18 Febr. 2020

Wählerstimmen sind wie Bäume

Submitted by ebertus

Es gibt gute und schlechter Wähler, gute und schlechte Bäume. Das war diese Tage zu lernen. Schlechte Wähler werden in Sachen postmoderner Demokratie überhaupt nicht gebraucht. Und schlechte Bäume müssen gleich ganz weg; wegen dem Klima und so ...


Das ganze Elend dieser Monokulturen wird in einem Artikel des Tagesspiegel  deutlich; selbst die Piratenpartei ist not amused  wegen dieser Konkurrenz der Baumpiraten von Grünheide. Und wenn zukünftig -mit medialem Getöse und nicht nur von Tesla- gute Aufforstungen durchgeführt werden, dann wird man doch bitte nachfragen dürfen, welche Art von Baum da gepflanzt wird.

Oder umgekehrt: wenn demnächst auf den Höhen des Odenwald die gigantischen Windräder Einzug halten, dafür breite Trassen für Material und Gerät in den Wald geschlagen werden, dann wird man auch mal fragen dürfen, ob die hier vorherrschenden Buchen nun gute oder schlechte Bäume sind.

Kommentare

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Mir scheint, da hat mal wieder der Unterschied zwischen europäischem Recht und amerikanischem zugeschlagen. Genau darum ging es ja auch bei TTIP & Co.

Hier werden Bäume erst gefällt, wenn die Genehmigung dafür erfolgte, also wenn die Aufforstung als Ausgleich ausgehandelt ist. In Amerika ist das Nebensache und kann hinterher ausgehandelt werden. Dabei ist das Anliegen der Piratenpartei völlig unrelevant, weil die Forstwirtschaft heute sowieso stabilere Kulturen aufforstet, um Windbruch in Monokulturen zu vermeiden. Bei Windbruch in Monokulturen bleibt kein Verdienst übrig, weil der erschwert zu ernten ist. und zu viel Abfall anfällt.

In Grünheide geht es also um Verfahrensrecht und nicht um gute oder schlechte Bäume.

Tesla in Grünheide

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Antwort auf: heinz   zum Kommentar: Was ist Fakt?

Natürlich, darum geht es; geht es eigentlich immer, wenn Projekte wider die Natur gestoppt werden sollen.

Manchmal ist der Widerstand erfolglos, wird gar skurril konterkarriert wie beim BER oder bei S21. In Stuttgart war ich 2010 gar bei einer Demo dabei, hätte ob der dort zitierten Worte  von Jürgen Trittin damals schon wissen können, wozu "Grüne" -einige Jahre später dann in BW im Amt- schlußendlich fähig sind.

Heute kommt bei mir schon mal klammheimliche -eher fatalistische- Freude auf, wenn sich das gerade unter Grüner Beteiligung über die Jahrzehnte entwickelte, nicht selten formalrechtlich durchgesetzte Verfahrensrecht nun gegen ihre Erfinder wendet.

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Antwort auf: ebertus   zum Kommentar: Verfahrensrecht

Die gesamte Struktur des Staates orientiert sich heute im 21. Jahrhundert immer noch am 19.Jahrhundert, obwohl sich die Laufzeiten der Information gegen Null entwickelt haben. Einerseits gibt es ein Verfahrensrecht und andererseits Verfahrensmethoden. Hier in DE besteht eine große Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. So gibt es immer noch das

Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft

von 1967 (inzwischen mit Gesetzesänderungen), an dem sich die Politiker mit ihren Maßnahmen orientieren, obwohl ein quantitatives Wachstum obsolet ist, weil die Wirtschaft damit den anderen Staaten davon laufen würde. Real gibt es auch kein Wachstum mehr, sondern Stagflagtion. Wachsen kann nur noch der Finanzsektor und damit die Schulden, weil es eigentümlicherweise für das aktuell wirksame Kreditwesen keine negative Rückkopplung gibt.

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Antwort auf: heinz   zum Kommentar: Was ist Fakt?

Natürlich hast Du recht, wird das heute versucht.

Aber dazu müssen wenigstens drei Bedingungen passen: das Klima, der Boden und die Höhenlage.

Hier im Odenwald sehe ich an steilen Hängen und Abrißkanten immer mal Bäume, deren Wurzeln nach und nach freigelegt, freigewaschen werden und die irgendwann umkippen. Gut an diesen Brüchen zu sehen, so haben wir hier einen tiefen, schwarzen und relativ feuchten Boden in Höhenlagen von 300 bis 600 Metern; wohl ideal für Buchen. In Italien zeigt mir mein Wanderfreund immer mal Kastanienhaine oder Gruppen von Eichen bis bald auf 1000 Meter Höhe.

Nun unterstelle ich denen, die vor vielleicht 20 bis 30 Jahren bei Grünheide diese Monokulturen angelegt haben keinesfalls vollkommene Blödheit; das eher schon so manchem Grünen Weltenretter. Aber welche "stabilere Kulturen" in der norddeutschen Tiefebene und insbesondere im wohl eher trockenen märkischen Sand dann gut gedeihen, an Beispielen in den entsprechenden Größenordnungen exemplifiziert, das können wohl nur Fachleute sagen.

Schlußendlich werden Bäume ja nicht wie Gras ausgesäht, sondern in Baumschulen und Plantagen vorgezogen, ehe sie in die freie Wildbahn entlassen werden; oft auch dort, wie man hier im Odenwald gelegentlich sehen kann, über Jahre mit einem entsprechenden Schutz gegen Tierbisse versehen. Bei härteren Sorten und in den bei Grünheide zu sehenden Größenordnungen dürften selbst zu entsprechenden Preisen und über die Zeit kaum soviel Setzlinge zur Verfügung stehen, wie Elon Musk dort einbuddeln lassen will.

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Antwort auf: ebertus   zum Kommentar: Stabilere Kulturen

Streit um Rodung
Protest auf Bäumen im "Tesla-Wald" beendet

Ein Wald wird in DE immer in einer Schonung mit Jungpflanzen aus einer Forstbaumschule aufgeforstet, damit die Bäume mindestens 10 Jahre ohne Verbiß durch Rotwild heranwachsen können. Rotwild bringt dem Waldeigentümer eine Jagdpacht als wichtige Einnahmequelle.

Die Wälder in DE werden wegen zunehmender Trockenheit sowieso stabiler aufgeforstet werden müssen. Das sind keine Plantagen in Monokultur, sondern Mischwald:

Baumartenwahl bei zunehmender Sommertrockenheit

Die Aufforstung von Ausgleichspflanzungen als Ersatz für die 90ha Teslagelände kosten nur einen Bruchteil des Ertrags aus der Ernte auf dem Gelände, weil der Baumbestand sowieso fast erntereif ist. Die Ausgleichsflächen müssen nicht zusammenhängend sein und werden für die Forstbaumschulen sicher kein größeres Problem sein.

 

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Antwort auf: heinz   zum Kommentar: Ausgleichspflanzung


Interessant wäre, jetzt noch zu analysieren, wie lange es bei den verschiedenen Baumsorten und gerade im märkischen Sand bis zur "Erntezeit" dauert; was das Ernten jenseits einer Kiefermonokultur kostet und welchen Wert als wirtschaftlich vermarktbares Gut diese Ernte dann hat.

Hier im Odenwald sehe ich nur selektiv geerntete einzelne Bäume, ist damit der Aufwand pro Kubikmeter Holz mit Sicherheit wesentlich höher als der aktuell im Tesla-Wald.

Wie geschrieben, ich glaube schon, dass die damaligen die Aufforster des Tesla-Waldes und ähnlicher Plantagen in der norddeutschen Tiefebene und insbesondere im märkischen Sand nicht ganz blöd waren.

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Antwort auf: ebertus   zum Kommentar: Danke für die Info

Das ist ein sehr weites Feld. Von der Wirtschaftsweise, die von Standort, Klima, BWL bestimmt wird, bis zur Verwendung der aufgeforsteten Holzart (Furniere, Bauholz, Konstruktionsvollholz, Pressplatten, Papier, Feuerholz) und ihrer Wuchsdauer bis zur Ernte. Beispiel Fichte, Kiefer mit kurzen Erntezeiten von 50 Jahren, bis Eiche bis zu 500 Jahren. Dazwischen ist alles möglich. Sehr kurz wäre ein Umtrieb von Erlenwald für Pellets, der alle 5 bis 7 Jahre eingekürzt wird – braucht aber einen feuchten Standort.

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Antwort auf: heinz   zum Kommentar: Forstwirtschaft


Bin ja nun seit einiger Zeit und aus gegebenem Anlaß etwas stärker interessiert, gar sensibilisiert was den Wald in seinen verschiedenen Ausprägungen und eben auch die Arbeit mit Holz  angeht.

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Antwort auf: ebertus   zum Kommentar: Nachmals Danke

Die hatte ich bei der Forstwirtschaft vergessen, sind forstwirtschaftlich aber auch marginal.