25 Nov 2017

Treuhandanstalt - die dritte Welle

Submitted by hadie

Kohl

Die Fakultät für Geschichtswissenschaften der Ruhr-Universität Bochum hat im November 2017 ihre Studie zur "Wahrnehmung und Bewertung der Treuhandanstalt" vorgelegt. Verantwortet von Prof. Dr. Constantin Goschler und M. A. Marcus Böick beleuchtet die Forschergruppe eine Art „dritte Welle“ allgemeiner Aufmerksamkeit für die "kriminelle Organisation" Treuhandanstalt:

"Nach den intensiv und hochemotional zwischen Ost und West geführten Debatten  der  Zeitgenossen in den frühen 1990er Jahren sowie ihrer zeitlich nachlaufenden sozial-, wirtschafts- und rechtswissenschaftlichen Erforschung in den späten 1990er-Jahren rückt die Organisation derzeit vermehrt in  den Fokus der hiesigen Zeitgeschichtsforschung, die sich nun der noch kaum historiographisch untersuchten aller jüngsten  Zeitgeschichte  nach 1989/90 zuwendet."

Gründe seien allmählich zugängliche Archive, die anhaltenden Spätfolgen der Deindustrialisierung Ostdeutschlands und die Vertrauenskrise des westlichen Finanzmarkt-Kapitalismus nach der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise von 2007/08. Massenarbeitslosigkeit, massive Abwanderung und chronische Überalterung gerade in „abgehängten“ ländlichen Regionen sowie eine hartnäckige Politik(er)verdrossenheit im Osten führt zu anhaltenden Konflikten um die Deutungshoheit. Was wäre zu erzählen: eine neo-patriotische Erfolgs- und Heldengeschichte oder ein antikapitalistisches Schauermärchen?

Der außenpolitische Absicherung der Einigung durch den 2+4-Vertrag folgte eine Zeit der "Vereinigungskrise", die wahlweise als „Transformation“, „Postsozialismus“, „Beitritt“, „Nachwendezeit“, „Wiedervereinigung“, „innerer Einigungsprozess“, „Anschluss“ oder „Übernahme“ bezeichnet wird. Im Frühjahr 1990 wurde durch die letzte SED-Regierung und den Zentralen Runden Tisch in einem Akt der Doppelherrschaft die "Treuhandanstalt zur Bewahrung des Volksvermögens“ gegründet. Während der hastigen Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion verschob sich der Auftrag der Teuhandanstalt rasch. Heute repräsentiert sie die  Schattenseiten der nach dem Ende der  SED-Herrschaft  praktizierten  Transformationspolitik  in  der Sphäre eines "forcierten postsozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsumbaus von der Plan- zur Marktwirtschaft".  

Erinnerungspolitisch ist die Treuhandanstalt heute im Osten die zentrale „Bad  Bank“ elitärer Misswirtschaft und organisierter Kriminalität, während sie im Westen fast nur noch mit den als zu hoch empfundenen „Kosten der Einheit“ verknüpft  wird. Die ehemaligen Treuhand-Mitarbeiter selbst sehen sich gerne als „Schutzschild“ oder „Blitzableiter“ für das nach 1990 ostwärts „übertragene“ bundesdeutsche Gesellschafts-, Wirtschafts- und Politikmodell. Affirmative Geschichtsbilder eines alternativlosen „Erfolges“ sowie (teil-)gesellschaftliche Gegenerzählungen eines dramatischen Scheiterns existieren so weitgehend unvermittelt nebeneinander. Diese "eigentümliche erinnerungskulturelle Konstellation" versuchen die Forscher umfassend und systematisch einer "ersten grundlegenden Inventur" zu unterziehen.

In Umfragen, Interviews und Diskussionen spüren sie durchaus offen den sich „schockartig“ vollziehenden gesellschaftlichen Umbrüchen in den frühen 1990er Jahre nach, ohne diese politisch einzuordnen, wie dies etwa Naomi Klein in ihrem Buch "Die Schock-Strategie" getan hat. Die Studie bleibt streng an der Oberfläche des einst von Helmut Kohl auf die "Schiene gesetzten Diskurses", also einem sich bald nach 1990 formierenden Feld von zeitgenössischen Denk- und Sagbarkeiten und ihren spezifischen Regeln („Dispositiven“). Lesbar ist der Text, weil hier "im  Modus  einer problemorientierten Diskursanalyse ... ein explorativer Überblick über Akteure (1.), Phasen und Konjunkturen (2.) sowie Themen und Kontroversen (3.) gegeben wird". Immer steil am Nicht-Sagbaren entlang - wie das heute eben so ist, wenn man nicht vom organisierten Herdentrieb ausgegrenzt werden will. (Nur) die Gedanken sind frei ...

Constantin Goschler und Marcus Böick: Studie zur Wahrnehmung und Bewertung der Arbeit der Treuhandanstalt - im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Bochum 2017.

Dirk Laabs: Der deutsche Goldrausch. Die wahre Geschichte der Treuhand, München 2012.

Klaus  Behling:  Die  Treuhand.  Wie  eine  Behörde  ein  ganzes Land abschaffte, Berlin 2015.

Thomas Großbölting und Christoph Lorke. Deutschland seit 1990: Wege in die Vereinigungsgesellschaft. Nassau 2017.

Foto: taz-Titelbild

Kommentare

dank an dich, dass du dieses "ostdeutsche" thema aufgemacht hast (dessen gesamtgesellschaftliche bedeutung ja eine einzige kritik am westen wäre ... und nicht sein darf) ...

ich hoffe, dass die veröffentlichung der studie einige stimmen an die öffentlichkeit bringen wird , die zumindest aus meiner bescheidenen sicht sinn ergeben - ganz unabhängig davon, dass sie reichlich stoff für die hintergründe von entwicklungen bis in die gegenwart ergeben werden - jedoch der kampf um die ideologisch nutzbare legendenbildung würde dann vielleicht zu einem schock-zustand der mehrheit der west-deutschen führen ... und wer will das schon? der schock im osten soll sich doch bitte nicht mit den schock im westen auch noch vereinigen können ...

also, ich werde dies weiter verfolgen ... nochmal danke

Bild des Benutzers Heinz

«Gründe seien allmählich zugängliche Archive, die anhaltenden Spätfolgen der Deindustrialisierung Ostdeutschland und die Vertrauenskrise des westlichen Finanzmarkt-Kapitalismus nach der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise von 2007/08. Massenarbeitslosigkeit, massive Abwanderung und chronische Überalterung gerade in „abgehängten“ ländlichen Regionen sowie eine hartnäckige Politik(er)verdrossenheit im Osten führt zu anhaltenden Konflikten um die Deutungshoheit. Was wäre zu erzählen: eine neo-patriotische Erfolgs- und Heldengeschichte oder ein antikapitalistisches Schauermärchen?»

Die verschrotteten Industrieanlagen im Osten wurden aus Kapazitätsgründen nicht erneuert. Der Abbau und die Abwanderung der Industrie hatte in Westdeutschland bereits Ende der 1960er eingesetzt und führte 1982 zur sogenannten «geistig moralischen» Wende. Ostdeutsche Ökonomen hatten bereits in den 1960er Jahren mehr industrielle Sanierung gefordert, waren mit ihren Forderungen aber nicht gegen das eigene ZK und das ZK des großen Bruders durchgedrungen. In Ostdeutschland setzte sich also fort, was in Westdeutschland schon vor einiger Zeit begonnen hatte.

Mit der schockartigen Veränderung veränderte sich auch die Infrastruktur, die bisher aus der Wertschöpfung der Regionen getragen wurde. Damit zog Ostdeutschland gleich mit Westdeutschland, wo der ländliche Raum genau so strukturschwach ist. Das Wirken der Treuhandgesellschaft allein wird darum keinen Aufschluß darüber geben können, was der Ausverkauf nicht nur von Ostdeutschland, sondern der gesamten Deutschland AG bewirkt hat.

Nehme ich als Beispiel die Abgabe der Währungshoheit an die EZB, dann stelle ich fest, daß alle Sozialsysteme im Euroraum damit in Konkurrenz gegeneinander getreten sind.

Bild des Benutzers hadie

Als "Ossi" geht es mir nicht darum, mich nun hinten in der linkstönenden Opfer-Hierarchie einzureihen.

"Mit der schockartigen Veränderung veränderte sich auch die Infrastruktur, die bisher aus der Wertschöpfung der Regionen getragen wurde. Damit zog Ostdeutschland gleich mit Westdeutschland, wo der ländliche Raum genau so strukturschwach ist. Das Wirken der Treuhandgesellschaft allein wird darum keinen Aufschluß darüber geben können, was der Ausverkauf nicht nur von Ostdeutschland, sondern der gesamten Deutschland AG bewirkt hat."

Das war mit einiger Wahrscheinlichkeit die globalistische Schock-Strategie der Kohlschen Chicago-Boys. Wobei es Ostdeutschland doch härter erwischte, oder kennst Du einen ostdeutschen DAX-Konzern? Und zumindest in der Landwirtschaft wurde auch unverhältnismäßiger Schaden angerichtet. Mein Lieblingsbeispiel ist der Eigenversorgungsgrad der Ex-DDR mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, dargestellt in einem alten Wirtschaftsatlas. Rötlich sind die Gebiete mit Überschuss-Produktion, grün die Verbraucher-Gebiete, beige die ausgeglichenen Regionen.

Atlas

Die DDR hat sich im wesentlichen selbst versorgt, wenn man von ein paar Kuba-Apfelsinen und russischen Fischkonserven einmal absieht. Es gab eine Hochsee-Fischerei, aber die arbeitete eher für den Export. Und heute? Palmöl ohne Ende, Gen-Soja und US-Weizen ...

"Die DDR hat sich im wesentlichen selbst versorgt, wenn man von ein paar Kuba-Apfelsinen und russischen Fischkonserven einmal absieht. "

kennst du noch die pflaumenschwemme, die zur kostenlosen verteilung führte und den niemals ausgehenden rhabarbersaft, die massive wasser- und brotverschwendung wegen maßloser subventionierung?

heute mehr als zu ddr-zeiten ist mir klar, dass der lebenstandard in der ddr für die GANZE WELT möglich gewesen wäre und hunger und obdachlosigkeit - aber auch arbeitslosigkeit überhaupt kein thema mehr gewesen wären. doch dazu hätte es etwas humane demut und eine abwendung von endloser gier des kapitalistischen systems bedurft - dies für erwartbar zu halten war wohl der allergrößte irrtum und die lebendigkeit von kolonialisierung der größte schock in meiner vorstellung - bei dem ganzen gesäusel von freiheit und demokratie ...

doch was solls ??? ... die flüchtlinge kommen ... pegida und afd wollen merkel zum teufel jagen ... militärisch wird aufgerüstet, die denk-und gefühlsfabriken arbeiten auf hochtouren und werden von geheimdienst- und sicherheitspolitikern reichlich unterstützt; kultur, bildung, wissenschaft instrumentalisiert und an ein normales und sinnvolles leben für die gesellschaft ist nicht zu denken >>> da muß jeder für sich selbst mit klarkommen ... irgendwie

wären alle archive geöffnet und alle (geheim)pläne in den medien geschrieben zu lesen ....

hätten die menschen eine chance ...

warum sie dies nicht täglich fordern, müssen sie selbst beantworten und dafür die konsequenzen tragen ... zumindet haben es die ddr-bürger 1989 von ihrer regierung gefordert >>> und dies darf sich NIEMALS wiederholen, dafür wird täglich gesorgt ... sehr erfolgreich ... bis auf wenige ausnahmen ...

für viele mag die diskussion kontrovers sein - bitte schön - es gibt ja genug leute die dafür gesorgt haben, dass die klarheit fehlt

"Die vorübergehend größte Holding der Welt, die zwischenzeitlich 15 000 Betriebe mit zusammen vier Millionen Beschäftigten »verwaltete«, habe in aller Regel ostdeutsche Betriebe an westdeutsche Firmen verkauft."

"Derzeit laufen mehrere Forschungsprojekte zur Privatisierungsbehörde, die der ehemalige Vizepräsident der DDR-Staatsbank und spätere Deutschbanker Edgar Most »eine einzige Schweinerei« genannt hat.

Auch im Bericht der Enquete-Kommission »Überwindung der Folgen der SED-Diktatur« von 1998 spiegelt sich die unterschiedliche Sicht auf die Treuhandarbeit. Die schwarz-gelbe Mehrheit sorgte seinerzeit zum Beispiel dafür, dass in der Bilanz »das generelle Misstrauen gegenüber der Treuhandanstalt« mit alten »Ost-Seilschaften« begründet wurde – obwohl in der zweiten Phase der Behördentätigkeit praktisch nur noch Westdeutsche dort das Sagen hatten.

Über die Frage, wie schwerwiegend die ökonomische Krise der DDR wirklich war und welche Folgen das für den Transformationsprozess hatte, darüber wird unter Experten schon lange kontrovers diskutiert. Historiker wie Karl Heinz Roth haben in Studien an »Die westdeutschen Planungen zur Übernahme der DDR« erinnert. Otto Köhler sprach von der »großen Enteignung« und der Journalist Dirk Laabs in seinem Buch vom »deutschen Goldrausch«.

https://oxiblog.de/treuhandanstalt-osten-privatisierung-aufarbeitung/

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Zumal die Bilanz der Modrow-Regierung gar nicht so schlecht war:

"Nach den ermittelten Wirtschaftsdaten war die Industrieproduktion der DDR, die in den Jahren 1986 bis 1989 noch Jahr für Jahr moderat gestiegen war, erstmals im November 1989 um 1,4 Prozent gesunken und im Dezember noch einmal um einen weiteren Punkt. Gemessen an den Rückgängen der beiden Vormonate fiel der Januar 1990 mit einem weiteren und kräftigeren Rückgang – um 3,2 Prozent – tatsächlich auf. Doch stieg die Industrieproduktion im Februar (+ 2,2 Prozent) und März (+1,2 Prozent) wieder an. So erreichte die Industrie in der DDR wieder den Dezemberwert von 1989 bzw. das 1988 monatsdurchschnittliche Niveau."

Modrow mit schwarzen Zahlen

Heute sucht man in den ökonomischen und kulturellen Beschädigungen in Ostdeutschland die "sozialpsychologische Basis für den Rechtsruck", Was im Vergleich zur blanken Nazikeule schon mal ein Fortschritt ist. Identitätsfragen darf man weiterhin nur im stillen Kämmerlein stellen ...

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... dann die MoralBert Brecht lebte in Ost Berlin

 

Die Marktwirtschaft allein funktioniert nicht, sie braucht als Regulativ den Staat, der über das Steuersystem die volkswirtschaftlich schädlichen Wirkungen der Marktwirtschaft kompensiert. Über das Währungssystem schützt der Staat die eigenen Sozialsysteme. Das ist im Kern die Botschaft von Alfred Müller-Armack, der 1947 die Soziale Marktwirtschaft formuliert hatte.

Sicher kann man die Ursachen für einen Rechtsruck weiter Teile der Bevölkerung, auch in Ostdeutschland, mit der sozialpsychologischen Sozialisierung begründen. Die Links-Rechts-Debatte dreht sich allerdings um die Sitzordnung im Parlament ausschließlich aus der Sichtweise des Präsidiums; tatsächlich sitzen die Rechten links und die Linken rechts (aus ihrer eigenen Sicht). dIE Sichtweise von OBEN/UNTEN wäre gerade beim Vergleich OST/WEST wesentlich  hilfreicher. Also GEWINNER/VERLIERER.

Zur Sozialen Marktwirtschaft

Ein Gärtnermeister, der in den 1930er Jahren in Rüdesheim eine eigene Gärtnerei betrieben hatte, hat mir erzählt, daß damals die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei als Regierungspartei im Dritten Reich die Löhne und Preise für den Grundbedarf festgesetzt hatten, um den unteren Einkommen zu helfen. Für ihn waren das herrliche und sorglose Zeiten.

Festgesetzte Preise und Löhne führen nach Müller-Armack zu wirtschaftlichen Ungleichgewichten und Überproduktion, verhindern aber auch Innovation. Der Kappes aus Oggersheim ist zum Euro-Raum genötigt worden, den er eigentlich nicht wollte. Damit war die Währungshoheit weggefallen und die Sozialsysteme in einen direkten Vergleich mit anderen gestellt. Mit den Hartz-Gesetzen hat die Schröder-Bande als Reaktion auf den Euro-Raum genau diese festgesetzten Löhne wieder eingeführt und die rudimentäre Soziale Marktwirtschaft endgültig abgeschafft.. Die Planungen zum Euro-Raum gehen weit in die Vergangenheit bis in die 1960er Jahre zurück. Die Hartz-Gesetze folgten einer Studie der Bertelsmänner von 1997.

Erinnern möchte ich auch an die Struktur der deutschen Sozialversicherungen, die wir bereits im Studium der 1960er Jahre als überholungsbedürftig debattiert hatten; u.a. hatten wir bereits Milton Friedmans Negativsteuer als mögliche Änderung durchgehechelt.

Langer Rede kurzer Sinn

Die DDR ist nicht wegen PillePalle pleite gegangen, sondern wegen ihrer inneren Widersprüche und wegen Fehlern in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die Ostblock-Staaten hatten den gleichen wirtschaftlichen Fehler begangen, wie vor ihnen die Nazis. Der in allen Bundesländern zu verzeichnende Rechtsruck hat seine Ursachen in der wirtschaftsliberalen Politik seit 1982, die mit 1990 noch wesentlich verstärkt wurde, weil der Ost-West-Konflikt erst einmal als Regulativ ausgefallen war.

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" der schock im osten soll sich doch bitte nicht mit den schock im westen auch noch vereinigen können ..."

- Doch, genau diesen Schock (im Sinne von erschrockenem Verstehen) braucht es, damit die Profiteure und Mechanismen der globalistischen Mafia, für die die sogenannte "Treuhand" (die Bezeichnung ist schon ein Hohn) ein perfektes Werkzeug war und die u. a. auch hinter Agenda 2010 stand und steht, endlich erkannt werden.

Daß die ganze Treuhand-Sauerei ein Mafia-Projekt war konnte man schon als minimal politisch interessierter Leser des damaligen Spiegel sehr gut erkennen. Das war so dreist, daß es einen fassungslos machte.

Bin auch heute noch der Meinung, daß es eine breite Diskussion auf beiden Seiten der ehemaligen innerdeutschen Grenze hätte geben müssen und eine, wenn plebiszitär gewünschte, langsame Annäherung beider Systeme, bei der die jeweils besten Lösungen beider Seite analysiert und aneinander angepasst werden sollten. Eine verfassunggebende Versammlung mit Delegierten aus DDR und BRD hätte auf dieser Basis dann eine gemeinsame Verfassung erarbeitet und die abstimmen lassen. - Aber die Globalisten konnten die Beute ja nicht schnell genug zerlegen und fressen. Erst die auf der einen Seite, etwas später dann - folgerichtig! - auch die auf der anderen. 

Und wir lassen uns immer noch durch divide-et-impera gegeneinander hetzen, statt das böse Spiel zu durchschauen, das tatsächlich nichts mit "links" und "rechts" zu tun hat, sondern immer noch von Oben gegen Unten geführt wird.

Ergänzung: Grade im Zusammenhang mit den damaligen Entwicklungen wäre es nochmal besonders interessant, die Rolle einer "aus dem Nichts" erscheinenden Angela Merkel näher zu betrachten.

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Hier antwortest du auf einen Kommentar von Marie

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Ich antwortete euch beiden: Marie wg "Schock" und dir wegen "Oben/unten". 

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Die DDR ist nicht wegen PillePalle pleite gegangen, sondern wegen ihrer inneren Widersprüche und wegen Fehlern in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die Ostblock-Staaten hatten den gleichen wirtschaftlichen Fehler begangen, wie vor ihnen die Nazis. Der in allen Bundesländern zu verzeichnende Rechtsruck hat seine Ursachen in der wirtschaftsliberalen Politik seit 1982, die mit 1990 noch wesentlich verstärkt wurde, weil der Ost-West-Konflikt erst einmal als Regulativ ausgefallen war.

Ja. Wobei die Westeliten auch nach dem Nietzscheschen Grundsatz handelten:

"Aber ich sage: was fällt, das soll man auch noch stoßen! ... Und wen ihr nicht fliegen lehrt, den lehrt mir – schneller fallen!"

Die Treuhand-Kriminalität war kein "PillePalle", sondern ein aktives Zerstörungswerk. Wirtschaftlich war die DDR im Frühjahr 1990 wieder auf Kurs, trotz Abwanderung und Wegbrechen der Ostmärkte. Politisch wirkte die Volksarmee stabilisierend, weil sie wirklich eine solche war. Kohl & Co. sahen ihr "Zeitfenster" schwinden und bastelten die "Treuhandanstalt" zu ihrer Brechstange um.

Ich saß damals für "Demokratie Jetzt!" in der Arbeitsgruppe, die eine neue Verfassung für die DDR ausarbeiten wollte. Erschwert wurde das durch die vielen alten Rechnungen, die da wieder offen waren: die 1972 enteigneten Kleinunternehmer, die über Jahrzehnte geschurigelten Christen und Künstler usw.

Die Merkel war da noch die treueste hauptamtliche FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda. Als IM "Erika" des MfS hatte sie u. a. die Havemanns aktiv bespitzelt. Und es gibt einen Bericht von einem Ex-Ost-CDU-Funktionär, den die Merkel mehrfach angebettelt haben soll: "Stellen Sie mich doch bitte dem Herrn Dr. Kohl vor!" Die Merkel soll dann hartnäckig zu allen Ost-CDU-Auftrieben gegangen sein, bis sie wirklich ihrem Herrn Dr. Kohl vorgestellt wurde ...

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Die Ursache für das Ende der DDR

Die DDR ist NICHT wegen PillePalle pleite gegangen meint: Die Ursache für das Ende der DDR war nicht ein kleiner Einbruch bei der Industrieproduktion oder ein etwas geringerer Selbstversorgungsgrad, sondern die Planwirtschaft in ihrer Komplexität an sich und zentrale Entscheidung darüber, was und wie zu produzieren und zu verkaufen ist. In Halle oder Berlin hat man das möglicherweise nicht so gemerkt, daß sehr viel Kleinvieh und Eier im Nebenerwerb beim Konsum teuer verkauft und billiger zurückgekauft werden konnte – teilweise mehrmals «recycled.»

Der Untergang der DDR ist im Zusammenhang mit Glasnost und Perestroika zu sehen; diesen Programmen hatte sich das ZK der DDR verschlossen, bzw. konnte diesen Programmen nicht folgen.

Der kriminelle Ausverkauf der DDR nicht nur an westdeutsche, sondern auch an internationale Unternehmen durch die sogenannte Treuhand kam nach der Pleite!!!

Ich nenne Merkel eine Mamma Dilemma, weil sie auch nur eine Marionette der Strippenzieher ist, die in der sogenannten Treuhand die Strippen gezogen hatten – als Ausführungsorgan (Exekutive) quasi das kleinste gemeinsame Übel.

Zur sogenannten Treuhand habe ich meine eigene Weltanschauung. Für mich sind die Gemeingüter, Allmende, Commons das Eigentum (in der DDR (teilweise geklautes) Volkseigentum) der Bürger*Innen. Die Politiker (Besitzer) verwalten dieses Eigentum treuhänderisch – in der Regel schlecht zum Nutzen der Reichen.

Postdemokratie

«Studie zur "Wahrnehmung und Bewertung der Treuhandanstalt"» haben den Zweck, die Wahrnehmung durch die Bürger zu manipulieren, ist also gezielte Geschichtsklitterung.

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" Für mich sind
die Gemeingüter, Allmende, Commons das Eigentum (in der DDR (teilweise
geklautes) Volkseigentum) der Bürger*Innen. Die Politiker (Besitzer)
verwalten dieses Eigentum treuhänderisch – in der Regel schlecht * zum
Nutzen der Reichen. "

* an dieser Stelle würde ich noch "und nur" einsetzen.

Eine Frage, die sich aus dieser Definition (die auch meine ist) stellt, ist: Wer sind die Bürger? oder aber (verpönt, aber grade deshalb): Wer ist das Volk? - Ohne diese Frage zu beantworten ist es m. E. sinnlos, über das gemeinsame Eigentum zu diskutieren oder auch über Entscheidungen pro und contra eines Grundeinkommens u. v. m. 

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Um die Frage nach Volk, besser Gesellschaft und seinen Bürgern zu beantworten, sollten wir mit der kleinsten Einheit beginnen zu differenzieren. Das ist eine Familie, Grafschaft, Fürstenthum, Königreich, Sippe, ein Stamm, Verein, eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts GbR, GmbH, AG, Partei, Gebietskörperschaft,  ein Land, Freistaat, Stadtstaat, Bundesstaat.

Frage: «Wem gehört der Staat?»

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Daniele Dahn hat einen Titel so benannt: «WIR SIND DER STAAT» – IN GROSSBUCHSTABEN !!!

Das ist natürlich nicht ganz zutreffend, weil wir nicht die Sache selbst und gleichzeitig Eigentümer sein können. Daniele Dahn folgt damit dem feudalen Eigentumsbegriff absoluter Fürsten, der scheinbar auf die «souveränen» Bürger übergegangen ist. Übergegangen ist das Eigentum und im Absolutismus war das Volk ebenfalls Eigentum der Fürsten, das z.B. als Soldaten beliebig verkauft werden konnte.

Lesenswert, hier die -> Leseprobe

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- danke!

Begründetes Mißtrauen erhebt sich bei diesem Teil "...Gemeinwesen, dessen Gesetze das Wohl aller in den Vordergrund stellen..." Denn es gab, auch und grade von Seiten der PdL schon genug Versuche, "das Wohl aller" auf die ganze Welt auszudehnen (bzw. alle Migranten, die schon da sind und noch kommen möchten) statt es auf Staatsbürger zu beschränken. Ich lese oft genug bzw. zu oft, es sei "rassistisch" Staatsbürger in irgendeiner Hinsicht besser zu stellen ("zu bevorzugen") als Nicht-/Noch nicht-Staatsbürger, die Vorteile deutscher Staatsbürgerschaft müssten demzufolge, "allen zustehen" (die da sind und noch kommen).

Sollte es in diesem Fall anders sein (sich das "alle"/2aller" also auf Staatsbürger beschränken) handelt es sich um eine inhärente Argumentation. 

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In meinem Kommentar steht sowas nicht.

Wenn Die Linke erst einmal die ganze Welt retten will, soll sie das tun – ich halte das für weltfremd.

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Falls die Frage an mich gerichtet war: Es handelte sich bei dem Zitat um einen Auszug aus dem von dir verlinkten Dahn-Text.

Zustimmung:

"Wenn Die Linke erst einmal die ganze Welt retten will, soll sie das tun – ich halte das für weltfremd"

 

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Der kriminelle Ausverkauf der DDR nicht nur an westdeutsche, sondern auch an internationale Unternehmen durch die sogenannte Treuhand kam nach der Pleite!!!

Falsch! Die Betriebe waren im Eigentum der Treuhand und produzierten weiter. Die "Pleite" kam zumeist mit der Währungsunion, durch die oftmals willkürlich festgelegten hohen „Altkreditschulden“ der DDR-Betriebe. Es wurde eine Kreditfinanzierung der Investitionen aus dem DDR-Staatshaushalt unterstellt, dazu kam noch die Bewertung von vergangenen West-Importen zu Preisen von 1: 4 in der inneren DDR-Verrechnung für die Importabnehmer. Dafür wurden die labilen Treuhandunternehmen nach der Währungsunion für diese Importe nachträglich noch zusätzlich in ihrer Finanzlast „bestraft“ und hohen Zinslasten zugunsten westdeutscher Banken ausgeliefert. Man denke auch an die "Altschulden der Wohnungswirtschaft", die Jahrzehnte lang die Ost-Wohnungsgesellschaften zu Pleitekandidaten machte.

Bezogen auf das Brutto-Inlandsprodukt (BIP) von (schon umgerechneten) 313 Mrd. DM für 1989 war die Staatsverschuldungsquote der DDR 27,6 % hoch.  Demgegenüber betrug die BRD-Staatsverschuldung 1990 929 Mrd. DM oder 41,8 % des  BIP.

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Selbstverständlich kannst du die Saldenmechanik bemühen und «nachweisen,» wo überall kriminelle Energie gewirkt hatte. Dann bleibt die Frage, warum die Bürger der DDR überhaupt protestiert hatten, wenn das volkswirtschaftliche System der DDR so fit und stabil war.

Wechselseitige Legendenbildung hilft auch nicht weiter. Für mich, der einige Gutachten über DDR-Objekte geschrieben hatte, war sehr viel nicht mehr zeitgemäß und sanierungsbedürftig. Darin hatten mir die DDR-Betriebswirtschaftler vor Ort uneingeschränkt zugestimmt.

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..heißt ja nicht unbedingt schrottreif.

 

Ein kleines, widerliches Beispiel aus meinem Fachbereich, übermittelt durch glaubwürdige Zeugen: Leute aus der deutschen Rosenzüchterszene besuchen das verlassene Feld einer DDR-Rosenzucht-LPG, graben die vielversprechendsten Sämlinge aus * (und/oder schneiden Veredelungsreiser dieser Pflanzen - ich war natürlich nicht dabei) und lassen den Rest plattmachen.

Die DDR-Rosenzüchtungen waren sehr gut. Ich sammle davon zu Erhaltungszwecken soviele Sorten, wie noch zu bekommen sind (leider immer weniger).

Für das, was ich über das Gebahren der neuen Herren im eroberten Land (teils durch Lektüre, teils durch Zeugen) erfahren habe, ist das o. G. exemplarisch. 

* um sie selbst zu vermarkten und/oder damit weiter zu züchten.

Bild des Benutzers Heinz

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Wenn die Kosten für die Sanierung die Neuanschaffung übersteigen, ist das schrottreif.

Dein Beispiel fällt nicht unter die Kategorie Sanierung, sondern unter kriminelle Machenschaften. Die gab es aber immer erst, wenn ein Objekt von der Treuhand «gekauft» war, also meist verschleudert wurde. Mein Part waren als Gutachter Industrieanlagen und Kaufhäuser, da gab es durchaus vergleichbare Anlagen in Westdeutschland und entsprechende Vergleichswerte. Was wir nicht konnten und durften, war ein gesonderter Vergleichsmaßstab für Ostdeutschland. So hatte Ostdeutschland für Industrieanlagen wesentlich längere Abschreibungszeiten, als Westdeutschland, aus denen sich ein nur scheinbar höherer Wertbestand ergab.

 

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Das sind schon mehr als "Korinthen" oder "Pillepalle", wenn man zu beschreiben versucht, wie die massenhaften Firmenpleiten durchgestellt wurden.

Dann bleibt die Frage, warum die Bürger der DDR überhaupt protestiert hatten, wenn das volkswirtschaftliche System der DDR so fit und stabil war.

Siehe Aufruf "Für unser Land" von 1989: Wir wollten ...

"... in unserem Land eine solidarische Gesellschaft zu entwickeln, in der Frieden und soziale Gerechtigkeit, Freiheit des einzelnen, Freizügigkeit aller und die Bewahrung der Umwelt gewährleistet sind."

An anderer Stelle vergießt Du Krokodilstränen über die Glyphosat-Verlängerung des EU-Parlaments, würdest aber jederzeit ein "Gutachten" schreiben, dass die Wildkräuter, Bienen und Schmetterlinge "Korinthen" und "PillePalle" sind.

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«Das sind schon mehr als "Korinthen" oder "Pillepalle", wenn man zu beschreiben versucht, wie die massenhaften Firmenpleiten durchgestellt wurden.»

Was ich mit Pillepalle gemeint habe, kannst du weiter oben nachlesen; allerdings habe ich hier bei deinen Kommentaren den Eindruck, du generalisierst diesen Begriff und unterstellst mir, ihn auch auf die kriminellen Machenschaften der Teuhand und ihrer Kunden anzuwenden und diese zu verharmlosen. Das ist infam!

«An anderer Stelle vergießt Du Krokodilstränen über die Glyphosat-Verlängerung des EU-Parlaments, würdest aber jederzeit ein "Gutachten" schreiben, dass die Wildkräuter, Bienen und Schmetterlinge "Korinthen" und "PillePalle" sind.»

Das ist jetzt deine einseitige Behauptung (im Artikel über Glyphosat steht etwas ganz anderes) und ich fürchte, dieser Thread wird zunehmend moralisch und entfernt sich von den Fakten: «Wir wollten ...    ...  was ist real?»

 

es gab mal journalismus, der einen nicht verblödete

https://www.youtube.com/watch?v=Tnk0qPZ4cT4

Detlev Karsten Rohwedder (* 16. Oktober 1932 in Gotha; † 1. April 1991 in Düsseldorf) war ein deutscher Manager und Politiker, der als Präsident der Treuhandanstalt in seinem Haus von einem Scharfschützen ermordet wurde. Die linksterroristische Rote Armee Fraktion bekannte sich zur Tat; die Ausführenden sind bis heute unbekannt.

https://www.rbb-online.de/zurperson/die_sendung/liste_aller_interviews.html

wo sind die interviews geblieben ??? 13.11.2002 mit edgar most ???