27 Febr. 2021

Das Neue Deutschland geht baden

Submitted by ebertus

Nach den prozentual jeweils zweistelligen Auflagenverlusten der letzten Jahre war das Ende schon länger absehbar. Ein Ende mit Schrecken, statt dem nun vielleicht folgenden genossenschaftlichen Schrecken ohne Ende scheint mir daher unausweichlich.


Die Frage der Rechtsform und wie in diesem Artikel ventiliert, lässt einmal mehr das Inhaltliche außen vor, weigert sich konsequent den Elefant im Redaktionsgebäude zu erkennen. Stattdessen sollen die in Mehrzahl finanziell wohl eh' nicht auf Rosen gebetteten Mitarbeiter nun ihren eigenen Untergang gar noch mit echtem Geld begleiten. Oder wer zeichnet die Genossenschaftsanteile, wenn sogar die Linkspartei sich ziert, bestenfalls einen symbolischen Teil übernehmen wird?

Eine zweite Tageszeitung  braucht der Markt wohl nicht, wenngleich das ND wegen der ostdeutschen Historie weniger russophob daherkommt, als die mittlerweile transatlantisch eingebundene taz. Aber ansonsten, was das Esoterische, den heldenhaften Kampf gegen "rechts", für Gendersternchen und Diversität angeht, da ist das ND, an den meisten (ehemaligen) Lesern vorbei, schon länger auf der systemischen gewendeten, politisch korrekten Linie.

Kommentare

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Gestern Abend sah ich im Phoenix etwas für Putinisten, eine Dokumentation über die Putin-Herrschaft in Russland. Wenn auch die Anti-Putin-Haltung der Doku auffällt, so sind doch bezeichnende menschenverachtende Putin-Handlungen nicht zu übersehen. Diktaturen und Imperien welcher Couleur auch immer haben verdammt Blut an den Händen, was auch unsere sogenannten atlantischen "Freunde" nicht ausnimmt. LG zum sonnigen Wochenende.

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Antwort auf: Hermann Gebauer   zum Kommentar: Russophil - russophob

Wir sprachen ja hier schon mal darüber, eine Art Zielkonflikt zwischen Pest und Cholera.

Antwort auf: Hermann Gebauer   zum Kommentar: Russophil - russophob

Russlands gemacht sondern zu Produktion neuer Feinde. Von der Sorte „Duko“ habe ich in den letzten Jahren ein halbes Dutzend gesehen. Ich schrieb es schon? Es gibt zwei verschiedene Russlands. Das im medialen Propagandakrieg beschrieben und das, in dem die Russländer leben. Und beide haben nichts miteinander zu tun.
Nun will ich dich wirklich nicht agieren. Neben der Tatsache, dass ich dafür nicht besonders begabt bin, ist es eh aussichtslos. Es ist Kriegsvorbereitung und es ist für jeden mit offenem Auge erkennbar, dass der Krieg kommt. Ich habe da keinerlei Hoffnung mehr. Ich sehe es aber zunehmend gelassener. Diesmal fahren alle gemeinsam zur Hölle. Die amerikanischen warpigs, die nach 45 eine unendliche Folge von Kriegen erst herbeilogen und dann anfingen, ihre Vasallen auf der Welt, ebenso wie die sonst üblichen Opfer, also Leute wie wir. Es ist nicht mehr zu verhindern, egal ob man mir glaubt oder es nicht wahrhaben will.
Was ich nicht verstehe, ist, warum den Amerikanern, die so oft der Lüge überführt wurden, von Tonking über den Irak bis nach Syrien, die mit sehr guten Gründen weiterer Lügen beschuldigt werden, wie 911, die KZ wie Guantanamo unterhalten usw usf. irgendwas geglaubt wird. Ist mir ein Rätsel. Aber es ist zuletzt egal, wir fahren gemeinsam zur Hölle, die Gläubigen und die Ungläubigen, die Gerechten wie die Unrechten. Eine zweite Chance gibt es nicht. Das ist nicht schön, aber es ist so.

Antwort auf: Robert   zum Kommentar: Ist nicht für Freunde

ist auch mein geliebtes rußland ... also von den freunden und verstehern von rußland und putin, die keine technokratische perfektion erwarten, die die lebens- und werteferne des "westens" für unerträglich finden.

die kriegsvorbereitungen laufen ja permanent für die "westlichen werte" - ich bin jedoch etwas anders als du der meinung, dass deren hölle wirklich die endstation ist ... rußland ist groß und noch größer gemeinsam mit china und nicht umsonst investiert china in afrika jenseits aller medienberichte des westens

der westen ist zu ende, mit all seinem militär und geheimdienstaktionen und ihre unsummen geld können sie nicht fressen >>> m.m.n. "könnte" es gut sein, dass es diesmal weniger unterstützer als anfang 45 gibt, die für eine schon verlorene sache ihr leben opfern wollen, sondern NEIN dazu sagen werden ...

wie sich dies alles in der technologischen jetztzeit, begleitet mit bio-chemischer bewaffnung "gestalten" wird, ist ja die große frage >>> jedoch die antwort könnte auch eine überraschung sein, die ich nicht kenne, aber anders vermute als du

ganz speziell die russen, aber auch chinesen und afrikaner haben schon jede menge grausamkeiten überlebt ... und was ist, wenn immer mehr menschen ihre ängste analysieren lernen und die realitäten erkennen:

https://www.youtube.com/watch?v=IPtVYm7mWBc

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Antwort auf: mari   zum Kommentar: das rußland der rußländer

In der ARD-Audiothek steht noch "Das Jalta-Spiel" von Brian Friel, nach Tschechows "Dame mit dem Hündchen". Da wird sehr schön durchgespielt, dass jeder etwas anderes in Russland hineingeheimnist. Jalta heißt das Hündchen und Jalta ist der Ort, an dem Russland wohl noch am bürgerlichsten ist, trotz Lenin-Denkmal und Putin-Jugend in Artek.

Der Putin-Kult antideutscher Senior*innen ignoriert, dass Putin immer noch der Jelzin-Mann des Jahres 2000 ist, der mit seinem Repressionsapparat garantiert, dass die Oligarchen das Geraubte behalten dürfen, was immer mehr Russen übel aufstößt. Die westlichen Sanktionen sind sehr milde, unter Trump gab es sie fast nicht und auch Biden verhindert nicht einmal Nordstream 2. Nur können die Oligarchen nicht wirtschaften, die Parallelstrukturen der räuberischen Staatswirtschaft verschlimmern die Misere weiter ...

Antwort auf: Rule Britannia   zum Kommentar: Das Jalta-Spiel

so wie ich den verstehe kommt der aus der grünen ecke, die gern die AMIS noch mal bomben lassen wollen - scheint irgendwie ihr ding zu sein, was da so kurz vor kriegsende in dresden passiert ist ... meinst du mit den grünen senior*innen fischer und seine truppe und die ganze kriegsallianz gegen jugoslawien mit bap-front-liedern ?

das putin jelzin ist, ist aber nicht wahr ... das oligarchengeld bleibt jetzt im lande = das ist natürlich für den westen ärgerlich - so wie jelzin eine freude und putin ein ärgernis ist ...**

Antwort auf: Rule Britannia   zum Kommentar: Das Jalta-Spiel

Wie stellst du dir das mit Putin, Jelzin und dem Schutz des kapitalistischen Eigentums vor? Das, also der Schutz Kapitalistischer Eigner, ist der grundlegende Auftrag des bürgerlichen Staates und andere von einiger Bedeutung gibt es wohl nicht mehr. Und so war es seit der französischen Revolution und zuvor schon in England, wie es Marx als ursprüngliche Akkumulation so bildhaft beschrieb. Sich anderes zu wünschen, bedeutet nicht weniger als Revolution und die wird es nicht geben. Jedenfalls nicht innerhalb eines für uns vorstellbaren Zeitraumes.

Was Putin tatsächlich gemacht hat, und das war nach den Jahren der vollkommenen Anarchie an der Schwelle zum staatlichen Zusammenbruch, dass er die Autorität des Staates wieder herstellte . Und was er dem neuen Geldadel sagte war, dass sie sich aus der Politik raushalten und Steuern zahlen werden. Das hat er, weil er kein deutscher Politiker ist, durch gesetzt. Seitdem wurden wieder Renten und Gehälter gezahlt, wird man in Krankenhäusern ohne Schmiergeld behandelt, wurde Russland zum größten Getreideproduzenten, ist die Lebenserwartung wieder gestiegen. Ohne dies wäre Russland ein Somalia mit Atomwaffen geworden. In der Ukraine, die bessere Voraussetzungen als Russland hatte, war es umgekehrt . Die neureichen Diebe haben sich die Staatsmacht unterworfen. Ich war da noch vor dem Maidan und kenne Menschen mit sehr engen Beziehungen dorthin. Hätten sie einen Putin gehabt, ginge es ihnen besser.

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Antwort auf: Robert   zum Kommentar: Verstehe ich nicht

Über Kapitalismus im Allgemeinen brauchen wir wohl nicht zu diskutieren. In der Ex-UdSSR gab es in den 90er Jahren eine Periode der räuberischen "ursprünglichen Akkumulation" und nur um die geht es. Putin schützt die Räuber und Erpresser - nicht die Gründerszene und den Mittelstand. Man kann im heutigen Russland einfach nicht wirtschaften!

Ein Bekannter von mir wollte in den nuller Jahren in den russischen Holzhandel einsteigen, weit in der Provinz. Heute sagt er, dass er weniger Verlust gemacht hätte, wenn er zu Hause geblieben wäre und sich das Holz aus dem Baumarkt geholt hätte. 

"Hätten sie einen Putin gehabt, ginge es ihnen besser."

Es kann nur einen geben und der hat auch noch einen schlechten Geschmack! cheeky

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Antwort auf: Robert   zum Kommentar: Ist nicht für Freunde


Mehr als das sog. Gleichgewicht des Schreckens ist zwar erträumbar, aktuell jedoch absolut unrealistisch. Immerhin haben wir zur Zeit und im Globalen wieder so etwas wie dieses Gleichgewicht, nachdem es ab 1990, nach dem "Ende der Geschichte" zunächst so aussah, als wenn die "warpigs" alles und uns alle dominieren.

Heute kann es für defensiv aufgestellte, für kleinere, dennoch selbstbewußt agierende Staaten nur darum gehen, sich nicht vollkommen dem Vasallentum hinzugeben, in der Nische des Gleichgewichts (gut) zu überleben. Und nach meinem Eindruck fördern und fordern -explizit wie implizit- die USA wesentlich offener als Russland oder China diesen Vasallenstatus; nicht selten erfolgreich.

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Klingt eigentlich eher beriebswirtschaftlich-technisch, was das ND selbst zu vermelden hat.

Und von Analyse der Blattlinie, gar von Selbstkritik ist natürlich nichts zu lesen. Die machen inhaltlich doch eh' alles richtig, muß man also nur etwas an der Rechtsform drehen, um diesen Schock und gänzlich ohne Vorwarnung  zu überstehen.

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NDR: »Ein neues Unternehmen müsse "sich selbst tragen können und der Weg dahin muss solidarisch, sozial und kooperativ ablaufen".«

Das neue Geschäftsmodell der ND gibt es offenbar noch nicht. Aus der Position mit 20.000 verkauften Zeitungen wird es auch schwer sein, neue Werbekunden zu akquirieren. Als Rechtsform ist die Genossenschaft zwar solidarisch, sozial und kooperativ, ob sie sich nach einer Refinanzierung durch Genossen dann auch selbst tragen und Dividenden zahlen kann, hängt an der neu zu entwickelnden Philosophie der Zeitung. Diese Genossenschaft allein auf die Anteile der Mitarbeiter zu stellen, scheint mir unrealistisch zu sein, zumal es bisher noch kein neues Konzept für die Zeitung zu geben scheint. Das NEUE bei der ND allein auf die Rechtsform zu reduzieren scheint mir etwas zu dürftig. Neue Geschäftsmodelle leben von neuen Ideen und nicht von Ideologie.

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Antwort auf: heinz   zum Kommentar: Neue Geschäftsmodelle

Ja, so in etwa wollte ich das auch verstehen

Wenn immer gern die genossenschaftlich aufgestellte taz  als Vorbild herangezogen wird, so waren das damals, in den 80ern natürlich ander Zeiten. Der Medienmarkt wurde dominiert von konservativen Springer-Gazetten und die taz eben eine explizit linke Alternative.

Heute dagegen dominieren nicht nur, sondern beherrschen liberale bis neulinke Medien den medialen Diskurs. Bild, Welt, Faz und Focus kämpfen eher auch um ihre Existenz. Und die Altlinken (like me) sind doch alle neurechts anschlußfähig.

Wer sollte bzw. wollte dann für eine weitere neulinke, mediale Philosophie noch Geld ausgeben?.

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Antwort auf: ebertus   zum Kommentar: Philosophie der Zeitung

Solange die Zeitungen für eine mehr oder weniger linke oder rechte Ideologie KÄMPFEN, wird das immer ein ideologischer Mixmax bleiben. Von der Masse abheben könnte sich ein Blatt nur, wenn es eine konsequent kritische Haltung veröffentlicht.

Nehmen wir das Parteispektrum, da ist nur noch die Linke links/freiheitlich, alle anderen Parteien drängeln sich im rechts/autoritären Quadranten. Wohl wählt die Mehrheit konservativ, teilweise aber aus Unkenntnis oder Trägheit. Das aber kann mit einem kritischen Blatt geändert werden, das sowohl gegen links/autoritäre, als auch gegen rechts/autoritäre Vorkommnisse im täglichen Leben schreibt.

Es gibt ja ein paar Seiten im Internet, die diese Strategie erfolgreich verfolgen, nur als Druckmedium fehlen die natürlich wegen mangelndem Umsatz. Einerseits ist das Netz frei zugänglich und damit auch die Information von Zeitungen. Der Versuch, sich hinter einer soften Bezahlschranke zu verschanzen, ist zum Scheitern verurteilt. Eher gehen die Zeitungen als Druckmedien unter. Da hilft Meiner Meinung nach nur ein altehrwürdiger Lesezirkel, in dem alle Zeitungen vertreten sind und sich die Beute teilen – doch so weit sind die meisten Zeitungen noch nicht, die bleiben Einzelkämpfer und gehen unter.

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Antwort auf: heinz   zum Kommentar: Die Mühen der Ebene


Einen für "alle" offenen Lesezirkel, sprich: den Zugang zu allen nicht gerade strafrechtlich verbotenen Medien wird es mit Sicherheit nicht geben. Die alten/neuen 1984er haben jetzt Blut geleckt, bauen das  eher noch aus. Eine Art GEZ für systemkonforme Medien ist dabei das Mindeste, was Impf- bzw. Medienverweigerer zu erwarten haben.

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dass man sich für die Anschubfinanzierung der ND-Genossenschaft etwa 1,2 Millionen Euro vorstellt. Das wären dann für jeden der rund 100 Mitarbeiter 12.000 Euro an Genossenschaftsanteilen.

Ok, mit 500 Euro für einen Anteil wird sich da Mancher beteiligen, ist es ansonsten für den Einzelnen wohl ökonomisch sinnvoller, das Ende mit Schrecken zu akzeptieren. Da sind dann die Guten von "verdi" gefragt, könnten von den aktuellen Gesellschaftern noch eine Abfindung für die Beschäftigten aushandeln; ehe sich die Linkspartei komplett aus der Verantwortung stehlen dürfte.

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Antwort auf: ebertus   zum Kommentar: Irgendwo gelesen,

Es müsste schon eine Genossenschaft der Leserinnen und Leser sein. Die traditionslinke Zielgruppe ist durchaus Genossenschafts-affin, eine Nur-Internet-Zeitung würden sie gar nicht aufrufen können. Und vielleicht kommt ja bald die GEZ-Gebühr für alle Printerzeugnisse?

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Antwort auf: Rule Britannia   zum Kommentar: Genoss*In Leser*In


Ja, das ist richtig, wäre bei den verbliebenen (alten) Lesern und Leserinnen mit Sicherheit noch etwas zu holen. Aber wie auch bereits von Heinz festgestellt müsste ein nur halbwegs zukunftsträchtiges Geschäftsmodell auch an der Philosophie wohl etwas arbeiten. Weiterso geht ja gerade eben nicht.

Denn wer transatlantisch, genderisiert, antifaisiert und als berufsbetroffener Umweltfreund daher kommt, den hat bereits die taz als Gesellschafter, zumindest als gelegentlich zahlenden Sympathisant eingebunden.

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hat sich die beim ND (noch) in der Verantwortung seiende Linkspartei gerade auf ihrem Parteitag erneuert, die alten Kader und den Wagenknecht-Flügel hinter sich gelassen. Da können sie nur hoffen, wie der taz-Artikel das prophetisch schon mal erwähnt, im September nicht an der 5%-Hürde zu scheitern.

Woraus man im Umkehrschluss vermuten darf, dass die finale Entscheidung zum ND erst nach der Bundestagswahl fallen dürfte.