfall“ für die Partei wertet, weil man mit den Juden in der AfD den gegnerischen Parteien das „Spielzeug der Nazikeule“ wegnähme, ist ihr Auftauchen für den Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung ebenfalls eine echte Beglückung. Erweitert der neue Verband doch das Observierungs-Spektrum des hohen Beamten deutlich. Denn wer jetzt immer noch die AfD als antisemitisch bezeichnet, der ist gleich selbst einer. So eint der gemeinsame islamische Feind vermeintliche Gegner.

Nun wächst zusammen, was zusammengehört: Reaktionäre aller Glaubensrichtungen vereinigt Euch! Noch fehlen "Moslems in der AfD", da wird sich die "Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V." nicht zweimal bitten lassen. Die Unterschiede zwischen Gauland und Erdogan sind kleiner, als beide zugeben wollen. Das bisschen Schnurrbart wird sich doch wohl wachsen oder rasieren lassen."

https://www.rationalgalerie.de/home/juden-fuer-die-afd.html

Herrlich diese Aussprache.......

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diese "rechten" Juden.

Orit Arfa ist im besten Sinne eine Kosmopolitin. Die in Los Angeles geborene Jüdin lebte lange in Israel und nun auch in Deutschland. Sie hat an diesem neurechten Berliner Frauenmarsch teilgenommen, der von eine anderen ebenfalls (schon klar ...) neurechten Migrantin organisiert wurde;

und macht nun bei Broders guten Achsen nahtlos weiter!


Und ebenso klar, eigentlich ... dass man zu dieser rechten, neurechten, (Nazi?)Frau von den Guten hierzulande kein Wort der Kritik hört, da greift die ebenso gute Beißhemmung was eine Kritik an Menschen jüdischen Glaubens angeht; obwohl Arfa sich in weiteren Stellungnahmen und sehr grundsätzlich hinter das expansive Projekt der israelischen Siedler stellt.

Und jetzt eben, voller (Selbst)ironie, hinter die Juden in der AfD ...

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Antwort auf marie  zum Kommentar etwas weiter geschweift
 

hatte ich diese Tage mit Interesse gelesen.

Er analysiert ja -wesentlich eloquenter als meine Wenigkeit- genau diese, auch von mir gern gestellte Frage, ob sich die neue Linke lediglich an Symptomen abarbeiten, keine blasphemischen Fragen nach den Ursachen stellen soll; ob diese Linke vom Kapital eine neue Aufgabe hat zugewiesen bekommen.

Antwort auf ebertus  zum Kommentar Den Text von Schreyer
 

dass du zusammenhänge zwischen euren texten siehst.

ich weiß gar nicht wie ich es sagen soll: kurz und knapp: es gibt keine "linke" mehr - zumindest nicht so lange sie die in sich selbst bestehenden antagonistischen widersprüche nicht ENDLICH!!!! mal klärt. ich entschuldige stalin und die ddr-regierung, dass es schwer war, die erkämpften errungenschaften gegen kapital/faschismus FEHLERFREI aus dem stand realisieren zu können ... aber HEUTE!!!!! erwarte ich mehr ... viel mehr ... vielleicht zu viel ... aber das MINDESTE ist, die naturgesetze können nicht geleugnet werden und der humanismus bleibt das kriterium über jeder ideologie oder religion ... und zwar OHNE privilegien für einige durch geld oder macht als entscheidendes wertkriterium der WÜRDE