1 Jun 2018

... denn sie wissen nicht, was sie tun

Submitted by Heinz

«Wir haben sehr ausdifferenzierte makroökonomische Modelle, sie haben nur einen Nachteil:


Es gibt k e i n e n   F i n a n z s e k t o r.»


Das ist natürlich Quatsch, der Beitrag des Finanzsektors beträgt in DE ca. 4% vom BIP. Im Schurkenstaat Luxemburg sind das ca. 20%, weil dort alle Schurken ihre Finanzgeschäfte tätigen. Den Finanzsektor gibt es also, sogar in der VGR; A B E R dort werden nur die Selbstkosten quantifiziert, weil nach dem wirtschaftsliberalen Glaubensbekenntnis der Finanzsektor volkswirtschaftlich neutral sein soll.

 

Die Risiken des Finanzsektors sind weiterhin kein Bestandteil der politischen Ökonomie.

 

dFC: Pregetter Otmar: Vollgeld: Schulmeisters irre Ahnungslosigkeit

dFC: Stephan Schulmeister: Eine Fehldiagnose

Schulmeister:

Vollgeld würde auch die Gesamtnachfrage dämpfen. Die gesamtwirtschaftliche Dynamik wird vom Verhältnis zwischen Spar- und Investitionsplänen bestimmt. Am Beispiel einer geschlossenen Wirtschaft ohne Staat sieht das so aus: Wenn jener Teil des BIP, den die Haushalte nicht nachfragen (ihr Sparen), größer ist als das, was die Unternehmen als Investitionen zusätzlich zum Konsum der Haushalte nachfragen, dann ist die Gesamtnachfrage kleiner als das BIP („Nachfragelücke“). Unternehmer bleiben dann auf einem Teil der Produktion „sitzen“, sie werden diese so lange einschränken, bis die Spar- und Investitionspläne – auf niedrigerem BIP-Niveau – wieder übereinstimmen. Im Vollgeldsystem wird ein erheblicher Teil des Sparens als Vollgeld „eingefroren“ und steht daher nicht zur Investitionsfinanzierung zur Verfügung. Die so verursachte Nachfragelücke wird in Zeiten von Unsicherheit und Null-Zinsen besonders hoch sein, weil mehr Vollgeld gehalten und damit dem Finanzierungskreislauf entzogen wird.

Eine geschlossene Volkswirtschaft ohne Staat gibt es nicht. Sowas mag als Denkmodell in einer feudalen Gesellschaft funktioniert haben, als die Feudalherren auf ihren Gütern saßen und als einzelne Haushalte von diesen lebten. Mit einer Staatsquote von ca. 45% des BIP und einem Export von ca. 40% des BIP ist das Argument der geschlossenen Volkswirtschaft ohne Staat schlichtweg beschränkt.

Anders herum wird ein Schuh d'raus: Alles Geld ist Kreditgeld. Sind die Zinsen größer, als das gesamtwirtschaftliche Wachstum, geht ein Teil der Kreditnehmer zwangsläufig in die Insolvenz, weil die erforderlichen Kreditleistungen (Zins und Tlgung) nicht mehr von neuen Krediten gedeckt werden. Sind die Zinsen geringer, als das Wachstum, dann steigt die Nettoinvestition (die Kredite). Die mittelfristige Sparquote dient dem höherwertigen Bedarf, der aus weltanschaulichen Gründen nicht mit einem Kredit belastet wird. Eine gesteigerte Sparqoute und damit eine geringere Nachfrage entsteht nur beim Versagen von Politik und Wirtschaft, also in verunsicherten Zeiten. Leistungslose und thesaurierte Gewinne rechne ich nicht zur eigentlichen Sparquote, die fließen bei Börsenzockern dem Vermögen zu.

Schulmeister:

Die wichtigste Funktion der Banken besteht darin, das Sparen der Haushalte via Kreditvergabe in Realkapital und Arbeitsplätze zu verwandeln. Dazu braucht es kein neues Geldsystem, sondern eine radikale Beschränkung von „Finanzalchemie“ aller Art.

Das Vollgeld ist kein Allheilmittel gegen den überbordenden Finanzsektor; die Zentralbank ist nicht die bessere Bank, sondern «nur» die sicherere Bank. Eine Zentralbank wird nur Kredite vergeben, wenn sie dafür die Geschäftsbank in Haftung für eine Sicherheit nehmen kann. Damit entfallen schon mal einige risikoreiche Finanzprodukte. Nach der Finanzkrise 2007/8 war der Interbankenhandel zusammen gebrochen und die Banken holten sich wieder brav ihre Kredite bei der Zentralbank. Sobald ein Vollgeld wieder eingeführt wird, folgt dem auch ein risikoreicher Interbankenhandel, der für «Gute Geschäfte» ohne jegliche Sicherheiten sein wird. Weiter wird im globalen Finanzsektor die  Krypto-Geld genannte Vermögensanlage die Bedeutung der Zentralbankwährungen schrumpfen lassen.

Die Hochfrequenzbörse hat mit dem Geldsystem gar nichts zu tun, also hat das Vollgeld darauf auch keinen Einfluß. Weil die Hochfrequenzbörse niemanden im Realsektor finanziert, sondern nur abzockt, kann sie ersatzlos gestrichen werden.

Schulmeister:

Nicht das Kreditgeldsystem an sich stellt ein Fundamentalproblem dar, sondern die Art der Verwendung von Geld. Betrachten wir die Nachkriegszeit als Beispiel: In den 1950er und 1960er Jahren lenkten die „Spielbedingungen“ das Gewinnstreben auf die Realwirtschaft, bei festen Wechselkursen, stabilen Rohstoffpreisen und „schlafenden“ Aktienbörsen machte Finanzspekulation keinen Sinn. Die Banken finanzierten daher ausschließlich realwirtschaftliche Transaktionen: „Aus dem Nichts“ wurde etwas geschaffen (Kreditgeld), das die Schaffung von einem „realen Etwas“ (Maschinen, Wohnhäusern) finanzierte.

Schulmeisters Gnade der späten Geburt läßt ihn ignorieren, daß die vorwiegende Bargeldwirtschaft mit der Lohntüte bis in die 1960er Jahre praktisch eine Vollgeldwirtscft war. Erst mit der Einführung der Gehalts- und Lohnkonten war der unkontrollierte Finanzsektor überhaupt erst möglich.

Welche langfristigen Risiken geht eine politische Ökonomie ein?

«Du sollst nicht schwören,» steht in der Bergpredigt, weil du nicht bestimmen kannst, was morgen ist. Die komplexe politische Ökonomie zeigt statistische Werte bei einem beständigen Ungleichgewicht. Die bismarcksche Sozialversicherung (eigentlich entwickelt von den Sozis und von Bismarck verstaatlicht, weil es um viel Geld ging und darum ein Machtfaktor war) funktionierte auf einer breiten Basis von Beitragszahlern. Diese Basis wurde in Deutschland von den Protagonisten des Wirtschaftsliberalismus seit 1982 nachhaltig zerstört. Bis 2030 wird die Leistung der Deutschen Rentenversicherung reduziert (abgeschmolzen); die Beiträge erhöhen sich notwendigerweise. Wenn sich nichts ändert, werden wir im Jahre 2030 ein viertel Jahrhundert einen Billiglohnsektor haben, der nicht in der Lage ist, einen nennenswerten Beitrag zur Deutschen Rentenversicherung zu leisten. Um die Arbeitnehmer zu entlasten kann der Staat selbstverständlich die Renten als Transferleistung subventionieren; doch nichts anderes geschieht, wenn ein Grundeinkommen steuerfinanziert ist.

Ich fürchte, daß Politiker, Gewerkschafter und beamtete Professoren ein Teil des wirtschaftsliberalen Problems sind, weil sie die Besitzstände der Sozialversicherung verwalten.

Nehme ich einmal den Bundesstaat DE, dann übernimmt der allein für den Außenhandel mit den Hermesbürgschaften ein Risiko von ca. 80 Mrd Euronen.

Die gesetzliche Rente ist sicher; sie reicht aber nicht. Wer den gewohnten Lebens­stan­dard im Alter halten will, braucht etwa 80 Prozent des letzten Netto­gehalts; nur 20% sind verzichtbar. Einen kleiner werdenden Teil davon deckt bei Arbeitnehmern die gesetzliche Rente. Doch es bleibt bis 2030 eine größer werdende Lücke. Der Staat zieht sich aus der Verantwortung zurück. Die Lücke in der Altersversorgung bleibt, oder wird von einer privaten und betrieblichen Altersvorsorge geschossen.

Die Ausgaben sinken im Alter – etwa weil der Kredit fürs Haus abbezahlt ist oder direkt berufs­bezogene Ausgaben und Fahrt­kosten entfallen. Das setzt aber ein lastenfreies Künstlerhaus voraus, daß Kreditverpflichtungen (Zins und Tilgung) mit dem Renteneintritt wirklich abgeschlossen sind.

Bernd Raffelhüschen bezieht diese langfristigen Zahlungsverpflichtungen in die Staatsverschuldung mit ein.

In Spanien hat die Regierung gewechselt und in Italien auch

Bei Spanien bleibt abzuwarten, wie sich die sozialistische Regierung positionieren wird. Italiens neue Regierung ist selbst erklärtermaßen euro-kritisch.

Dazu ein Artikel von Heiner Flassbeck im

der Freitag: Italiens deutsche Falle

Auszug: «Doch wie belebt man eine Wirtschaft, die am Boden liegt? Jeder Ökonom, der volkswirtschaftliche Gesamtrechnung beherrscht, weiß, dass man dafür einen Impuls braucht. Ein solcher Impuls kann aus verschiedenen Richtungen kommen. Doch allen Impulsen ist gemein, dass sie darauf beruhen, dass jemand Geld ausgibt, das er – um es in der Sprache der Dumpfbacken zu sagen – nicht hat.

Ja, es muss jemand einen Kredit aufnehmen und mehr Geld für Güter und Dienste ausgeben, als er selbst eingenommen hat: Jemand muss neue Schulden machen.»

Das ist richtig, allerdings gehört zum Schulden machen auch die Tilgung,

Zeit genug hatten die EU-Staaten, diesen Impuls gemeinsam und zielgerichtet zu finanzieren. Mit den EU-Programmen: Lissabon Strategie 2010, verschoben auf Europa 2020 wäre das möglich gewesen; geschehen ist bis heute im Juni 2018 N U L L, N I C H T S, nur ein paar EU-Politiker haben damit Spesen gemacht. Flassbeck ist selbst erklärter Nachfrage-Ökonom und sieht darum den Staat in der Verantwortung, den Impuls für eine Nachfrage zu erhöhen. Dieser Impuls darf aber nicht im Konsum verpuffen, sondern hebt die Volkswirtschaft auf ein höheres Niveau. Das funktioniert nur mit Investitionen, konkret mit Nettoinvestitionen.

Denk ich an die Elbphilharmonie und den Fluchhafen Berlin Brandenburg in der Nacht,
dann bin ich ums Abendmahl gebracht.

Das ist, was diese politischen Klugscheißer in DE zuwege bringen, Dilemma, Desaster, Pleiten und einen Bundesstaat, der seine eigenen Bürger ausbeutet und die lieben Freunde in der EU ruiniert.