19 Mär 2016

Sea-Watch 2 - Ein Besuch

Submitted by ebertus

Das Projekt Sea-Watch zur Rettung von in Seenot geratener Flüchtlingen wird auch von mir mit Sympathie begleitet. Ein spontaner Besuch im Hamburg, ehe das Schiff in den nächsten Tagen in Richtung Mittelmeer ausläuft.

Brücke der Sea-Watch 2
Bild: Bernd Ebert

 

 

 

 

 

Zu den hier genannten, ggf. abgebildeten Personen siehe die unten aufgeführten Links.


Im Frühjahr 2015, in Anbetracht des mittlerweile tausendfachen Todes  der im Mittelmeer in Seenot geratener Flüchtlinge initiierten Harald Höppner (der in der blauen Regenjacke) und andere Gleichgesinnte das Projekt Sea-Watch zur Rettung Schiffsbrüchiger. Ein kleiner, umgebauter Kutter und primär zur Erstversorgung der in Seenot geratenen Menschen sollte es sein, durfte es lediglich sein. Erste Hilfe leisten und ansonsten kompetente Hilfe (durch größere Schiffe) anfordern; mehr konnte man auf Grund der bescheidenen Ressourcen nicht geben, mehr durfte man nicht tun; da sei die EU, die Nato und Frontex vor, werden auch selbstlose Helfer schnell kriminalisiert, zu sog. Schleusern und Schleppern.

Im oben verlinkten Bild neben Höppner in der roten Regenjacke, das ist -so meine ich verstanden zu haben- der Sprecher des Projekts und noch weiter rechts dann Ingo Werth, einer der Skipper, einer der Bootsführer, die sich -wie die gesamte Mannschaft- alle zwei bis drei Wochen im Einsatz ablösen.

Neben der Technik, dem seefahrerischen Qualitäten auf hoher See ist bei diesem Projekt die medizinische Versorgung von existentieller Bedeutung. Mittlerweile sind wohl insgesamt drei Ärzte abwechselt im Einsatz und einer von ihnen ist Frank Dörner (rechts im Bild neben Ingo Werth). Nur für eine unabdingbar notwendige medizinische Erstversorgung werden Flüchtlinge temporär an Bord genommen, betonte Dörner; möchte er sich ebenfalls nicht dem Verdacht aussetzen, ein Schlepper zu sein. Wahnsinn mit Methode; EU-zertifiziert ...

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Das Projekt wurde und wird mittels Spenden finanziert und niemand wusste im Frühsommer 2015 etwas über das, was nocht kommen sollte.

Einerseits stellte sich im täglichen Einsatz sehr schnell heraus, dass der alte Fischkutter wirklich die unterste Auffanglinie dessen repräsentiert, was ein privat unterhaltenes Rettungsschiff bei diesen beschränkten Mitteln auf hoher See vor Libyen leisten kann. Andererseits gab es und gibt es (anhaltend, den ganzen Winter über) in der Ägäis zusätzliche Herausforderungen in Sachen Seenotrettung. Die Entfernungen zwischen der türkischen Küste und den griechischen Inseln sind zwar oft geringer als zwischen Libyen und Lampedusa beispielsweise, die Zahl der in Seenot geratenden Flüchtlinge ist dagegen ungleich größer in der Ägäis.

Kaum jemand ahnte es, manche hofften es zumindest, war und ist die Resonanz auf die Initiative von Harald Höppner überwältigend. Von 5 Euro bis 50.000 Euro reichen die einzelnen Spenden, war von den Verantwortlichen zu vernehmen. Aus meiner Sicht erfreulich zu bemerken, das ist die Abwesenheit von Werbung; gerade bei Großspendern und in sehr partikularem, geschäftstüchtigem Interesse man diese Zurückhaltung eigentlich nicht erwarten darf.

Auch keine (mir) bekannte offizielle Instanz, politische Exekutive etc. war zu sehen; ebenfalls gut!

Das gespendete Geld reichte nicht nur für zwei hochseetüchtige Schnellboote (Schlauchboote) zum kurzfristigen Einsatz in der Ägäis. So wird auch die alte Sea-Watch derzeit in Italien technisch überholt und soll dann zukünftig in der Ägäis helfen, dort Menschen retten. Vor Libyen wird stattdessen ab dem Frühsommer 2016 nun die technisch wie personell um ein Mehrfaches leistungsfähigere Sea-Watch 2 kreuzen. Das Schiff und die Mannschaft werden mit großer Wahrscheinlichkeit viel zu tun haben, dürften sich die Flüchtlinge nach dem weitgehenden Schließen der sog. Balkanroute nun wieder vermehrt via Libyen orientieren, diejenigen aus Afrika sowieso.

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Damit zum Anlaß dieses Berichts, stand am Freitag (18.03.2016) nun die Taufe des neuen Schiffes an, hatte ich doch eine Einladung erhalten und mich spontan zur Teilnahme entschlossen. Angereist am Vorabend, etwas außerhalb von Hamburg einquartiert, so stellte Park&Ride dann das Mittel der Wahl dar, waren es von der Hochbahnstation "Baumwall" nur wenige Meter bis zum Sandtorkai.

Es war ein trockener, dennoch eher trüber Tag und der Wind recht kalt. Aber so ist das wohl oft im Norden, an der Küste. Genug Zeit war meinerseits eingeplant, Gelegenheit also, die Szenerie in der Hafencity etwas zu betrachten. Nicht nur Büros, auch viele Appartements stapeln sich dort zwischen den Wasserwegen; spielt Geld wahrscheinlich keine Rolle für die Eigentümer und Investoren.

Die Sea-Watch 2 war dann relativ schnell entdeckt, war es noch relativ ruhig um das Schiff herum. Dieser Zustand änderte sich dann jedoch recht schnell und als Ingo Werth von den Unterschieden zwischen dem alten und dem neuen Schiff sprach, da wurde es auf dem Hinterdeck eng, war der erste Teil dieses Videos vom Kai aus aufzunehmen. Werth sprach auch von der Technik, welche die Besucher dann selbst in Augenschein nehmen konnten; schmale Durchgänge und steile Stiegen eingeschlossen, unten und oben ...

Und dann wurde es auch langsam ernst; das mit der Schiffstaufe. Eine Mitarbeiterin der Hamburger Kleiderkammer -die sich dahingehend um die Erfordernisse der Flüchtlinge kümmert- und ein Afrikaner, der es bereits vor der Zeit von Sea-Watch über das Mittelmeer geschafft hat, diese beiden Menschen sollten die Taufe vornehmen; waren jedoch beim ersten Versuch zu zaghaft, die Flasche danach noch intakt.

Vom Kai aus scheint der Blick beschränkt; oder man musste sich dort wohl sehr rechtzeitig anstellen um noch einen vorderen Platz zu ergattern. Mir schien die Reling des Schiffes der bessere Platz, freies Sichtfeld eingeschlossen. Dieses Video inclusive dem Vorspann über die Kaianlagen, dem Blick auf die Szenerie insgesamt scheint mir daher die Atmosphäre recht gut einzufangen.   

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Bereit für Mittelmeer-Mission - titelt aktuell der NDR

Einsatz auf dem Mittelmeer - Ingo Werth via dem Tagesspiegel

Nur absolute Basisnothilfe - Frank Dörner im Ärzteblatt

Der Initiator im Gespräch - Harald Höppner bei 3 nach 9

Last but not least - der Link zur offiziellen Website des Projekts

Kommentare

Bild des Benutzers Heinz

... und immer 'ne Hand breit Wasser unterm Kiel.

Gute Impressionen von der Schiffstaufe! Die zwei Leute
und ihren zaghaften Sektflaschenwurf kann ich verstehen: wer will
schon mutwillig ein Schiff zerstören, das doch Menschenleben retten soll (wird).

Guten Taten will ich gerne loben!

eine informative ergänzung zu deinem bericht: Seenotrettung, Grenzkontrolle und Zugang zu internationalem Schutz – ein Widerspruch?

http://fluechtlingsforschung.net/seenotrettung-grenzkontrolle-und-zugang...

Bild des Benutzers ebertus

und danke für diesen Link, das hier nun wiederholte Zitat:

"Dabei steht laut UNHCR, IMO und die International Chamber of Shipping fest, dass Kapitäne von Handels- und anderen privaten Schiffen weder befugt noch verpflichtet sind, den aufenthaltsrechtlichen Status von geborgenen Personen zu ermitteln oder ihn an die nationalen Behörden weiterzugeben. Diese Art der Migrationskontrolle, also die Entscheidung darüber, wer letztlich in ein Land einreisen darf und wer nicht, ist allein die Aufgabe staatlicher Organe."

Hatte es oben im Blogtext bereits angedeutet, war auch Bestandteil der Gespräche am Freitag. So schwebt über den NGO's den privaten Rettern immer die Drohung, selbst als Schlepper und Schleuser dingfest gemacht zu werden, alternativ bzw. unter Vermeidung von ggf. angedrohten Nachteilen mit Frontex & Co. kooperieren zu müssen.

Das betrifft in ähnlichem Maße beispielsweise die Rettungsschwimmer auf den griechischen Inseln. Ein die basalen Menschenrechte verachtender Wahnsinn, EU-zertifiziert, ggf. exekutiert. Wie das die nächsten Wochen dort weitergeht, ggf. über exekutive Drohungen hinaus dann umgesetzt wird, das wird sich zeigen. Im Schlimmsten Fall, hatte es an anderer Stelle schon mal angedeutet, wartet auf Schiffe wie die Sea-Watch dann das Schicksal der Rainbow Warrior.  

Bild des Benutzers hadie

"Im schlimmsten Fall, hatte es an anderer Stelle schon mal angedeutet, wartet auf Schiffe wie die Sea-Watch dann das Schicksal der Rainbow Warrior."

Da sind schon genügend V-Leute an Bord, die nicht gefährdet werden dürfen. Und die Aktivisten sind ja keine "Schlepper und Schleuser", lese ich gerade im Ärzteblatt:

"Die Einsatzidee der Sea-Watch ist, keine Flüchtlinge an Bord zu nehmen. Dazu ist das Boot mit 21 Metern Länge auch zu klein. Wir versuchen, den Flüchtlingen die notwendige Unterstützung zu geben und sie notfalls auf Rettungsinseln zu evakuieren. Das heißt, wir fahren immer bis auf eine oder anderthalb Meilen an das Boot, das wir gesichtet haben, heran. Dann wird unser Schnellboot aufs Wasser gebracht ..."

Die Seawatcher sind also klassische Dienstleister, die das von Soros und Merkelberater Gerald Knaus + ESI ersonnene Spektakel am Laufen halten.

"In akuten Notfällen versorgen wir auch Verletzte, die wir recht aufwendig bergen und mit dem Schnellboot auf die Sea-Watch bringen müssen. Das Schiff ist dafür allerdings nicht wirklich ausgerüstet. Es gibt eigentlich nur einen Raum, die Messe, in dem es einen Tisch gibt, der als Behandlungstisch dienen kann – das ist sonst der Frühstücks- und Abendbrottisch."

Na dann Prost-Mahlzeit!

Bild des Benutzers ebertus

Spenden werden von staatlicher Unterstützung abgezogen

Zumindest in Östereich, wie derStandard.at  dort schreibt. Der marktradikalen Lehre mag damit Referenz erwiesen sein; dürfte das mit Sicherheit nicht nur in Östereich Gültigkeit haben. Hehre Flüchtlingshilfe, sog. neue Tafelsysteme sind auch hierzulande der Königsweg, den staatlichen Rückzug aus jedweder basaler Daseinsfürsorge auszugleichen. Und Aktivisten -soweit auf der richtigen Seite- sie dürfen auch hierzulande mit staatsnaher monetärer Zuwendung rechnen.

"Sea-Watch" erhält keine staatlichen Zuwendungen, hat sie nicht beantragt und wollte das absehbar auch nicht tun. Diese Botschaft war aus den Statements, den Diskussionen dort in Hamburg mitzunehmen.

Ok, nur bei den aktuell für das Projekt in Rede stehenden finanziellen Bedarfen würde mich eine -gern anonymisierte- Aufschlüsselung der Unterstützer schon interessieren. Meine drei cent und die derer ähnlicher Couleur dürften das nun Notwendige kaum stemmen.

Nicht, dass mich (uns) diese Soros&Co. irgendwann lediglich als Staffage nutzen; perfide instrumentalisieren ....