15 Mär 2018

Leipziger Buchmesse ... Ich komme!

Submitted by ebertus

Der mediale Mainstream überschlägt sich. Eher würgende, sich verbal übergebende Artikel in Sachen einer Teilnahme sogenannter Rechter Verlage an der Leipziger Buchmesse stellen jeden bislang erlebten Streisand-Effekt in den Schatten.

Sage also niemand, er wäre nicht informiert über diesen Angriff der Rechten auf alles Gute und Schöne, die hehre Demokratie insgesamt. Hier heißt es nun, ganz klar Stellung zu beziehen - und wer nicht für uns ist, ist gegen uns; irgendwie so ...

Nein, es sind nicht nur die bislang schon bekannten Verdächtigen und ihre Schmuddelverlage. Suhrkamp setzte sich per Twitter [sic!] umgehend von seinem Erfolgsautor Uwe Tellkamp ab und man darf gespannt sein, ob der(en) Verlag S. Fischer ähnliches bei Monika Maron praktizieren wird. Da stehen mit Sicherheit noch einige Interviews aus, warten die politisch korrekten Daumen nur darauf gesenkt zu werden.

Irgendwie skurril das Ganze, weil dieser (intellektuelle?)  Hate-Speech der bislang und knallhart entlarvten Delinquenten (will be continued ...) in seiner Sanktionswürdigkeit wohl nicht greifbar ist, weder bei Facebook noch staatsräsonal; strafbar einfach so von Amts wegen.

Ich mache mich dahingehend nicht gemein und setze mich gern ab, wenn es denn sein soll, habe in Sachen Literatur weder von Maron noch von Tellkamp bislang etwas gelesen; stattdessen mehrere Bücher von Jutta Ditfurth in meinem Regal. Reicht das, um als unschuldig durchzugehen?

Interessant auch, dass Tellkamp eher von bekennenden Antisemitenjägern in Schutz genommen wird. Broders Gute Achsen oder die Salonkolumnisten liegen dabei inhaltlich auf einer Linie mit der nicht zuletzt von Josef Schuster ventilierten "Obergrenze". Insofern garnicht erstaunlich, dass sich der in diesem Kontext doch gängige Antisemitismusvorwurf gegenüber Tellkamp & Co. arg in Grenzen hält.

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Ok, als bekennender Demotourist darf ich mir dieses Spektakel natürlich nicht entgehen lassen. Beruflich war ich oft auf eher technisch orientierten Messen unterwegs, privat auch mal zur Grünen Woche, zur IAA oder der ITB. Aber so eine hochkulturelle, hochintellektuelle Veranstaltung wie diese Buchmesse fehlt noch in meiner (Messe)Raupensamlung.

Werde daher morgen sehr früh aufbrechen, aus Sicherheitsgründen lediglich meine Zweitkamera mitnehmen, möglichst rechtzeitig noch einen freien Parkplatz am Messegelände ergattern und mich dann unter die intellektuellen Wilden begeben. Die Mehrzahl derer dürfte zu den Guten zählen und insofern, siehe oben, hat mir der Streisand-Effekt schon vermittelt, wo die Gefahren lauern; mentale, verbale - mindestens ...

Kommentare

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garantiert schon lange keine verläßlichen voraussagen mehr ... jetzt hat sich auch noch die "intelligenz" in rechts und links gespalten (hahaha) und es gibt sie wohl ohne moralisiernde attribute nicht mehr länger - so als ob es sie je so gegeben hätte - es gab immer nur staatsfreundliche und kritische - dann wohl heute eindeutiger " staatsfeindliche"

welch ein affentheater ... ob wohl wer davon klüger wird?

übrigens hat die "zeit" einen artikel über die messe geschrieben - aber nach den ersten 2 (zwei) kritischen kommentaren (einer ist von mir) hat sie ihn so gut versteckt, dass selbst ich ihn kaum wiedergefunden habe ...

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Antwort auf marie  zum Kommentar das meinungsänderungsbarometer
 

ist der Kommentar hinterm Paywall verschwunden, der Artikel zumindest (noch kostenlos?) anmeldepflichtig.

Jetzt also die "Intelligenz", die gute, (neu)linke Intelligenz; das mit den Frauen, den Homosexuellen und den Migranten als per se Gute hat den hoch wissenschaftlichen Ideologietest offensichtlich nicht vollumfänglich bestanden.

Antwort auf ebertus  zum Kommentar Vielleicht ...
 

ich hab ihn ja gefunden ... wahrscheinlich ist er als übung für die osterhasen gedacht ... nix mit wall ... such doch mal;)))

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Lieber Bernd,
gute Fahrt und berichte. Am liebsten wäre ich mit Dir dorthin gefahren. Aber gedanklich tue ich das. Wie gesagt, ein kurzer Bericht wäre toll!
LG, Hermann
PS: Kongo/Kinshasa: 6 Mio Kinder unterernährt, 2 Mio droht der unmittelbare Tod. Verschiedene Milizen wüten im ganzen Land, unsere Smartphones und Computer bekommen zu 50% Rohstoffe aus dem Land, davon viele durch Kindersklaven abgebaut. Sieh mal nach, ob Du Veröffentlichungen von deutschem Staatsterror in der Peripherie findest. Die neue GroKo darf doch die traditionelle Linie nicht verlassen.

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Antwort auf costa.esmeralda  zum Kommentar Leipzig
 

Armut, Kinderarbeit, Staatsterror und weltweite Kriege bestimmen real das Geschehen. Genau da wäre es Aufgabe der Medien, die Verantwortlichen zur Rede zu stellen, als  politische Exekutive deutlich zu benennen und auf allen nur möglichen Ebenen zur Verantwortung zu ziehen; auch hierzulande.

Stattdessen hyperventiliert man groß- und qualitätsmedial wegen einer Handvoll Kleinverlage, die zwar nichts Verbotenes tun, aber deren Bücher mindestens auf einen imaginären Index gehörten, vielleicht - ich übertreibe, noch ... - gar verbrannt werden sollten. Der Radikalenerlass, neulinks gewendet, lässt grüßen.

Und wenn das verbal, qualitätsmedial noch nicht ausreichend ist, dann kommt die militante Antifa ...

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Antwort auf costa.esmeralda  zum Kommentar Leipzig
 

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Durch ein ärgerliches Ereignis bin ich z. Z. leider nicht reisefähig. Dabei wäre die Buchmesse diesmal gerade interessant gewesen, schon um nach meinem neuen Buch zu schauen.

Buch

Was jetzt keine Werbung sein soll, bekannte Termiten können eine kostenlose epub-Datei davon an ihre private Mailadresse bekommen. Kontakt über "Private Nachrichten" hier oder über Kontaktformular https://bringfried.jimdo.com/kontakt/

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Wäre mir sonst entgangen, heute in einem Messegespäch erfahren:

Von der taz zu Springer, erst Deniz Yücel, nun Silke Burmester. Wenn das mal keine veritable Querfront ist ...

Die gute Silke muss jetzt natürlich aufpassen, schnöde Witze über "Jüdischen Sport" sind bei Springer obsolet.

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Antwort auf marie  zum Kommentar hochinteressantes interview
 

Gar auf der Buchmesse ... und der rechten Ecke hat er ebenfalls seine Referenz erwiesen ... Muuah

Auch einer, dessen eher konservative und nicht wenig reliiös geprägte Meinung ich eher selten teile. Aber er hat Wortwitz, kann ironisch pointiert schreiben und nimmt so manche Bigotterie in den nachfühlbar schmunzelnden Blick.

Insofern, ein Buch von ihm "Als wir jung und schön waren" steht weitgehend gelesen in meinem Regal. Das aktuelle werde ich mir wohl nicht kaufen, rennt Matussek und wie mir scheint, dem Zeitgeist doch etwas hinterher. Das kann man in einigen Jahren vielleicht lesen, als bestätigenden -oder eben nicht- Rückblick auf die aktuell ablaufenden Ereignisse.

Matussek hat diese Tage u.a. mit H.M. Broder und verschiedenen anderen Bösen (m/w, insgesamt 27 wohl) eine Erklärung zur Flüchtlingsthematik veröffentlicht. Nicht nur weil der gute HMB dabei ist wird wird man dieser Erklärung nebst den Beteiligten und in diesem Zusammenhang von ansonsten berufen sich fühlender Seite mit Sicherheit keinen Antisemitismus vorwerfen, eher ignorieren; denn wer wollte sich dahingehend mit Broder anlegen?

Schließlich hat Broder doch den Jebsen zur Strecke gebracht, wird in allen guten Medien immer gern darauf verwiesen.

Bigotterie at it's best ...

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Für die in keiner konkreten Art und Weise der Branche zuzuordnen Menschen war die Buchmesse in früheren Zeiten, in denen ohne Internet mit Sicherheit einen Besuch wert. Größere Buchläden wie Hugendubel oder Deichmann sind ähnlich aufgebaut, wobei dann der Kunde bzw. der Verkauf im Mittelpunkt steht, das Sortiment natürlich in der Breite in keiner Weise mit einer derartigen Messe mithalten kann.

Ich war exakt zur Eröffnung um 10 Uhr am Eingang und in der ersten Stunde war ein angenehmes Schlendern, hier und da mal in ein Buch schauen, sich gar setzen und die Atmosphäre auf sich einwirken lassen nicht nur angesagt, sondern sehr gut möglich. Dann wurde es immer voller, lauter, optisch und akustisch einfach nur noch dröhnender; und ich fragte mich schon ab und zu, was ich jetzt hier eigentlich noch mache.

Insofern und glücklicherweise war ich allein unterwegs, war Herr meines Weges und meiner Zeit.

Klar, Fachbesucher ziehen sich mit den jeweiligen Ausstellern in separate Bereiche zurück, da macht so ein Messebesuch schon Sinn; soweit man die Breite des Angebots sucht und ggf. geschäftlich würdigen wollte.

Aber für den Normalsterblichen? Gerade in Zeiten des Internet und seiner Möglichkeiten?

Muss nicht nochmal sein ...

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Kurzes Resümee
 

Auch Buchhändler orientieren sich im Sortiment eher am Internet, als an der Messe, zumal es davon ja zwei gibt, in Leipzig und in Frankfurt/Main.

Für viele kleineren Buchhändler ist der Aufwand gar nicht mehr erschwinglich und darum organisieren die sich in Nischen.

Zur allseits beliebigen Weltanschauung habe ich gerade einen schönen Beitrag gefunden:

NDR Kultur: Glaubenssachen
Kein Weltfrieden ohne Religionsfrieden?