7 Mai 2017

Auch Merkel ist davon betroffen,

Submitted by pleifel


 Bildquelle: Salzburger Nachrichten

wenn Sie den (auch von ihr) gestützten Kurs der russischen "Front" augenscheinlich verlässt. Denn dass was sie bei ihrem Treffen mit Putin in Sotschi am 02.05.17 gesagt hat, ist von den Medien sehr selektiv aufbereitet worden. Die Info darüber hatte ich aus der Printausgeabe der jw "Löcher im Abwehrschirm", der leider diesmal nicht public gestellt wurde.

Bei der Textsuche in Google fällt man mit der Suche dieser speziellen Stellen auf die regierungsoffiziellen Seiten zurück, ansonsten Ende im Gelände. Es geht um diese Aussagen von ihr: Ich möchte auch daran erinnern, dass wir heute in einer Woche den 72. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs begehen werden. Ich war vor zwei Jahren anlässlich des 70. Jahrestags in Moskau und will noch einmal daran erinnern, welche Opfer gerade auch von der damaligen Sowjetunion erbracht und gebracht wurden, dass wir diese geschichtlichen Ereignisse nie vergessen dürfen und dass wir in diesem Geist auch unsere heutigen Beziehungen gestalten müssen. Ich möchte mich auch durchaus bei der russischen Regierung und beim Präsidenten dafür bedanken, dass die Kriegsgräberfürsorge für Soldaten der Sowjetunion, aber eben auch für deutsche Soldaten heute sehr selbstverständlich erfolgt. Für viele, viele Menschen, deren gesamtes Leben durch den Zweiten Weltkrieg geprägt wurde, bedeutet das sehr viel." Weitere Informationen im Wortlaut hier bei Bundeskanzlerin.de

In dem nicht vollständig angezeigten Beitrag der jw schreibt Arnold Schölzel: "Die Pressekonferenz in Sotschi begann kurz nach 15 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit. Um 15.23 Uhr lautete die Schlagzeile des ersten dpa-Berichts: »Putin bekennt sich bei Treffen mit Merkel zu ­Ukraine-Friedensprozess«. 15.28 Uhr folgte AFP mit: »Merkel ruft Putin zum Schutz der Minderheitenrechte auf«. 15.30 Uhr hieß es bei dpa: »Merkel: An Minsk-Prozess zur Lösung der Ukraine-Krise festhalten«. Um 15.51 Uhr: »Merkel: Keine Angst vor russischer Einmischung im Wahlkampf«. 15.59 Uhr: »Putin weist russischen Einfluss auf Bundestagswahl zurück«. In dieser Meldung war aus dem »russischen Präsidenten« wieder ein »Kremlchef« geworden. Der Rest war Wiederholung. Fazit: Merkel hatte dem Moskowiter erneut die Leviten gelesen, nannte ihn allerdings nicht wie 2015 in Moskau »verbrecherisch« – ein bedenkliches Zeichen."

Abschließend dann: "In der FAZ vom Donnerstag legte jedenfalls Redakteur Majid Sattar, der in einem Bericht am Vortag die zitierten Äußerungen ebenfalls vorenthalten hatte, dar, wie das leicht undeutsche Verhalten der Kanzlerin zu deuten sei: Unmittelbar nach deren Abreise habe Putin mit US-Präsident Donald Trump telefoniert, was Sattar animierte, Verschwörerisches aufzudecken. Es gebe »Gedankenspiele über einen ›großen Deal‹, in dem sich unterschiedliche regionale Krisen durch die Großmächte gleichsam im Jalta-Stil neutralisieren ließen«. Aber die seien vom Tisch. Na, Trump sei Dank. Eine Gründungsmaxime der BRD lautet schließlich: Vergesst den 8. Mai, aber nie Jalta! Nie wieder Beschlüsse der Großmächte ohne uns. Insofern durchlöcherte die Kanzlerin mit der bloßen Erwähnung des Tages von Befreiung und Sieg 1945 den ideologischen Abwehrschirm gegen den Russen, dem der bundesdeutsche Mainstream den Kolonialfeldzug der Wehrmacht und die Vernichtung von 27 Millionen Sowjetbürgern nie verzeihen wird. Am Donnerstag flickte Alice Bota das auf Seite eins der Zeit: »Immerhin waren die Lügen des Wladimir Putin noch dieselben, als er am Dienstag Angela Merkel in Russland begrüßte«. Lügenpresse? Lückenpresse? Normales Gewerbe. Aber russophobe Hassprediger macht uns keiner nach."

Versuchte Objektivität sollte zu den Grundanliegen des Journalismus zählen und wer es anders sagen will, kann in Kommentaren Stellung nehmen. Ansonsten hat Merkel durchaus noch weitere positive Signale im Verhältnis zu Russland gesprochen, nun wäre es nur noch wünschenswert, dass sie auch (zumindest schrittweise) den Block der "Kalten Krieger" verlässt, es wäre im Sinne der meisten Bürger in den europäischen Staaten.

Nachtrag: Interessant finde ich übrigens auf dem Bild die nonverbale Körpersprache der beiden. Wer sich Bilder dazu von Merkel mit Trump bei ihrem USA-Besuch dagegen anschaut, wird anderes sehen.

Kommentare

Lieber Paul, Dank fuer den Einwand. Vielleicht schnallt Merkel endlich, dass ein Ausschluss Russlands aus Europa auch ein Verabschieden Europas aus der Weltpolitik bedeutet. Ein deutsch-russischer Freundschaftspakt muss her, unabhängig von Putin und Merkel; die beiden Völker und Europa als Ganzes brauchen das, um auf der Weltbühne zu überleben. LG in die Eifel, Hermann.
PS: Der Wahlkampf wird spannend. Bald kommt von mir Einiges darüber.

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denn Macron hat das Rennen gemacht. Interessant das Interview von Antje Pieper mit Gabriel im ZDF über den Verlauf. Denn der lässt da ein paar Sätze raus, die eindeutig gegen das Finanzministerium gerichtet sind, also letztlich Schäuble. Scheint wohl in den Wahlkampfmodus geschaltet zu haben. Mal sehen ob ich später das Original in der Mediathek nachlegen kann.

Deine Anmerkung zum Freundschaftspakt würde ich unterschreiben.

LG Paul

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Hier ist der Ausschnitt im ZDF-Spezial ab 08:20 Minute.

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Macron ist ein sozialliberaler (beinahe Linker),

der endlich auch mit Deutschlands Hilfe in Mali und anderswo die militärische (eher neokoloniale) Infrastrktur weiter ausbauen möge, dahingehend für Investitionen und natürlich Arbeitsplätze sorgen soll. Ergänzt sich perfekt mit Merkel im Saudi-Land.

Bild des Benutzers pleifel

wenn Gabriel von dieser Linie abgewichen wäre, da er ja selbst als ehemaliger Wirtschaftsminister im Zweifel für die Rüstungsexporte in nichtdemokratische Länder eingetreten ist, auch wenn es immer Exporte gewesen sein sollen, die er nicht zu verantworten hätte, da vertraglich vor seiner Zeit als Minister abgeschlossen.

In dem Interview geht es aber um weitere Aussagen, die so nicht von Merkel und Schäuble vertreten werden, nämlich um die Art und Weise der deutschen (einseitigen) Wirtschaftspolitik und die Folgen für Europa. Das dürfte ihm internen Ärger einhandeln, denn damit vertritt er eine Position, die übereinstimmend selbst der IWF Deutschland schon länger vorwirft.

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Als Mamma Dilemma bei Trump war, hat sie sicher schnell gemerkelt, daß sich was geändert hat. Sie hat nicht mehr den Einfluß wie bisher in den USA, sondern ist ein Faktor unter vielen geworden. Wir können Merkel viel vorwerfen, Dummheit nicht. Darum verfolgt sie ihre Politik dort, wo sie Politik machen kann – das ist jetzt eben in Russland.