3 Apr 2017

Hate Speech meets Copyright

Submitted by ebertus

Die Nerven der politisch-medialen Eliten liegen blank. In Sachen Meinungsfreiheit dürften 2017 auch hierzulande ähnliche Zustände Einzug halten, wie sie uns und mit einem gewissen Gruselfaktor gern von den sog. Schurkenstaaten vermeldet werden.

Die Zeiten, in denen 200 Reiche ihre Meinung exklusiv verkünden konnten, sie sind dank der Möglichkeiten des Internet (vorerst) vorbei. Was die Disziplinierung, die Kriminalisierung und ggf. Sanktionierung unliebsamer, politisch nicht korrekter Meinungen angeht, so sind heute drei wesentliche Strategien zu erkennen.

# Subtile bis offene Diffamierung von Autoren und Plattformen

# Ökonomische und technische Beschränkung einer unabhängigen Artikulation

# Setzung und Exekutierung formalrechtlicher Rahmenbedingungen gegenüber den Delinquenten

Im weiteren Verlauf dieses Blogtextes soll primär auf den letzten Punkt eingegangen werden, ist die selektive Diffamierung und Stigmatisierung  von Autoren und Plattformen kaum noch zu übersehen, würde das Eingehen auf die technischen (und ökonomischen) Rahmenbedingungen einen separaten Text erforderlich machen. Hier also zu den formalrechtlichen Aspekten:

Hate Speech (Hassrede) und Fake News (Falschnachrichten) sind keine explizit genannten Begriffe, keine Straftatbestände hierzulande. Gleichwohl werden beide Begriffe aktuell, politisch-großmedial in einer Form verwendet, als wenn dies so wäre, gar das weitere Bestehen des gern postulierten, alternativlos-demokratischen Systems von der Bekämpfung und der Einhegung eben dieser Begriffe abhängig ist.

Der jüngste Gesetzesentwurf aus dem Justizministerium geht somit genau in diese Richtung. Manche sehen darüber das Ende der Anonymität heraufziehen, andere und soweit kein Richtervorbehalt implementiert, jeder Ausspähung der Privatsphäre Tür und Tor geöffnet. Plattformbetreiber (in der Regel privatrechtlich organisiert) sollen unter Androhung erheblicher Bußgelder und beinahe auf Zuruf gezwungen werden, Inhalte und Kommentare zu löschen, die Identität (soweit bekannt) der Verfasser dieser inkriminierten Beiträge dem Antragsteller mitzuteilen.

Und ob das Ganze (vorerst) nur für Plattformen mit kommerziell betriebenen Fokus, nur für Plattformen ab einer bestimmten Größe gelten soll, das sei mal als Versuch einer Tarnung dahingestellt. Rechnen wir mit dem Schlimmsten, mit allem ...

Bereits jetzt die Ausnahme bildende Plattformen wie der Freitag (oder die Termiten), bei denen Bloggen und Kommentieren bislang noch weitgehend ohne Moderationsschleife möglich ist, sie werden wohl demnächst eben genau diese Vorabmoderation einführen (müssen); oder eben technische Vorkehrungen treffen, dass Meinungsäußerungen sehr zeitnah gelöscht, aus der öffentlichen Lesbarkeit genommen werden können. Grundsätzlich sind eher kleine Plattformen und Blogger wohl das primäre Ziel der Aktivitäten aus dem Hause des Heiko Maas. Facebook & Co. dagegen haben das ökonomische Potential zum Widerstand, sind darüber hinaus global aufgestellt und daher kaum wirklich zu bedrohen.

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Für mich -und dies sei hier als eher persönlich zu verstehender Einschub genannt- hinterläßt diese Diskussion einen gewisse Ambivalenz dahingehend, dass die viel beschworene "Freie Rede" natürlich auch mißbraucht werden kann, dass es aus meiner Sicht durchaus angebracht ist, gewisse Äußerungen -ganz ohne die kommenden Direktiven- nicht zu akzeptieren.

Wenn hier bei den Termiten ein Blogger einem anderen "faschistoides Geschwätz" unterstellt, gar zur Verstärkung bei dem so gescholtenen einen "Hintergrund" erkennt, dann ist der gute Heiko für das umgehende Löschen dieser Äußerung nicht wirklich nötig. Ganz im Gegenteil, sollte sich ein mit derartigen Zuweisungen unterwegs seiender Blogger sehr ernsthaft fragen, ob die Termiten die richtige Umgebung für ihn sind; und wird vorerst mit dem Umweg über eine Moderationsschleife leben müssen.

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Ein anderer Aspekt, hier ebenfalls immer wieder in Rede stehend, das sind Fragen der Copyright, des Urheberrechts. Gerade darüber und vordergründig ohne gesellschaftspolitischen Impact läuft eine andere Schiene der Maßregelung und auch schon mal existentiell werdender Sanktionierung gerade kleiner Plattformen. Oder hat jemand schon gehört, dass das Google (Youtube) oder Facebook & Co. wirklich jucken würde?

Eine gute Zusammenfassung dessen, was geht bzw. zu unterlassen ist, das findet sich in diesem Blogtext. Daraus eine Kernaussage:

"Das Embedding ist insoweit keine klassische gesetzliche Ausnahme, schon deswegen, weil sie nicht im Gesetz steht. Aber der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Embedding weder eine erlaubnispflichtige Vervielfältigung (Kopie) darstellt noch eine erlaubnispflichtige öffentliche Zugänglichmachung (EuGH, 21.10.2014 – C-348/13). Embedding wird also einem bloßen Link gleichgestellt."

Im Klartext: Bilder (oder Videos), welche im Netz öffentlich dargeboten werden, sie sind einzubetten - nicht runterladen und dann auf den Termitenserver wieder hochladen! Das Bildsysmbol (wie das Videosymbol) hier im Editor bieten dazu alle notwendigen Voraussetzungen .

Eine weitere Kernaussage des verlinkten Textes:

"Bei Texten ist der Inhalt, also die Fakten und Ideen, nicht geschützt. Das heißt, man darf Inhalte mit eigenen Worten wiedergeben. Geschützt ist jedoch die sprachlich individuelle Einkleidung des Inhalts. Das bedeutet, fremde Texte dürfen weder eins zu eins noch mit geringen Abwandlungen (beispielsweise Umstellen von Worten oder Sätzen) kopiert werden. Allerdings muss der Text eine gewisse Länge haben, um individuell und originell und damit urheberrechtlich geschützt zu sein. Man spricht dabei vom Erreichen einer hinreichenden „Schöpfungshöhe“. Werden nur ein bis zwei Sätze übernommen, ist das in der Regel kein Urheberrechtsverstoß."

Im Klartext: Ein extensives copy&paste ohne einen substantiellen eigenen Text in erheblichem Umfang, ohne die sog. Schöpfungshöhe eben dieses eigenen Textes kann das Urheberrecht tangieren und ist somit zu unterlassen. Das gilt ebenfalls für Mischformen, wo kaum noch erkennbar ist, was nun die eigene Schöpfungshöhe darstellt und was demgegenüber als Zitat zu verstehen ist.

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Schlußbemerkung:

Soweit eine Plattform, ein Forum, ein Blog nicht absolut anonym betrieben wird, sind die vorgenannten Rahmenbedingungen zumindest im Auge, im Fokus zu halten. Die Sicht der Teilnehmer an einem Diskussionsforum ist oft nicht identisch mit derjenigen, welche real haftbar zu machende Betreiber berücksichtigen müssen.

Falls der aktuell noch strittige Gesetzesentwurf zum "Netzwerkdurchsetzungsgesetz" auch nur tweilweise formalrechtliche Gültigkeit erhält, so sind Konsequenzen -insbesondere für die Plattformbetreiber- nicht nur angezeigt, sondern sind sehr ernsthaft zu erwarten.

Schlußendlich und um die vorauseilende Löschung nicht überhand nehmen zu lassen, werden technische Maßnahmen die sog. öffentliche Zugänglichmachung begrenzen, werden Diskussionsforen zumindest in Teilen als nichtöffentlich implementiert werden (müssen).

Kommentare

Lieber Bernd,
es scheint, wir müssen uns warm anziehen. Dabei wird es gerade Frühling und die Zeit zum Ausziehen ist gekommen. Mal sehen, was wir zu erwarten haben.
LG nach Berlin,
Hermann

Bild des Benutzers ebertus

habe ich diesen Text nicht zuletzt mit Blick auf Dein Projekt formuliert.

Es ist schon erstaunlich, wenn wir beklagen, dass in dieser Gesellschaft Schwache gegen noch Schwächere aufgehetzt, gegeneinander ausgespielt werden; beispielsweise Flüchtlinge gegen (fast) ebenso arme Menschen mit deutschem Pass.

Und beinahe im gleichen Atemzug, statt gegen die politisch-großmedialen Rattenfänger zusammenzustehen, verschleißen wir uns in Kleinkriegen und Grabenkämpfen. Manchmal mag das der persönlichen, der sehr individuellen Determination geschuldet sein, aber oft stecken stubstantielle Interessen dahinter; bis zur zumindest ökonomischen Infragestellung der eigenen Zunft.

Was wäre beispielsweise die (institutionelle) Linke bis hin zu SPD und Grünen oder den Gewerkschaften (letztere selbst hautnah erlebt), wenn es den Kapitalismus, die Arbeitsgesellschaft in ihrer bisherigen Form nicht mehr gibt - was absehbar ist ...

Bild des Benutzers hadie

Zwei Millionen Nutzer werden wir in absehbarer Zeit nicht erreichen. Ziel der Repressionen sind eindeutig die großen Netzwerke wie Facebook, Twitter, Youtube. Für die Kleinen reichen kostenbewehrte Abmahnungen und Klagen, jetzt schon begründet mit dem genannten Urheberrecht oder Persönlichkeitsrechten. Etwa die angeblich vom Blogger Danisch geschmälerte Unternehmens-Persönlichkeit des MDR.

Die Altparteien wollen vor den Bundestagswahlen Friedhofsruhe dekretieren. Ich vermute eher, dass das Gegenteil geschehen wird. Und wenn wirklich ein Teil der Facebook-Nutzer etwa zu VKontakte abwandern würde, hätten Maas & Co. auch nichts gekonnt. Die Russen würden zwar mglw. eine inländische Kontaktstelle einrichten und sinnfreie Berichtspflichten erfüllen, sich aber bei jeder möglichen Beanstandung "bis auf's Messer" streiten. Da blieben der deutschen Seite nur IP-bezogene Netzsperren wie in China.

Bild des Benutzers ebertus

ggf. die VPN-Nutzung reglementieren.

Also genau das, was aktuell und hierzulande in der Pose einer überheblichen, demokratisch verbrämten Meinungsfreiheit den sog. Schurkenstaaten zugewiesen wird. Nur wird es aus Sicht von herrschaftlich zelebrierter Einhegung nicht anders gehen (können). Alles sonstige ist mit nur geringer krimineller, sprich: systemisch kriminalisierter Energie leicht auszuhebeln. Opera und sein mittlerweile integriertes VPN-Modul sind da nur ein Beispiel, wie es auch ohne IT-Studium gehen kann.

Btw. Den Fall Danisch vs. MDR verfolge ich ebenfalls mit Interesse ...

Bild des Benutzers fahrwax

Ohne die "Lufthoheit" ihrer meinungsbildenden, bezahlbaren Klakeure stehen sie unbekleidet und blöd da.

Daran ändert auch ihr Cyber-Volkssturm nichts.

Bild des Benutzers pleifel

"Hate Speech (Hassrede) und Fake News (Falschnachrichten) sind keine explizit genannten Begriffe, keine Straftatbestände hierzulande."

Wenn es so wäre, dürften wohl mehr oder weniger alle Parteien, genauer, einzelne Sprecher jener unter diese Straftatbestände fallen, darüber ließe sich eine lange Liste erstellen. Die falsch verstandene Toleranz vor allem links denkender Schreiber will zwar unbedingt den Freiraum der offenen Rede (Schreibe) schützen, ordnet aber dagegen die Schutzbedürftigkeit Betroffener nachrangig ein. Denn wer soll das Maß der Freiheit bestimmen um nicht gleich in die Falle der Willkür zu tappen?

Unbestritten, die Gefahr liegt auf der Hand. Aber wenn es um den eigentlichen Hass geht, dem nicht zu vergebenden Gewalttäter, der aus seiner Sicht die Kraft bezieht aus der Überzeugung, "im Einklang mit (seiner/ ihrer) objektiven sittlichen Ordnung" (Otto Friedrich Bollnow) zu stehen, dann lässt sich darauf eben nicht mit der Ratio antworten, denn die erreicht diese "Hirne nicht. Aber das kennen wir doch zur Genüge aus der guten europäischen Tradition: dafür mussten andere brennen oder wurden hingeschlachtet. Das allerdings nannte man nicht Hass, sondern Ausführung göttlicher Anweisungen. Hier lag dann "der Einklang mit der objektiven sittlichen Ordnung" bei Staat und Kirche.

Somit halte ich es für Denker in der Linie europäischen Aufklärung förmlich geschuldet (legal wäre mir jetzt völlig schnuppe), dass ein Seitenbetreiber sein Auge darauf hält, bzw. es in der Nettiquette präzise formuliert und einen "Hasser" des Feldes verweist, den ich auch nicht in meinem (physischen) Haus dulden würde!

Vielleicht verstehe ich es falsch, aber wenn ich Texte ins Netz stelle, dann ist es jedem zugänglich und dann soll sich auch jeder "bedienen" können, solange er die Quelle angibt. Damit jeder überprüfen kann, ob dass, was der Zitierer einbaut, auch tatsächlich der Quellenlage entspricht.

(Schöne Funktion, innerhalb von 60 Minuten noch Korrekturen zu texten!)

Bild des Benutzers fahrwax

...kann ich mich nur inhaltlich damit auseinander setzten.

Daran bemisst sich Freiheit - der dreckige Rest entspringt elitärer Einbildung, ist Unterdrückung anderer Meinung.

Die unmittelbare (körperliche) Bedrohung durch "Hasser" halte ich für einen gaaanz anderen Themenbereich: da greift die persönliche Notwendigkeit des Wehrhaften - vorher nicht.

Bild des Benutzers pleifel

Tja, die Zeiten haben sich ein wenig geändert; Du nutzt zwar das Netz (und ein blaues Auge bekommst Du davon sicher nicht), aber eine Diffamierung deiner Person kann deine Persönlichkeitsrechte auf eine nicht mehr wieder gutzumachende Art und Weise beschädigen. Differenzierung ist auch hier möglich. Du betreibst aber keine Plattform, aber Hermann wird sich darüber Gedanken machen müssen.

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Zustimmung, Euer Ehren!

Jemanden als "Hasser" zu bezeichnen, ist genauso gewalttätig wie die Hassparolen selbst.

Verstehen oder zumindest "Verstehen Wollen" wäre die friedliche Alternative.

Bild des Benutzers ebertus

ist "Hass" kein Straftatbestand; wird es absehbar wohl auch nicht werden.

Das eher subjektive "Verstehen Wollen" ist eine der friedlichen Alternativen - die andere ist Rückzug; soweit als möglich und von mir die bevorzugte Wahl. Das entscheide ich ganz selbstherrlich, brauche dafür weder Erklärungsmodelle noch Selbstreflexion.

Objektiv jedoch lebt kaum einer (von uns) auf der Insel der Glückseeligen, sind realweltliche Anforderungen zumindest nicht vollkommen außer Acht zu lassen, werden die bekannten Kritiker der Elche dann ganz schnell selber welche ...

Und genau darauf zielt ja dieser Gesetzesentwurf ab. Er bringt keinerlei neue Straftatbestände, zählt lediglich das bereits geltende Recht auf und umhüllt es mit einer Drohkulisse, was die darüber eingeforderte, vorauseilende (Selbst)Zensur betrifft; primär gerichtet bzw. dahingehend wirkmächtig in Richtung mittlerer und kleinerer  Plattformen.

Bild des Benutzers fahrwax

@Delloc

Nur die entwaffnende, verständliche Verortung seiner giftigen Quellen macht wirklich Sinn:

Erkennbar nicht das Ziel der gesetzgeberischen Gewaltmonopolisten und ihrer verblödeten Schäfchen - die garantieren wortgewaltig seine geregelte Anzucht.

Alles "Gute" kommt von Unten, oder es kommt nicht......

Bild des Benutzers pleifel

Wie leicht doch substantivierte Verben zu erstaunlichen Folgerungen verleiten, wobei offensichtlich "Verstehen" mit "Verständnis" verwechselt wird. Wo die Grenzen liegen, mag jeder für sich selbst herausfinden. Aber wer das Therapieren gelernt hat, betrachtet hoffnungslose Fälle vielleicht als Herausforderung.

Bild des Benutzers fahrwax

@Pleifel

Ziehe dir diesen Schuh bitte nicht an - er passt dir nicht.

Aber einmal so nebenbei: wie verfahren "Linke" sonst mit "hoffnungslosen Fällen"? Gibt es Alternativen?

"Euthanasie" ist allein im Repertoire der Gegenseite......, da findeste nur Gesox, auch die "realen Sozialisten" und die "Stalinisten".

Aufklären, oder umnieten?

Schön, das wir mal darüber sprechen wo  humanistische Ansprüche enden.

Bild des Benutzers ebertus

Dieser Terminus liegt für mich primär im Auge des Betrachters, nicht des Falles.

Wie bereits sinngemäß angedeutet: Bis auf ein Kind, welches sich seine Eltern nicht aussuchen kann, darüber geprägt wird, bis auf bestimmte Konstellationen im Berufsleben vielleicht, bis auf diese und ähnliche Fälle haben Menschen zumindest auf der Microebene immer das Recht -und meist auch die Möglichkeit- sich zurückzuziehen. Auf einen Fall, der nicht der meine ist, auf diesen werde ich mich in der Regel kaum weiter einlassen, keinesfalls versuchen, diesen Fall zu missionieren, gar zu therapieren.

Auf der Macroebene -und dies sollte meiner Meinung nach gerade hier das Thema sein- mag dies schon anders aussehen, wenngleich mir auch dort der passive, der intelligente und gewaltfreie Widerstand dem eher sinnlosen Anrennen gegen die Macht, die Mächtigen vorzuziehen ist.

Bild des Benutzers pleifel

@Fahrwax

Alternativen? Solange man ausweichen kann, ist das vielleicht die intelligenteste Variante. Im Freitag wurde über "der Klügere gibt nach" diskutiert und da wurde auch geäußert, dass sich dann oft die Dummheit (Gewalt) durchsetzt. Wenn zwischen Menschen keine Möglichkeit zugelassen wird, auf sachlicher Ebene zu diskutieren und eine Partei im Sinne von sogenannten "objektiven Überzeugungen" ihre Interessen mit Gewalt durchsetzt, dann betrachte ich Texte wie die Bergpredigt (oder wer dich schlägt, dem (...)) als nicht von dieser Welt.

Jetzt stellt sich für mich die Frage, wann sollte ein Staat eingreifen, wenn in einem anderen Staat ganz eindeutig gegen die Menschenrechte verstoßen wird. Da "wir" sicher nicht wieder hinter den Westfälischen Frieden zurückfallen wollen, könnte es nur eine funktionierende UNO umsetzen, die aber leider von Kräften beherrscht wird, die genau das instrumentalisieren. Und so haben wir Syrien als aktuelles Beispiel, wo alles was der Westen  als seine Werte verkauft, endgültig unglaubwürdig wird. Aktuell hätte ich keine Lösung, solange die Verhältnisse so sind und es bis jetzt keine weltweiten Friedensbewegungen gibt, die sich nicht mehr mit Kompromissen im alten System zufrieden geben. 

Bild des Benutzers fahrwax

@ pleifel - Di, 04/04/2017 - 15:25

Staat ist für mich dieser wiederliche Schleim zur kriminellen Verdeckung mörderischer Ausbeutung. Was folglich die UNO - als Multiplikator krimineller Synergien - für mich darstellt, kannste dir denken.

Die Lösung dieser unhaltbaren Verhältnisse sehe ich in Strukturen die horizontale Kommunikation ermöglichen, statt sie zu - zwecks Machterhalt - zu unterbinden.

Kompromisse mit der bestehenden Kacke sind mir nicht möglich, sonst krieg ich Magengeschwüre pickelt meine schwatte Seele.

Frieden = Austrocknung der systemischen Sümpfe durch ausreichend erhellende Beleuchtung der Sumpfinsassen.

Die Reparatur der mörderischen Gegenwart ist nicht mein Anliegen.

Bild des Benutzers Delloc

Verständnis gibt es gar nicht, es basiert auf der subjektiven Einbildung, die wesentliche Perspektive gewählt und fehlerfrei interpretiert zu haben. In der Mathematik vielleicht…

Verstehen dagegen ist eine prozessuale Willensbekundung, deren Resultat offen ist, offen bleiben muss angesichts der Unendlichkeit aller Möglichkeiten.

Mit deinem Verständnis von „Hoffnungslosigkeit“ wäre aus Saulus nie ein Paulus geworden.    

Bild des Benutzers pleifel

Das Thema hatten wir doch bereits. Jetzt ließe sich gleich wieder ein philosophisches Fass aufmachen, dass halte ich aber zum Sachverhalt von Hass und Gewalt für wenig zielführend, da in der Praxis Entscheidungen getroffen werden müssen, solange denn Entscheidungen überhaupt noch möglich sind. Gewalt auf Grund gedachter moralischer Überlegenheit in manchen Kulturkreisen verhält sich nicht friedlich gegenüber den Friedfertigen. Wer anderes denkt, mag seinen Kopf hinhalten. Das gilt mit subtileren Methoden auch für den Westen.

Eine schöne Erzählung mit dem Paulus. "Angesichts der Unendlichkeit aller Möglichkeiten muss offen bleiben", welcher Wahrheitsgehalt darin enthalten sein mag. Aber Verständnis habe ich schon mit denen, die sich aufgrund  pragmatischer Überlegungen für eine Variante (Perspektive) entscheiden.

Was den Alltag betrifft, sind Verstehen und Verständnis das tägliche Brot des Zusammenlebens. Ansonsten wäre Verständigung nicht möglich. Aber natürlich bleibt auch noch die radikale Idee, das jeder in seiner Illusionsblase lebt.

Im Übrigen lässt sich noch (fast) jeder Sachverhalt soweit auseinandernehmen, dass das, was eingangs als zu behandelndes Thema anstand, völlig aus dem Auge verloren wird. Das würde ich der eristische Dialektik von Schopenhauer zuordnen, bzw. dem griechischen Sophismus. Wobei diese meine Annahme natürlich eine völlig subjektive ist.
 

Bild des Benutzers Delloc

"Das würde ich der eristische Dialektik von Schopenhauer zuordnen, bzw. dem griechischen Sophismus."

Oder nur ein Pleifel-Spiel... smiley

 

"Was den Alltag betrifft, sind Verstehen und Verständnis das tägliche Brot des Zusammenlebens. ... die radikale Idee, dass jeder in seiner Illusionsblase lebt."

Ich finde die Idee, dass wir alle in ein- und derselben Illusionsblase leben, viel radikaler... smiley

Und die Idee, dass wir uns (überwiegend) in der Realität aufhalten, für extrem naiv...

 

Bild des Benutzers ebertus

Pro oder contra Anonymität im Netz ...

Im Rahmen des hier in Rede stehenden Gesetzesentwurfs wird es einmal mehr von den Befürwortern erhofft, von den Gegnern gefürchtet: Das Ende der Anonymität im Netz. Gern zugegeben: meine Meinung dazu ist durchaus als ambivalent zu verstehen.

Einerseits zum Verfahren: ist für die Plattformbetreiber dann eine Identifizierung ihrer Kommentatoren ähnlich dem sog. Postident zu erwarten, bei Online-Bankgeschäften bereits länger die Regel?

Andererseits zur Verantwortlichkeit: reicht die Weitergabe der via Postident etc. gewonnenen Daten an den (jedweden) Auskunfterheischenden bereits, den Plattformbetreiber aus der Verantwortung zu nehmen; das Umgehende Löschen inkriminierter Inhalte eingeschlossen?

Was muss dieses doch so demokratisch legitimierte System aktuell für eine Panik schieben ...?

Dieser schöne MAO-Spruch wird in letzter Zeit sehr oft zitiert.
Ob und wie es eine technische Vorschrift geben wird, um den gläsernen Kommentatoren zu erzwingen, weiß ich nicht. Das wird auch nicht nötig sein. Man wird, wie auch immer, das finanzielle Risiko für die Betreiber von Blogs oder vergleichbaren Plattformen auf ein unerträgliches Maß steigern. Und es ist auch gar nicht wünschenswert in den Augen der irren Zensoren, dass es klare Regelungen gibt, an die sich die potentiellen Opfer der Reichsschriftumskammern halten und auf deren Einhaltung sie sich ggf berufen könnten.
Sie wollen, dass die selber aus Angst vor, vorläufig nur wirtschaftlicher, Vernichtung den Drecksjob für die MAAßiSTEN und LEYENISTEN übernehmen.
Und es sieht, angesichts der Wehrlosigkeit, mit der wir es uns gefallen lassen, so aus, als wenn es funktionieren wird.