20 Nov 2016

Trump vs. Israel

Submitted by ebertus

Nein, kein Gegensatz, eher ein Schulterschluß. Das dürfte noch spannend werden, wie Trump und sein sich gerade bildendes Team in Sachen Israel "erklärt" wird; auch hierzulande.

Die großen deutschen Medien halten den informellen, den dahingehend spekulativen Ball flach, was das Verhältnnis des designierten US-Präsidenten in Sachen Israel, in Sachen Antisemitismus angeht.

In der NZZ immerhin ist zu lesen, dass zumindest Israels Rechte die Wahlentscheidung begrüßt, Netanjahu darob gar in die Defensive gerät.

"Eigentlich hätte auch er Grund zur Zufriedenheit. Er «hat» endlich seinen Republikaner im Weissen Haus: aggressiv, rassistisch und Israel augenscheinlich zugetan. Trump ist ein Mann, der die Muslime verachtet, etliche Juden in der Familie hat, von den Palästinensern offensichtlich nicht viel hält, den Atomvertrag mit Iran zerreissen und die amerikanische Botschaft nach Jerusalem verlegen will. Kann man sich mehr wünschen?"

Eigentlich nicht ... soweit man (er, Netanjahu) es in der Vergangenheit und insbesondere in der Rhetorik gen Iran ernst gemeint hat, die bislang vergeblichen Interventionen gegen den Iran-Deal nun vielleicht doch noch erfolgreich sein könnten.

Zumal Trump das Ganze mit der Berufung von Michael Flynn als seinen Sicherheitsberater und ausgewiesenen Gegner des Iran, des Iran-Deals sogar noch befeuert.

Auf der israelischen Website +972mag werden die Optionen der Trump-Administration schon mal im Detail diskutiert; dahingehend, wie das Abkommen subtil bis offen (hier sinngemäß bis wörtlich) zu torpedieren wäre.

Wobei die Torpedos zukünftig wohl ohne Begleitung durch die UN abgefeuert werden müssten, Russland sich mit Sicherheit nicht wieder vereinnahmen lassen dürfte, der Deal dann anderweitig zu Fall gebracht werden müsste:

"The House of Representatives already renewed discussions on legislating sanctions in the days following the elections. Opponents of the deal prefer to add new sanctions, since doing so would not require using mechanism of the UN Security Council to renew sanctions. Congressional activism on the issue could lead Iran to withdraw from the deal and causes its collapse."

Die Europäer unter Führung von Deutschland ständen einmal mehr vor der Frage, ob die nach Beendigung der Sanktionen nun erwarteten guten Geschäfte mit dem Iran geopfert werden müssen; für einen neuen transatlantischen Schulterschluß, diesmal unter den Vorgaben von Trump.

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Und dann wird in dem oben verlinkten NZZ-Artikel natürlich noch auf Trumps Strategieberater Steve Bannon abgehoben, dem ehemaligen Chef des wohl demnächst auch in deutscher Sprache erscheinenden Onlinemagazins "Breitbart".

"Das Nachrichtenportal Breitbart, über das Bannon die Welt mit Verschwörungstheorien beglückte, kennt jeder Israeli, und man kann nicht sagen, der intellektuell überaus anspruchslose Antisemitismus, den Bannon befördert, komme hierzulande gut an. Chefstrategen pflegen Strategien zu entwickeln – wird sich ein Antisemit zerreissen, um Israel zu helfen? Oder Trump empfehlen, die Botschaft nach Jerusalem zu verlegen?"

Nun, in den USA ist man da schon weiter in Sachen Anpassung an die neuen Gegebenheiten. Die Anti-Defamation League (ADL), eine einflußreiche Organisation in der Erkennung von Antisemitismus und Israelfeindlichkeit rudert jedenfalls bereits ein wenig zurück, räumt der Causa Bannon umfangreich erklärenden Raum ein und kommt dann zu dem wohl nicht unerwarteten Schluß:

"We are not aware of any anti-Semitic statements from Bannon."

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Fehlt in Sachen Trump nur noch ein aktuelles Statement des Simon-Wiesenthal Center, hierzulande wegen dem jährlichen Ranking der schlimmsten Antisemiten und Israelfeinde (wieder neu) bekanntgeworden, ein nicht vollkommen unbekannter deutscher Journalist und Herausgeber für 2012 dort ebenfalls gelistet wird.