24 Jun 2017

Gespräch über eine Metasprache mit einem Unzitierbaren im ungefähren Grünen

Submitted by hadie

Kreditkarte

Das Bargeld wird wohl noch in diesem Jahrzehnt abgeschafft, sagt H. - nicht (nur) weil Hochfinanz und Neocons dies so beschlossen hätten. Geld entwickelt sich immer im Sinne der Senkung seiner Transaktionskosten und der Sicherung seiner Verkehrsbedingungen. Die Durchsetzung des Wechselsystems im Mittelalter, der Banknoten und der Bankenschecks in der Neuzeit und der elektronischen Zahlungsüberweisungen in der Spätmoderne seien nur Etappen in diesem unaufhaltsamen Trend zur Entstofflichung des Geldes.

Geld als materieller Gegenstand wird also weitgehend verschwinden, weil der elektronische Zahlungsverkehr billiger, sicherer und bequemer als der Bargeldverkehr ist, Stichwort Transaktionskosten. Die Abschaffung des Bargeldes wird die Konteninhaber in eine noch prekärere Aushandlungslage gegenüber dem Bankensystem versetzen. Bargeld ist zinslos, Bankkonten dagegen sind zinsbehaftet. Bei Negativzinsen verlieren die Kunden ihr Geld. Die Bankkonten sind in Händen der Banken; sie können daher die Vertragsbestimmungen, Kommissionen, Valuten usw. nach Gutdünken verändern, ohne dass ihre Kunden in irgendeiner Form über diese Veränderungen mitreden könnten. Die Institute verfügen über sämtliche Konteninformationen und können somit den Kunden einer unerwünschten Kontrolle unterziehen (lassen) und ihre Daten weiterverkaufen. Die Bargeldabschaffung verletzt bürgerliche Grundrechte aufs empfindlichste. Das Argument der Abschaffungsbefürworter, wonach mit der Aufhebung der Anonymität des Geldes gewissen kriminellen Organisationen das Handwerk gelegt werden soll, ist naiv bis lächerlich, verfügen solche Organisationen doch längst über effiziente, parallele Finanzstrukturen, die sie gegenüber polizeilichen Zugriffen immun machen.

Interessanter ist die Frage, wie sich Entstofflichung auf unsere Denkformen und Moralvorstellungen auswirkt. Schon Alfred Sohn-Rethels (1899–1990) mühte sich, die Marxsche Wertkritik mit einer materialistischen Erkenntnistheorie zu unterbauen, d. h. der Frage nachzugehen, ob und in welchem Verhältnis Waren- und Denkformen zueinander stehen. Sohn-Rethel ging es im Grunde darum, in Erfahrung zu bringen, welche Abstraktionsleistungen der menschliche Geist erbringen muss, um aus der reichen Mannigfaltigkeit eines Dinges eine Ware denken zu können, d. h. davon zu abstrahieren, dass dieses Ding eine Farbe, einen Geruch, ein Gewicht, eine Gestalt usw. hat. Denn eine Ware hat letztlich nur einen Wert und dieser Wert nur eine abschließende Wertung, ihren Preis. Geld ist dafür sozusagen der große Abstraktor, d. h. jenes Medium, das solche Abstraktionsleistungen ermöglicht. Indem es das Ding auf einen Preis, d. h. auf eine Zahl, reduziert, ermöglicht es dessen Berechnung, dessen Vergleich, dessen Wertstatus in einer immensen arithmetischen Nomenklatur, welche das Warensystem ausmacht und uns dank des bereits von Marx bemerkten Warenfetischismus als natürlich erscheint.

Um die Entstofflichung des Geldes ging es auch dem Philosophen und Soziologen Georg Simmel (1858–1918), um das »eherne Gesetz der Entstofflichung«, das sich seit der ›kommerziellen Revolution‹ im 12. Jahrhundert ebenso unweigerlich wie unbeachtet im Abendland vollzogen hat. Und er bemerkt, wie sich im Zuge dieses Prozesses die Funktionen des Geldes vermehrt haben, aber gleichzeitig auch das Bewusstsein darüber geschwunden ist. Die ›stärkste Macht der modernen Zivilisation‹ hat ihr unsichtbares Imperium auf leisen Füßen aufzubauen gewusst und sich vom ursprünglichen Instrument zur Tauscherleichterung zu einem Medium, d.h. einer Metasprache, entwickelt, einer Sprache aller Sprachen im Verkehr der Sachen dieser Welt. Es scheint also einen direkten Zusammenhang, ja gar eine inverse Proportionalität, zwischen der Entstofflichung des Geldes und seiner Geltung zu geben. Geld wird mächtiger und schwerer fassbar.

In den 1990-er Jahren untersuchte man die Auswirkungen des damals sich ausbreitenden Kreditkartensystems auf Kaufverhalten, Preiswahrnehmung, Ausgabenkontrolle, Konsumentenbudgets usw. Die Kreditkarte begünstigte Spontankäufe, Selbstgeschenke, unreflektierte Ausgaben jeder Art, aber auch ein allgemeines Versagen der Rechenfähigkeit und damit der Preiswahrnehmung. Ein Kreditkarten-Hedonismus war ausgebrochen, der natürlich der Konsumgüterindustrie zustatten kam, die Konsumenten jedoch mit zunehmender Überschuldung bedrohte. Automatisierte Kauftransaktionen führten zu einer Entmenschlichung, das kleine Gespräch mit der Verkäuferin oder dem Kassierer verschwand.

Durch den Kreditkartenbetrug und die aufkommende Cyber-Kriminalität wurden Fragen der Transaktionssicherheit und der sozialen Kontrolle breit diskutiert, die eigentlich nur Nebenschauplätze darstellen. Bei der Bargeldtransaktion war noch alles klar: um etwas zu erhalten, muss zunächst einmal etwas gegeben werden. Willst du die Ware, dann bezahle für sie. Zug um Zug. Der kleine Produzent und der ehrbare Kaufmann unterschieden sich so von Sklaventreibern und institutionalisierter Raubwirtschaft. Eine Alltagsethik entstand, Vertrauen gegen Vertrauen, Gutes sollte mit Gutem vergolten werden. Manchmal gab es eine kleine Zugabe oder gegenseitige Sympathiebekundungen, neue Marktkontakte begünstigend.

Doch was geschieht bei elektronischen, durch Karten vermittelten Transaktionen? Hier wird in erster Linie ein technisches Muster abgearbeitet: es werden Codes eingetippt, auf Autorisierungen gewartet und freigeschaltet; man wird als Kartenbenutzer identifiziert; man muss sich in Geduld üben, bis alle Informationstransfers vollbracht sind; und man wird schließlich aus dem elektronischen Ablauf entlassen: "Sie können das Fenster nun schließen." Das alles sind notwendige Prozesse, aber nirgends kommt Reziprozität zum Zuge. Wir stellen uns hier auf das Niveau der elementarsten Alltagspraktiken, dorthin nämlich, wo Lerneffekte unweigerlich erzielt werden. Selbstverständlich herrscht im System die Reziprozitätsnorm, ja, sie herrscht strenger denn je. Doch diese Reziprozität wird nur über künstliche Denkvorgänge rekonstruiert. Man gibt nicht, um zu erhalten; man erhält, indem man vorweist. In Sohn-Rethels Begriffen ist das eine zusätzliche Tauschabstraktion, die nur scheinbar einfach ist. In Tat und Wahrheit muss diese Einfachheit anerzogen werden. In tausendfachen Transaktionen wird eine Routine eingeübt, wo es um Exaktheit, Schnelligkeit und Reaktionsvermögen geht, nicht aber um Gegenseitigkeit.

Der Tauschgedanke verschwindet, statt eines interaktiven Vorgehens werden sich wiederholende Routinen verlangt. Die unbewussten Lernprozesse, die Sohn-Rethel noch beim Geldgebrauch festzumachen glaubte, sind hier getilgt. An ihrer Stelle stehen kurze, schnelle und genaue Weisungen, bei deren Nichtbeachtung mit sofortigen Konsequenzen zu rechnen ist. Es steht außer Zweifel, dass solche iterativen Handlungsprozesse sich auch auf unsere moralischen Strukturen auswirken. In einer Welt, in der es nicht mehr um die Aushandlung von wechselseitigen Tauschbeziehungen geht, sondern um das Befolgen technischer Weisungen, ist die Perspektive des Anderen, in die wir uns immer wieder hineinversetzen müssen, um zu einem vernünftigen Kompromiss zu finden, unsichtbar, ja gar hinderlich geworden. Wir stehen damit vor einer Auflösung der Reziprozitätsnorm. Und das nicht nur bei wirtschaftlichen Transaktionen.

Soziologen stellen fest, dass in praktisch allen sozialen Zusammenhängen diese Auflösung der Reziprozitätsnorm zu neuen Umgangs- und Handlungsformen geführt hat. Dialoge haben immer mehr die Form zweiseitiger Monologe; elementare Grußformen werden, wenn überhaupt, nur noch auf dem Land gepflegt; freiwilliges Helfen wird, wenn immer möglich, vertraglich verbrieft; das Rentensystem funktioniert auf Kapitalisierungsbasis statt im Sinne intergenerationeller Solidarität; zahllose Lohnsysteme haben ihren meritokratischen Charakter eingebüßt; kurz, wir leben in einer Gesellschaft, in welcher Privilegien ohne Leistung, Gewinn ohne Risiko, Freude ohne Eigenleistung zur Normalität geworden sind. An allen Ecken und Enden unserer Gesellschaft hat die Reziprozitätsnorm aufgehört, die Richtschnur in der Verteilung von Chancen und Risiken zu sein. Simmel meint, die Entstofflichung des Geldes hindert die Marktteilnehmer daran, aus dem Tausch zu lernen. Die immer noch inflationsgeschädigten Deutschen haben »Angst vor dem Chaos«, vor dem akuten Wertverlust. Doch das Dilemma geht tiefer, der globalisierten Spätmoderne kommt eine gesellschaftliche Zentralreferenz abhandnen. Rechtsstaatlichkeit entschwindet, Verbrechen zahlt sich mehr denn je aus. Die eigentlichen Risiken der cashless society sind die moralisch pathogenen Konsequenzen dieser Entstofflichung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

(Foto von Pixabay)

Kommentare

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wären es "in diesem Jahrzehnt" doch lediglich noch drei Jahre.

Und warum soll es nicht auch jenseits krimineller Strukturen so etwas wie

"effiziente, parallele Finanzstrukturen, die (sie) gegenüber polizeilichen Zugriffen immun machen"

geben? Virtuelles Geld allein reicht dann gerade mal zum virtuellen Leben, muss das richtige dann auf eine andere, heute vielleicht noch nicht wirklich denkbare Art und Weise gestaltet werden. Daher glaube ich, dass die Abschaffung von Bargeld ähnlich gravierende Auswirkungen hätte, wie die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Ein Paradigmawechsel von eigentlich kaum überschaubaren Auswirkungen.

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Ganz verschwinden wird das Bargeld wohl nicht so schnell, es wird nur immer teurer, es zu benutzen. Für die Armen ist es einfach nur Schikane, für jede Auszahlung am Automaten, jeden gedruckten Kontoauszug und jede TAN-SMS Gebühren zahlen zu müssen. Aber für Besserverdienende trennt sich der Tauschvorgang weiter vom Zahlungsvorgang, so dass es ihnen noch leichter fallen wird, etwa einen Organ-"Spender" per Kreditkarte zu bezahlen.

Neuerdings bekommt man die Sparkassenkarte schon mit scharf gemachter berührungsloser Bezahlfunktion (NFC) ausgehändigt und muss sie in Alufolie einwickeln, um nicht dauernd seine Daten zu versenden.

http://www.chip.de/news/NFC-Scanner-fuer-Android-Diese-kostenlose-App-liest-Kreditkartendaten-aus_100745465.html

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Die Fiktion des kapitalgestützten Austausches steht an der Kante - das Schneeballsystem kann Zugewinn / Wachstum nur noch simulieren.  Schuld & Zins sind aufgeblasen - längst unrealisierbar.

"Niemand weiß, was geschieht, wenn die Zinsen dereinst wieder steigen. Und was geschieht, wenn die nächste Krise oder der nächste Abschwung kommt. Irgendwann werden die Zeiten wieder schlechter, das ist sicher, schließlich währt der aktuelle Aufschwung schon acht Jahre und ist damit im historischen Vergleich ziemlich alt. Entwertung steht an.

Das Problem, an dem die G20 laborieren, heißt Überakkumulation. Es gibt zu viel von allem auf der Welt: zu viele Autos, zu viel Öl, zu viele Arbeitskräfte, zu viele Fabriken und Anlagen, ja sogar zu viel Geld - die Zentralbanken pumpen Billionen in die Finanzwirtschaft, ruinieren den privaten Banken damit das Geschäft und produzieren an den Finanzmärkten den sogenannten »Anlagenotstand«, sprich: Es gibt zu viel Kapital, das sich per Investition vermehren will. Zu viel gemessen an den Möglichkeiten, Rendite zu erzielen.

Zwischen den Staaten läuft der Kampf darum, wer verkaufen kann. Es herrscht Verdrängungskonkurrenz: Angemessenes Wachstum gibt es nur noch auf Kosten der anderen Staaten. In dieser Frage ist die US-Regierung offensiv geworden. Sie beklagt, die Handelspartner würden den Reichtum aus den USA absaugen. Den Handel mit China verglich US-Präsident Donald Trump mit einer »Vergewaltigung«, Deutschland agiere »sehr, sehr unfair«.

Tatsächlich gehört die deutsche Industrie zu den globalen Gewinnern. Durch Exporte ziehen die deutschen Konzerne den Reichtum der Welt auf sich. Die Kritik aus den USA, Frankreich und Italien an den deutschen Exportüberschüssen wehrt die Bundeskanzlerin höchstpersönlich ab und gibt dem Ausland die Schuld an seinen Defiziten: »Es müssen auch in anderen Staaten gute Waren produziert werden, die die Deutschen kaufen wollen«, erklärte sie den Schüler_innen an der Kurt-Tucholsky-Oberschule in Berlin im Mai."

Quelle:

Zwanzig Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle

 

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jenseits der systemfrommen, in sehr partikularem Interesse ausgegebenen Hurra-Parolen.

Überakkumulation und (füge ich hinzu) die Verteilung fast allen Besitzes, allen Reichtums, aller Verfügungsgewalt auf Wenige. Für den Rest von uns ist, wie der Artikel sagt, selbst der Schuldendienst kaum noch zu bewältigen. Die Abschaffung des Bargelds ändert nichts anden vorgenannten basalen Gegebenheiten, führt dann lediglich in noch weitergehende, für die Mächtigen, für die fast alles Besitzenden (vermeintlich) einfacher zu handhabende Simulationen (Welt am Draht) des Seins.

Was sich konkret daraus entwickelt, das muss wohl Verschwörungstheorie bleiben.

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--- das ist hier die Frage

Zweifelsfrei haben deutsche Unternehmen nach dem Sündenfall der HartzGesetze einen komparativen Vorteil im globalen Handel. Den gleichen Vorteil hat die VR China. Diesen Vorteil hatte die junge BananenRepublik Deutschland aber schon in den 1950er Jahren, als die Wirtschaft den selbst verschuldeten Rückstand im ProKopfEinkommen aufholen mußte. Etwa Anfang der 1960er Jahre war das geschafft und die folgende Krise bereinigte die Überhitzung in der Schuldenfalle.

Nicht vergessen sollten wir, daß es die USA waren, die uns einen sicheren Halt in haltlosen Zeiten gaben, indem sie die Währungen im Bretton Wood System an einen unhaltbaren Goldstandard banden – Anfang der 1970er Jahre war das Geschichte, die Franzosen wollten ihr Gold  bei den Amis abholen und USA-Präsident Nixon sagte: «Njet!!!»

Das gegenseitige Floaten begann

Ich erinnere mich noch gut an einen tschechischen Ökonomen, der in den 1980er Jahren sagte: «Die DM ist überbewertet.» Die Zeiten eines Währungsvorteils für deutsche Unternehmen waren da längst vorbei. Mit den HartzGesetzen haben sich deutsche Unternehmen wieder etwas Vorteil auf dem globalen Markt verschafft. Selbst erklärt Mamma Dilemma, sie verstehe nix von Finanzen – wahr, wie wahr – Qualität hat nichts mit Währungsvorteil zu tun. Im Gegenzug macht sich Trump zur Dumpfbacke, denn die sozialen Lasten sind in den USA sehr viel geringer, als in Deutschland. Das Außenhandelsdefizit der USA und das Defizit der Regierung rührt von anderen Faktoren, z.B. den selbst verschuldeten Kriegen und den selbst verschuldeten Finanzkrisen.

Nemeticos Politblog:

Der Dollar-Imperialismus oder wie die USA sich zu Lasten der übrigen Welt bereichern

WKO: SOZIALQUOTEN

Allerdings sind in den USA nicht alle arbeitenden Menschen sozialversichert.

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Ich zahle (meistens) bar

Einerseits ist das ein haptisches Gefühl, andererseits habe ich «in der Hand», wieviel ich in der Hand habe.

Allerdings habe ich so wenig, daß ich schon vor dem Geldautomaten, der mir einen Teil meiner giralen Zahlungsfähigkeit als Bargeld ausspuckt, wissen muß, wieviel es denn sein soll. Ich habe darum eine präzise Buchhaltung (ein kleines selbst gebasteltes Spreadshead) zur Kalkulation meiner Einnahmen, laufenden Ausgaben und freien Ausgaben. Was ich an Bargeld auf der Kralle habe, habe ich also selbst vorher beschränkt.

Es gab auch mal andere Zeiten

Da war ich deutschlandweit unterwegs, hatte wenig Umsatz in Bargeld und ein paar Kreditkarten; mein Einkommen erlaubte das und mein Umsatz war hoch. Bis ich eines Tages stutzte: «Für wen mach ich das (eigentlich)?» Damals war ich so um die fünfzig Jahre jung und änderte meine Daseinsprämissen – und bin immer noch da enlightened

Andere Muster

sind möglich. Das älteste Handelssystem kommt ganz ohne Geld aus, also ohne Bargelt und ohne Giralgeld. Wer als kriminelles Subjekt handeln will, wird sich stets alternativen Austauschmethoden bedienen. Hawala und Fei Lun fallen mir dazu ein, aber auch die Methode des komparativen Vorteils kalkulieren den Austausch auf der Warenebene unabhängig vom Geld, nicht zu vergessen das Regiogeld.

Hier noch ein Video zu Fei Lun:

Wie wir mit unserem Einkommen, das seit den 1960er Jahren nicht mehr bar in der Lohntüte steckt, also grundsätzlich ein substanzloses Giralgeld ist, umgehen und wie wir dieses Geld, das ja nie genug ist, kontrollieren, ist eine Frage der persönlichen Wahrnehmung und des Trainings.

er hat jedenfalls die sozial-psychologischen auswirkungen im fokus - und genau um die geht es bei der massenhaften betroffenheit von menschen mit "normal-viel-wenig" geld und deren ausgeliefertsein an eine virtuelle kontrollmacht, die ihnen einerseits das haptische gefühl verweigert, die freie wahlmöglichkeit zwischen zwei verschiednen bezahlvarianten und vor allem die soziale leichtigkeit des alltags ... die ich mir am gravierendsten vorstelle ... wie wird die zukunft in einer eisdiele aussehen oder für einen straßenmusikanten?

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was "die sozial-psychologischen auswirkungen" betrifft.

Und dennoch meiner Meinung nach lediglich eine, wenngleich die für uns Betroffene sehr direkt erlebbare Konsequenz.

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Ob du eine Kreditkarte, eine «Kundenkarte» oder eine normale Bankkarte hast, die auch als Geldkarte geladen werden kann, du wirst damit keinen Straßenhändler, keinen Bettler, keinen Straßenmusikanten und keinen Sammelbüchsenträger bezahlen. Auch Tombolalose auf dem Rummel wirst du damit nicht kaufen – ob du überhaupt noch auf den Rummel gehst, ist fraglich. Mit der Chipkarte fallen diese sozialen Transfers aus dem System heraus.

Übrig bleibt der stationäre Handel und der Handel im Internet. Für das Internet ist die Chipkarte optimal; damit fallen dann die örtlichen Händler aus dem System heraus – Halleluja no

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Daher in allem Pragmatismus mein Vorschlag zur Güte:

Wenn das Argument der kriminellen Geschäfte mit Bargeld wirklich stimmen würde, so dürfte nicht nur der 500er Schein auf den Prüfstand kommen. Meine Lebenswirklichkeit (wer bietet mehr?) sieht so aus, dass selbst ein 100er mir äußerst selten durch die Finger gleitet.

Größere Verbindlichkeiten etc. werden schon aus Gründen der Nachweisbarkeit ausschließlich unbar geleistet, ist für bestimmte Rechtsgeschäfte (Immobilien beispielsweise) gar eine Beglaubigung via Notar erforderlich.

Und wer beim Gebrauchtwagenhändler, Goldschmied etc. seines Vertrauens die kleinen Geschäfte macht, der wird sich auch an den ggf. notwendigen höheren Stückzahlen von 100ern oder gar 50ern keinen Bruch heben.

Insofern also: 100er reichen allemal ...

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Hier muß man beim Automaten schon aufpassen, daß nicht nur 100ter rauskommen. Ich wechsel diese Greenbacks dann gleich an der Kasse – macht richtig Arbeit.

 

100 Euro, Vorderseite
Von Robert Kalina - http://www.euromena.sk/euro-banknotes-and-coins/10068s, ECB decisions ECB/2003/4 and ECB/2003/5, Link

Allerdings gibt es in Lassan keine Volksbank mehr und keine Sparkasse, nur noch Automaten. Die nächsten Filialen sind in Anklam, Wolgast, Usedom, Greifswald und Zinnowitz. Alles nicht unter 25 Km.

Über das Problem, das Kriminelle beim Bezahlen haben, mache ich mir keine Sorgen, die wissen viel besser, wie sie ihr Geld transferieren, ohne daß die Beamten sowas merken. Sicher wird das Argument von PolitikerInnen gern verwendet; das werte ich aber genau so, wie die vielen Argumente zum Erhalt der Arbeitsplätze, möglichst der billigen. Dahinter steckt natürlich das notwendige und wichtige Prinzip:

Fördern und Fordern

Erst Parteispende und dann liefern!

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Wobei es gar nicht mal so schwer ist, z. B. als Obdachloser bargeldlos zu betteln.

https://www.cardscout.de/kreditkarten-news/obdachloser-akzeptiert-auch-kreditkarten.html

Bild des Benutzers Heinz

Soweit mir bekannt ist, brauchst du zur Abwicklung von Kreditkarten ein Girokonto und dafür einen Wohnsitz – zumindest in D.

Weiter bekommst du eine Kreditkarte nur, wenn du kreditwürdig bist; ohne Wohnsitz bist du das nicht und mit Hartz4 auch nicht. Inzwischen sind die Banken und Sparkassen gesetzlich verpflichtet, jedem ein Konto zu führen, allerdings sind die Krisenkonten nur gegen einen positiven Kontostand zahlungsfähig. Einen auch geringen Überziehungkredit gibt es nicht.

Bild des Benutzers fahrwax

Das einzig tragfähige sind menschliche, auf Vertrauen basierte, Beziehungen.

Der schmutzige Rest sind Illusionen......

Aber noch kommt Geld aus den Steckdosen, watt'n Scheiß.

Sie hätten mich zitieren können, ohne Probleme (ich bin der H.). Ich bin per Zufall auf diesen Blog gestossen, beim Recherchieren über den verflixten Begriff der Entstofflichung. Die Zusammenfassung meiner Arbeiten ist hier lupenrein geschehen (vermutlich war es mein TUMULT-Aufsatz).