4 Jan. 2022

Brexit 2022

Submitted by heinz

Der Brexit ist ein "Verdammter Albtraum" und es gibt wenig Aussicht auf Brexit-Besserung.

So titelt die DW zum Jahresanfang 2022.

Für Nordirland und Schottland ist die Situation bisher unberiedigend bis mangelhaft. Lediglich Gibraltar wird wohl de facto als Stadtstaat mit einem besonderen Status in der EU bleiben.

Januar 2022 One Year after
Vor einem Jahr ist GB aus der EU ausgetreten. Dieser Austritt basierte auf einem windigen Plebiszit, das für das britische Parlament nicht einmal bindend war – also kein echtes Plebiszit, sondern nur eine unverbindliche Befragung der Zivilgesellschaft. Doch der eigentlich Krimi zum Brexit folgte auf dem Fuße. Der Verhandlungspoker mit der EU und die ungeklärten Verhältnisse in GB selbst, wie Schottland und Nordirland sorgten auch innenpolitisch für eine polarisierte Gesellschaft. Eine Mehrheit für den Austritt war aber stets präsent, weil sich in GB ein Unwohlsein über die zentralistische und undemokratisache EU heraus gebildet hatte.
GB ist Virusvariantengebiet und der geschäftliche Reiseverkehr mit dem Vereinigten Königreich liegt nahezu komplett lahm. (2021  Dezember 20)
Der Exodus der Banken war bereits 2021; Frankfurt profitiert von diesem «Deal».

Fachkräftemangel nach Brexit  
In Großbritannien fehlen jetzt auch Weihnachtsmänner 
Den britischen Bauern fehlt die EU – Schweinekrise verschlimmert sich
Bisher haben ca. 200.000 Europäer die Insel verlassen.

Nordirland:
In Nordirland gelten EU-Regeln, um in Irland keinen Stacheldrahtzaun bauen zu müssen, wie zwischen Polen und Weißrussland. Die EU-Außengrenze verläuft in der Irischen See. Der Warenverkehr ist in GB wegen mangelndem Treibstoff sowieso gestört und der Warenverkehr zwischen GB und Nordirland zusätzlich durch die Zollkontrollen. Rekapitulieren wir den Freiheitskampf der britischen Kolonie Irland und den Bürgerkrieg in Nordirland, dann ist das ein hochexplosives Pulverfass. Hoffen wir, daß die Queen nicht wieder einmal nur Truppen schickt, um ein Blutbad anzurichten.

Schottland: Mehr als sechs von zehn Briten bewerten Brexit negativ
Vor allem Jugendliche wollen einfach nur noch weg. Das erinnert mich an den Exodus in Ostdeutschland, wo junge Menschen nach der Schule wegziehen, weil sie keine Perspektive für ihre Lebensplanung haben. Die Gesellschaft in Schottland wird sich also etwas einfallen lassen müssen, um nicht in wenigen Jahrzehnten zu vergreisen.

Gibraltar: Nervenkitzel beim Blick vom Skywalk in Gibraltar

Entgegen anderen britischen Kolonien fahren die Autos in Gibraltar ja schon rechts und mit einem Sonderstatus bleibt Gibraltar de facto als Stadtstaat in der EU.

 

Kommentare

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ein Fazit zu ziehen. Die Probleme, die die da drüben haben, sind momentan nicht zu übersehen. Ein paar davon hast du beschrieben. Könnte aber sehr gut sein, dass sich das umkehrt, wenn der Euro in einer Hyperinflation verraucht. Wenn sie es schaffen ihre Währung stabil, oder weitgehend stabil, zu halten, stehen sie als zuletzt Lachende da. Die Zahl der Menschen, die fürs Pfund, als ein Zahlungsmittel, für das man dann noch was Kaufen kann, arbeiten wollen, würde unermesslich groß und sie können es sich dann aussuchen, wen sie ins Land lassen. Konzerne und Banken gehen auf große Einkaufstour in Europa und kaufen für den berühmten Apfel plus das Ei, alles was irgendwie an Wert noch vorhanden ist.
Klar, dass ich nicht weiß, ob es so kommen wird. Aber mittlerweile wissen schon viele, dass dies eine realistische Option ist.
Schätze, dass wir nicht unendlich lange werden warten müssen, bis wir erleben, wohin es gehen wird.

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Antwort auf: Robert   zum Kommentar: Vielleicht ist es zu früh,

… und keiner weiß, was ist morgen.

Wenn du dir die Zahlen anschaust, dann wird eher GB im Schuldenorbit verglühen, als Deutschland.

Boris Johnsons Haushaltspolitik Raus mit dem Geld - es reicht eh nie

hier ein Vergleich: Liste der Länder nach Staatsschuldenquote

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Antwort auf: Robert   zum Kommentar: Vielleicht ist es zu früh,

Die politische Ökonomie hat in den 1930er Jahren ein Kontensystem zum Bewerten der nationalen wirtschaftlichen Lage entwickelt. Damals waren die einzelnen Wirtschaften noch nicht so komplex vernetzt, wie heute. Der Finanzsektor war etwa identisch mit der Kreditaufnahme der Realwirtschaft. Viele Importe kamen aus den abhängigen Kolonien und waren darum Teil des Inlandsprodukts.

Und dann kam Bretton Woods mit einer festen Goldbindung – das war damals schon ein Sakrileg. Der feste Wechselkurs zum US$ sicherte den USA ihren steilen wirtschaftlichen Aufstieg, weil der US$ zunehmend inflationär war. Als Frankreich Ende der 1960er Jahre von den USA sein reales Gold forderte, platzte die Bombe und damit das Bretton-Woods-System. Die Folge waren die Ölpreisschocks.

Mit der Freigabe der Wechselkurse offenbarten sich zwei Dinge:

     1. Die Wirtschaft der USA rutschte zunehmend in die roten Zahlen.
     2. Der IMF führte die Sonderziehungsrechte ein. Das System basiert auf der Idee des Bancor von Keynes.

Das Dilemma der Makroökonomie ist, daß die Ökonomen für eine Realwirtschaft rechnen, die heute um das Vielfache des Sozialproduktes von der Finanzwirtschaft beherrscht wird. Beide arbeiten mit dem gleichen Geld und den gleichen Universalbanken. Diese Durchdringung und Abhängigkeit schadet dem sozialen und wirtschaftlichen Kern einer politischen Ökonomie.

Mit jeder Krise gehen die Einnahmen des Staates zurück und die Kreditaufnahme steigt zwangsläufig. Weil die Schulden der einen die Vermögen anderer sind, liegen diese Krisen im Interesse der Zocker von Bilderberg bis Davos.

Nicht einmal ein allgemeines Vollgeldsystem könnte helfen, weil damit das gesamte Kredit-Risiko auf den Staat übertragen würde. Helfen kann dabei nur ein Trennbankensystem von Kreditbanken und Investmentbanken und die volle Verantwortung der Bankmanager für ihr Tun.

Weiter hilft eine Abkopplung des sozialen Kerns von den globalen externen Störungen mit einem geschöpften Grundeinkommen für alle Einwohner einer politischen Ökonomie.