6 Apr 2017

Die Ohnmacht der Besitzlosen

Submitted by Delloc

Ersatzfamilie
Quelle: Westfälische Nachrichten

Macht kommt von Machen und gestaltet Wirklichkeiten, die sich ergänzen oder miteinander konkurrieren. Je stärker die Wirkungen der Macht Ohnmacht erzeugen, desto tiefer ist die Freiheit der Ohnmächtigen beschnitten. Um dieses Wirkverhältnis zu verschleiern, wird der Freiheitsverlust der Ohnmächtigen in der öffentlichen Propaganda gern als „persönliche Schuld“ und „individuelles Versagen“ gebrandmarkt. Bezeichnungen wie „Faulenzer“, „Penner“, „Loser“ oder „Sozialschmarotzer“ werden in dieser Verleumdungskampagne benutzt, um vom ursächlichen Machtmissbrauch abzulenken.

Mit Erfolg! Die Eigentumsfrage als Quelle der Macht durch Kapitalakkumulation kommt in den politischen Diskursen gar nicht mehr vor. Stattdessen werden ersatzweise Mogelpackungen wie „soziale Gerechtigkeit“, „Reichensteuer“, „Mindestlohn“ und „Vermögenssteuer“ als wahltaktische Slogans beworben, in der Hoffnung, dass niemand den Betrug merkt.

Zwar steht im Grundgesetz "Eigentum verpflichtet", doch damit ist nur gemeint, dass eine Sache oder ein Grundeigentum enteignet werden kann, wenn es einem politisches Großprojekt im Weg steht. Also wieder nur Augenwischerei mit irreführendem Etikettenschwindel!

Stattdessen hat sich das Großprojekt Finanzmarkt zu einem globalen Giganten entwickelt, dessen Geldwerte sich nicht mehr auf den Warenmärkten realisieren lassen, weil sie alles zigfach übersteigen, was jemals als Ware produziert werden könnte. Finanzmarkttitel existieren als bloßes Recht auf die Verwertung von Eigentumstiteln und Zahlungsversprechen, d. h. als Kredit oder für das Nutzungsrecht auf Lizenzen und Grundbesitz, auf Mieten und Bodenschätze.

Die Ideologien der Casinomafia beziehen sich nur noch auf sich selbst, bewegen sich selbst nur als fiktives Kapital, das nach Objekten zur Verwertung von Abhängigkeiten sucht.

Wolfram Pfreundschuh schreibt in „Zur politischen Kultur des Feudalkapitalismus“ dazu:

„Das Kapital plusterte sich immer mehr in seinen Fiktionen in den Kasinos der Wetten auf Wertpapiere auf und wurde massiver und mächtiger als die bis dahin noch funktionellen Nationalstaaten. Der Welthandel hat sich ausgeweitet, um die kulturellen, politischen und regionalen Schranken der Realwirtschaft selbst zu verwerten, um sie zu verschulden und von sich abhängig zu machen. Andererseits war sie auch nicht mehr in der Lage, den Mehrwert auf den Warenmärkten zu realisieren, den ihre Produkte durch unbezahlte Arbeit enthielten. Die bislang bekannten Einregelungsmechanismen der Staaten, ihr "Deficit Spending" und ihre Steuerpolitik, ihre Rentensysteme und Zukunftsreserven erbrachten keine Wertanpassungen mehr. Ein seltsamer Fortschritt, nämlich der Fortschritt durch Verschuldung, entband die Nationalstaaten von ihrer defizitären Finanzpolitik und unterwarf sie unter das globale Kapital. Globalisierung nannte man das. Und spätestens mit der Agenda 2010 konnte jedem klar sein, dass sich im System ganz fundamental etwas geändert hat, dass die bürgerliche Gesellschaft sich aus der sogenannten freien Marktwirtschaft zu einem Systemzwang gegen die Menschen entwickelte. Geld wurde zu einem Werkzeug der Preisbildung, zum Zuchtmittel der Arbeit und dem Lohndruck auf ihre Kosten. Nicht mehr das Geld als verfügbare Geldmenge war das Maß der Finanzpolitik, sondern Geld als Investition in eine Züchtigung, durch welche die Arbeitskraft selbst kapitalisiert, zu einem unmittelbaren Humankapital wurde. Sie sollte sich nicht länger aus ihrem Vermögen bestimmen, sich und ihre Familie zu reproduzieren, sondern aus der Notwendigkeit, sich den Verhältnissen des Arbeitsmarkts optimal anzupassen und unter Aufzehrung ihres Vermögens weitgehend unwertig für sich, aber wertvoll als unbezahlte Arbeit sein.“

Vor diesem Hintergrund wird auch verständlich, warum die Bürgerlichen Parteien im aktuellen Wahlkampf mit „Familienpolitik“ zu punkten versuchen.

„Du sollst nicht merken“ ist der Untertitel eines Werkes von Alice Miller. Dabei meint sie allerdings das, was Kindern angetan wurde…

Kommentare

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@Heinz

Das eingeprügelte Bild von Arbeit ist "nur" eine (staatliche) Dienstbarkeit für die grenzenlose Kapitalakkumulation, die möglichst effiziente Auspressung des längst entmenschlichten "Humankapital".

Solange die Herumrollerei mit Begrifflichkeiten diese grundlegende Fehlschaltung ignoriert, wird die "Soziale Frage" erfolgreich verdrängt. Jedes verkommene "Reförmchen" dient allein der weiteren künstlichen Beatmung dieser letztlich fiktiven Dreckhaufen Machtanhäufungen.

Erst wenn die mörderische Funktion dieser staatlich garantierten Schutzgelderpressung nicht mehr bedient wird, ist eine reale menschliche Sozialisierung möglich. Innerhalb der profitorientierten Systematik von "Leistung & Gegenleistung" bedient sich die Rücksichtslosigkeit und verklärt jede Sozialität zur Armenspeisung.

Alles zu Verteilende wird zunächst erraubt, damit die herrschenden Raubritter es dann gnädig verteilen können?
So wird das nie nich was.......

Die dümmliche Anbetung der gegenseitigen Ausbeutung - zum Nutzen der Akkumulation von Unterdrückung - muss auf den Kompost.

Die gläubige Anbettelei der räuberischen Akkumulateure ist würde- und chancenlos.

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Ja, manchen fällt es äußerst schwer, "Arbeit" von ihrer historischen Formbestimmung zu unterscheiden.

Eigentlich ist es doch gar nicht so schwer:

Um sich zum Wohl aller zu entscheiden, müssen die Vertragsparteien Arbeiter und Eigentümer zugleich sein. Erst dann kann verhindert werden, dass der Profit ausschlaggebend ist, wie und was produziert wird. Vielmehr rückt dann die Frage in den Mittelpunkt: Was wollen wir überhaupt in welcher Qualität und Menge herstellen?

Mann nennt die Grundlage dieser Vertragsgestaltungen auch "Freie Kooperation". 

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@Delloc - Do, 06/04/2017 - 12:49

Über die Ergebnisse und Ziele seiner tätigen  Bewegung entscheidet Mensch frei, selbständig & in gleichberechtigter Abstimmung mit seiner unmittelbaren Umgebung - nicht nach den Anweisungen aufoktroierter räuberischer Erpressung durch Mordgesindel.

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«Ja, manchen fällt es äußerst schwer, "Arbeit" von ihrer historischen Formbestimmung zu unterscheiden.»

Die Staatsverwaltung ist eine Gebietskörperschaft und damit (eigentlich) nur für das Gebiet zuständig. Historisch waren die Menschen zum großen Teil versklavt, damit die Obrigkeit sich arbeitsfrei verlustieren konnte. Das muß doch mal ein Ende haben.


Römer - Kapitel 13,1.
Die Stellung zur staatlichen Gewalt
Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat.


Paulus schreibt seine Briefe an Unterthanen; mit dem 9. November 1918 endet die Reichweite der Bibel im Deutschen Reich (in Rußland mit der Oktoberrevolution von 1917). Mit den Revolutionen in Deutschland und Russland war die Alte Ordnung der Kasten-, Stände- oder Klassengesellschaften wohl beendet, aber noch lange nicht aus den Köpfen. Das gesamte 20. Jahrhundert herrschte Verwirrung über die Struktur und Funktion einer Demokratie. Diese Zeit der Irrungen und Wirrungen hält bis heute an – eine Demokratie gibt es in Ansätzen in der Schweiz, sonst nirgends. Philosophen haben seit den antiken Griechen durch die Jahrhunderte hindurch von der Demokratie geredet und geschrieben; eine wirkliche Demokratie gab es nie. Die elitäre Klasse der Freien und Feudalen bedienten sich der versklavten Unterschichten für die vulgäre Arbeit.

Mit der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte existiert seit 1948 erstmalig eine globale Definition; verwirklicht sind diese Rechte aber immer noch nicht – in keinem Staat. Allgemeine und gleiche Rechte setzen nach Franklin D. Roosevelt Freiheit voraus:

  1. Freiheit der Meinung und Rede
  2. Freiheit der Religion
  3. Freiheit von Not
  4. Freiheit von Furcht

Definiert wurden die Bürgerrechte in der Französischen Revolution:

Frei Gleich Sozial*

_______________________
* Sozial wurde von A. Comte erst später für Brüderlich definiert.

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@Heinz - Do, 06/04/2017 - 14:11

..... ist allgegenwärtig, aber nicht unser Anliegen.

Wir lieben die Tradition des Widerstandes, wie ihn ein Stephane Hessel zu leben wusste.

Derlei Vermächtnisse warten seit Ewigkeiten auf die umfassende Empörung:

"Wir rufen deshalb auf: zu einem friedlichen Aufstand gegen den Missbrauch der Massenkommunikationsmittel und der Verführung unserer Jugend zum Massenkonsum, der Verachtung der Schwächsten und der Kultur, der kollektiven Amnesie sowie der maßlosen Konkurrenz -- Jeder gegen Jeden." (Stephane Hessel - Indignez Vous)."

- Indignados / Indignez Vous / Empört euch! Stephane Hessel

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Lieber Delloc,

Besitzlose sind nur so lange ohnmächtig, wie sie die Ursachen ihrer Besitzlosigkeit nicht erkannt haben, wie sie sich vereinzeln lassen ohne sich zu solidarisieren und ohne sich gegenseitig zu stärken.

LG aus dem Weserbergland, Hermann

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Diese Antwort bewegt sich auf der Ebene des Boulevards, Wirkungen des neoliberalen Casinospiels zu personalisieren und so zu tun, als habe es jeder Mensch in der Hand, das Glück zu schmieden... no

Mein lieber Delloc,
wie oft hast Du mit den Besitzlosen dieser Welt Dein Leben geteilt? Ich vermute mal, nicht so oft, sonst würdest Du nicht so leichtfertig daherreden.
LG, Hermann

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Oh, eine ad-personam-Reaktion... wink

Dann schieße ich mal zurück:

Selbst wenn du dein ganzes Leben in den Slums dieser Welt die Scheiße entsorgt hättest, lieber Costa, würde dich das noch lange nicht qualifizieren, meine Textzuordnung "leichtfertig daherreden" zu nennen. no

Belassen wir's beim "Boulevard" und "leichtfertig". LG, Hermann

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"Belassen wir's beim "Boulevard" und "leichtfertig"."

Wobei der "Boulevard" inhaltlich erklärt wurde, das "leichtfertig daherreden" genauso ersponnen wurde wie die Vermutung, mein Leben nicht so oft mit Besitzlosen geteilt zu haben.

Wenn ich trotzdem dem "Belassen" zustimme, dann nur, um mir auch zukünftig meine Leichtigkeit zu bewahren... smiley

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Im ersten Kommentar hat Hermann «Lieber Delloc» geschrieben.
Im zweiten Kommentar «Mein lieber Delloc».

Das relativiert doch alles.

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Du meinst also, dass die Aufnahme in seine "Inventarliste" ("Mein...") als Veredlung zu wertschätzen sei?

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Geh mal alle deiner möglichen Interpretationen durch und du wirst fündig.
Dein erster Tipp war eine Niete.

Evtl. hilft der Klang einer Ansprache: «Mein liiiiiiiieber ...»

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Ach, du meinst bestimmt die Herzensqualität des Weserbergländers gegenüber Fremden, oder?

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Du hast noch einen Versuch; besser wir lassen das, ändern wird das sowieso nix.

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Doch jetzt weiß ich's! Gut, dass man immer dreimal üben darf...

"Das war Wahlkampf!"

Boh eih, jetzt hab ich mir aber ganz doll auf die Schulter geklopft... angel

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@costa esmeralda - Do, 06/04/2017 - 11:18 + all

In Eigentum & Besitzlosigkeit entdeckte bereits dieser jüdische Sozialrevolutionär damals die beiden Seiten der selben Medaille.

Im Ersteren sah er die Verpflichtung es zu teilen - mehr nicht.

Auch Proudhon betrachtete die Eigentümlichkeit, lange später, als Diebstahl.

Die Wurzelbehandlung des Übels ist also seit Ewigkeiten überfällig.

Nur die 'Teiler und Herrscher" bestehen auf "ihrem" Eigentum - wann sind wir endlich hinreichend gnädig und verschaffen ihnen endlich Zugang zum Himmelreich ( dieses Paradies mit dem Nadelöhr am Eingang!)?

Ich sehe da nur eine mögliche Wahl die die 'Erlösung vom Elend' und Solidarität - auch für Einsichtslose ermöglicht....

Fresst eure Illusionen und den Reichtum bevor er euch aufgefressen hat, es gibt nicht zu verlieren....

Die Kleberei an Eigentum & Angst ist eine traurige Veranstaltung und eine öde (gern externalisierte) Selbstkasteiung.

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Früher nannten wir es "die unmittelbare Aneignung des gesellschaftlichen Reichtums". Für organisierten Kaufhausklau wurden sogar Besten-Listen geführt, die Gruppen-Effektivitäten dokumentierten.

Doch die Revolution fand trotzdem nicht statt, weil uns die Anerkennung durch die Öffentlichkeit einfach versagt blieb... crying

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@Delloc

An sich dachte ich dir seien die gegenwärtigen Modalitäten gegenwärtiger "Anerkennung" geläufig.

Meine Belobigung findet derzeit allein in der eigenen Birne statt - wenn ich mich in Konsequenz der eigenen Denke bewege.

Jede Anerkennung durch Deppen ist eine widerwärtige - wollte ich damit sagen.

Komme mir jetzt nur nicht mit Argumenten gegen mein 'elitäres Bewusstsein' -  nicht, das mir noch Zweifel zu entgegnen wären....., ach Gott.

Qualität ist immer nur ein vorübergehendes Produkt (persönlicher Einbildung) und Fakten sind sowatt von flüchtig........

 

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"Anerkennung durch die Öffentlichkeit" war schon ironisch gemeint.

Trotzdem Danke, dass du klar gemacht hast, dass es nicht anders gemeint sein konnte... yes

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Tschuldigung, bitte......

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Leider ist selbst bei Erkennen der Lage überwiegende Resignation der Betreffenden die Folge. Das hatte bereits Marie Jahoda in ihrer immer noch beeindruckenden Studie über die "Arbeitslosen von Marienthal" bereits 1932 geschrieben. Zumindest bei den Arbeitslosen, die für sich keine Zukunftsperspektive mehr sehen, bewirkt es Lethargie. (Anregung Jahoda entnommen aus OXI April 2017).

http://agso.uni-graz.at/marienthal/studie/00.htm

Besitzlose sind zwar nicht immer arbeitslos, aber zumindest deutsche gehen nicht auf die Straße zum protestieren und falls sie überhaupt noch wählen gegen, dann ausgerechnet noch die, die ihre Misere verschulden. Zudem fühlen sich auch große Gewerkschaften nicht mehr für Arbeitslose zuständig (verantwortlich), da sie die Systemfrage aufgegeben haben.

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Unter den derzeitigen Verhältnissen geht es nicht allein um „Arbeitslose“, sondern um alle, die im globalen Roulette keine Chips einsetzen können. Ganze Länder sind betroffen, siehe Griechenland.

„Resignation/Lethargie“ sind Verhaltensbeschreibungen, die das Ganze dann doch lieber wieder personalisieren möchten.

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Verhalten präzise beschreiben zu können heißt auch verstehen, die Ursachen zu kennen. Die Beobachtung, die dem zugrunde liegt, ist dann kein "dann doch lieber wieder personalisieren möchten".

Die ersten Ursachen sind als bekannt vorausgesetzt die Systemfehler als neoliberale, marktorientierte und finanzmarktgetriebene Konkurrenzwirtschaft der Monopole und Oligopole. Jahoda hatte die Folgen darauf beschrieben und genau das ist wichtig für Idealisten wie Hermann, ob und wie sich die Menschen heute überhaupt noch ansprechen lassen. Der Begriff "Resilienz" war damals noch nicht bekannt, aber um diesen Faktor herum lässt sich erweitert nachdenken, warum der eine so und der andere eben nicht.

Ansonsten kann ich die Reaktion von Hermann gut nachvollziehen.

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"Verhalten präzise beschreiben zu können heißt auch verstehen, die Ursachen zu kennen. Die Beobachtung, die dem zugrunde liegt, ist dann kein "dann doch lieber wieder personalisieren möchten"."

Aber entscheidend für den Erkenntnisgewinn ist der Systemzusammenhang. Solange Verhaltensweisen nicht unter den spezifischen Bedingungen der gesellschaftlichen Verhältnisse plausibilisiert werden, sind persönliche Defizite als Ursache einer verschlechterten „Resilienz“ das Resultat einer reduzierten Betrachtungsweise. Das Verhältnis von Selbstwahrnehmung und der Hörigkeit gegenüber Fremdidentitäten kommt doch so gar nicht in den Blick.

 

„Die ersten Ursachen sind als bekannt vorausgesetzt die Systemfehler als neoliberale, marktorientierte und finanzmarktgetriebene Konkurrenzwirtschaft der Monopole und Oligopole. Jahoda hatte die Folgen darauf beschrieben und genau das ist wichtig für Idealisten wie Hermann, ob und wie sich die Menschen heute überhaupt noch ansprechen lassen.“

Ja, da ziehen sich die Idealisten gern (hegelianisch) zurück: „Umso schlimmer für die Wirklichkeit.“

 

"Ansonsten kann ich die Reaktion von Hermann gut nachvollziehen." 

Da waren es schon zwei...smiley

Lieber Paul,
selbstverständlich ist die Erkenntnis der Lage nicht schon Anstoß zum Widerstand. Dazu kommt die Nichtvereinzelung, die Solidarität unter den Besitzlosen und der Beginn des aktiven Handelns. Dabei ist auch die Rolle der solidarischen Intellektuellen, wenn es sie denn gibt, wichtig.
LG, Hermann

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@costa.esmeralda - Do, 06/04/2017 - 12:30

Das >>wenn es sie denn gibt<< werte ich als honorigen, wohlangebrachten Zweifel an der eigenen Position.

Der fest auf den wohlgefüllten eigenen Teller gerichtete Blick war schon immer dem risikolosen, aufstiegsbewussten Tunnelblick des Kleinbürgers geschuldet.

Solidarität beginnt bevorzugt mit der selbstbwussten Aufgabe elitärer Positionen - wollte ich damit nur sagen........

 

 

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«Zudem fühlen sich auch große Gewerkschaften nicht mehr für Arbeitslose zuständig (verantwortlich), da sie die Systemfrage aufgegeben haben.»

Das rührt daher, daß die Gewerkschaften von Funktionseliten ge|nas|führt werden, sie sich in nichts von anderen Funktionseliten unterscheiden. Funktionseliten züchtet der Staatsapparat an seinen Hochschulen und in seinen Parteien, Verbänden und Stiftungen vorwiegend mit Vitamin B. Insbesondere sind die Gewerkschaften nur noch für ihre eigenen Beitragszahler zuständig und Arbeitslose zahlen keinen Beitrag, Hartz4Vegetarier, die sich von Pommes und Bier ernähren, schon gar nicht.

Auch bezweifle ich die «Resignation», weil eine Provokation der Staatsgewalt eine übermächtige Gegengewalt des Staatsapparates nach sich zieht; siehe Benno Ohnesorg, der von einer Polizeimeute auf offener Straße gelyncht wurde und im Nachhinein vom Politpersonal noch diffamiert wurde. Die Opfer des neoliberalen Staates ziehen sich ins Private zurück und versuchen ihr kleines Glück als Lebenskünstler.