14 Aug 2018

Wenn Herdentrieb die "eigenen" Interessen tangiert

Submitted by ebertus

Zwei Beispiele, von denen das erste vielleicht noch ein wenig zum Schmunzeln Anlaß gibt, das zweite jedoch exemplarisch zeigt, wie tief eine ehemals linke Zeitung den neoliberalen Sumpf bereits verinnerlicht hat.


Worum geht es im ersten Beispiel?

Die Tagesschau berichtet: "Das Pilotprojekt von Minister Hofer ist umstritten."

Klingt fast nach FJS, als freie Bürger freie Fahrt fordern durften. Klar, in Österreich regieren aktuell die Konservativen um Sebastion Kurz mit den Neurechten von der FPÖ - und Hofer ist kein Unbekannter, wäre beinahe östereichischer Bundespräsident geworden. Die Argumentation gegen Hofer und gegen das Projekt basiert im Wesentlichen auf zwei Punkten, die eigentlich nicht zu bestreiten sind.

"Zum einen ist es die völlig falsche Richtung. Wenn wir von Klimaschutz und von sauberer Luft sprechen - mehr Tempo bedeutet mehr Spritverbrauch und damit auch mehr CO2-Ausstoß und damit unverhältnismäßig mehr Schadstoffe, wie Stickoxide und Feinstaub. Und zum anderen ganz konkrete Nachteile auch für die Sicherheit, denn mehr Geschwindigkeit bedeutet immer auch mehr Risiko"


Ja, ja und nochmals ja! Aber sollte die Tagesschau bei genau dieser Argumentation weniger den Hofer denn die Merkel in den Mittelpunkt stellen? Wie sieht das hierzulande aus, wo es überhaupt keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen gibt?

Und damit, neben dem höheren "Unfallrisiko" werden in noch viel größeren Dimensionen"unverhältnismäßig mehr Schadstoffe, wie Stickoxide und Feinstaub." ausgestoßen, oder? Um die tagesschauseitig theatralisch vorgebrachten Begründungen nochmal zu zitieren.

Ja, unter der neuen Mitte-Rechts-Regierung in Italien gilt nach wie vor eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Und beim bösen Trump sogar noch etwas weniger, sind dort bestenfalls 80 Meilen zulässig, was unter Berücksichtigung des Umrechnungsfaktors gar etwas unter 130 km/h liegt.

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Nun, im zweiten Beispiel wird es tragisch, bleibt (mir) das bisherige Schmunzeln im Halse stecken. Prekäre Arbeitsverhältnisse hielten hierzulande in großem Stil mit der SPD/Grünen Agenda 2010 Einzug. Befristete Arbeitsverhältnisse und insbesondere eine ausgeweitete Zeitarbeit (wir nannten die Menschenverleiher  früher Sklavenhändler) sind meiner Erinnerung nach eng mit dem Namen von SPD-Minister Wolfgang Clement verbunden. Ja, der gleiche Clement, welcher schon damals entsprechende Hassvokabeln und Zuschreibungen gegenüber Erwerbslosen und Hartzern hoffähig machte.

Das Neue Deutschland (ND) -sonst bewußt nirgends bei den Qualitätsmedien gelesen- bringt nun einen sehr zurückhaltenden und ohne jede Querverweise auf deutsche Verhältnisse auskommenden blassen Artikel  zu dem Vorhaben der neuen italienischen Mitte-Rechts-Regierung, die auch dort über die Jahre ausgeweiteten prekären Arbeitsverhältnisse wieder etwas zu begrenzen. Das müsste doch eigentlich

ein basales Projekt/Thema der Linken, der noch nicht neoliberal vereinnahmten Reste von SPD und Grünen

sein, oder?

 

Und was macht das Neue Deutschland daraus? Nennt es verniedlichend

"ein Lieblingsprojekt des Fünf-Sterne-Vizeregierungschefs Luigi Di Maio".

Weiter unten und im gleichen Tenor wird die eher mit der hiesigen CDU/FDP vergleichbare Partei (PD) des Matteo Renzi zu einer "linksbürgerlichen" Formation erklärt, welche das neue Vorhaben natürlich heftig kritisiert. Schließlich waren die bislang geltenden Regelungen zu den prekären Arbeitsverhältnissen an der deutschen Agenda 2010 orientiert.

Und im besten Unternehmenssprech geht es dann (zitierend) im ND weiter, werden die kommenden Regelungen es natürlich schwer machen, neue und gerade jüngere Menschen einzustellen; insbesondere in Süditalien.

Neues Deutschland ... was ist nur aus Dir geworden?

Kommentare

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Aus aktuellem Anlass gleich nochmal die Tagesschau.

In einem Beitrag über den Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua ist zu lesen:

"Innenminister Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Lega dankte den Rettungskräften für ihren schnellen Einsatz."


Es dürfte weitgehend das Geheimnis der politisch korrekten, herdentriebig aufgestellten Tagesschau bleiben, was das Attribut "rechtspopulistisch" mit einer seriösen Meldung über den Brückeneinsturz zu tun hat, wo darin der Informationswert liegt.

Erinnert ein wenig -natürlich viel seriöser- an einen anderen Schweinejournalismus, der mir diese Tage über den Umweg des manchmal noch ganz informativen Bild-Blog  bekannt wurde. Wird man als Bildungs-Zeitung ja nochmal fragen dürfen ...

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Schweinejournalismus
 

Eine Jauchegrube ist eine stinkende Jauchegrube.

Ein Schwein ist ein dreckiges Schrein.

Eine Tomate ist eine matschige Tomate.

usw.

Ich frage mich, warum Journalisten an einer Hochschule studieren müssen, sowas können sie an einer Klippschule auch haben.

 

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Schweinejournalismus
 

Welche tschornalistische Kamarilla an den vorgeblich öffentlich-rechtlichen Trögen äsen darf, wird durch die korrekte Wortwahl aus der Liste der regierungsamtlichen Phrasierung reguliert. Der "Maulhurenverein" erwartet die strikte Einhaltung seiner Satzung - sonst wird das nichts mit den gesicherten Einkünften und der Karriere.

Die Herrschaft der Verweser der Tröge bestimmt welche Wortwahl für die Karriere geeignet ist, sagt der Herr Bräutigam vor dem Hintergrund diverser Erfahrungswerte aus dem Lügenstadel:

"Wer die »Freiheit und Demokratie«-Schaumschlägerei westlicher Regierungen unwidersprochen und unkommentiert publiziert und nicht mit deren völkerrechtswidrigem, verbrecherischem Tun abgleicht, ist ein Lügner, weil er den Schaum nicht Schaum nennt und als solchen beiseitewischt. Darüber hinaus aber auch Demagoge beziehungsweise Komplize von Demagogen.

Journalisten dürfen solchen Humbug nicht mitmachen, kein Bürger sollte ihn schweigend dulden.

Schon Plato befand, der Preis für Gleichgültigkeit gegenüber der Politik sei, von üblem Pack regiert zu werden.

Dass Regierungen häufig, sogar grundsätzlich, lügen, mag sein. Dass »unsere« öffentlich-rechtlichen Medien sich als willige Helfershelfer bei fragwürdigen politischen Manövern prostituieren, macht sie zu Mit-Lügnern und Maulhurenvereinen. Und das ist inakzeptabel.

Für ihr Unwesen würde ich sie allerdings nicht »Lügenpresse« nennen, denn das wäre mir zu allgemein und milde. Als Kriegshetzer würde ich sie gegebenenfalls bezeichnen, als journalistische Friedensverräter, Beschöniger von Völkerrechtsverbrechen, als Wasserträger von Bonzen und Magnaten, je nachdem, was trifft."

https://www.rubikon.news/artikel/offentlich-rechtlicher-gesinnungsjournalismus

Informativ zu Thema ebenfalls:

Deep State fabricates the fake narratives as the C.I.A. controls what media can and cannot report

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Antwort auf fahrwax  zum Kommentar Karrieregeile Schweinebanden
 

bringen es immer wieder gut auf den Punkt. Nur ist dieser Schweinejournalismus mittlerweile so offensichtlich, dass dessen Sumpfblüten auch anderen interessierten Menschen nicht verborgen bleiben.

Dabei verbindet mich nichts, absolut nichts mit dem italienischen Innenminister. Nur welche politische Ideologie der vertritt, das hat in einer seriösen Berichterstattung zu diesem Unglück nichts zu suchen. Es sei denn, man will ihn, ähnlich der ebenso subtilen Kampagnen gegen Putin (oder Trump), irgendwie  mitverantwortlich machen.

Schon interessant zu sehen. Früher war Schweinejournalismus der Bild-Zeitung und ähnlich schmierigen Blättern vorbehalten. Heute und natürlich auf qualitativ hohem Niveau findet er auch bei ehemals liberalen bis linken Medien statt.

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Bräutigam&Klinkhammer
 

war einmal. Ich will ja nicht gleich die alten Griechen bemühen. Die Zeitung mit den großen Buchstaben war einmal das Rote Tuch für die Studenten; heute ist das Blättle Pflichtlektüre der selbst ernannten politischen Elite.

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Die Gute Alte Zeit
 

.....wissen halt wo die Musik herkommt - wer sie dort bestellt und bezahlt!

Da werden alle Geburtslahmen zu Spitzentänzern geschrieben - solange sie nur nützlich sind.

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Bräutigam&Klinkhammer
 

...., verbunden mit der Kernthese es existiert nur eine korrekt-gute, erscheint mir als der Kern des Highlander-Pudels.

Seriös wäre es, die ideologischen Hintergründe -die realen Beweggründe der unbesehen angeblich "lupenreinen westlichen Demokraten" ebenso kritisch zu beleuchten wie die der hochoffiziös diktierten Feindbilder.

Dafür war mein zweiter Link aus dem Vorkommentar

Deep State fabricates the fake narratives as the C.I.A. controls what media can and cannot report

erweiternd angefügt.

Die Liste der korrekten Wortwahl hat Heerscharen bestbezahlter Herausgeber die mit der Massensuggestion beauftragt sind. Ich halte die Wortkreationen zur gezielten Diffamierung Andersgläubiger und ihren fortwährenden demagogischen Gebrauch, nicht für zufällige Erscheinungen.

Jede Parteipolitik ohne >>Polpulismus<< ist unvorstellbar - erst die werbetechnisch markante Unterteilung in "gut & böse" erwirtschaftet den Gewinn. Es geht um die Erzeugung von Stimmungen, nicht um transparente Abbildungen fassbarer Realitäten.

Da ist die Selektion, die Aufbereitung von "Information" - das Weglassen klarer Widersprüche - unabdingbar.

Ziel ist die Lenkbarkeit des inhaltsleeren Narrativ "Demokratie" - Wissen um die nackten Hintergründe politischer Entscheidung muss unterbunden werden, weil es die Existenz der bestehend-verdeckten Machtverhältnisse gefährdet.

Schröder hat (mit der Beteiligung am Jugoslawienkrieg) einen klaren Bruch des Völkerrechtes eingestanden - kein Eierdieb entgeht hierzulande seiner gnadenlosen Verfolgung, er schon - und die "Krim ist annektiert" so tönt es aus allen systemischen Medien......

Das "Recht" ist die monotheistische Gottheit der jeweiligen Herrschaft - die These von der allgemeinen Gleichheit vor dem Recht dient allein den exorbitant "Gleicheren" dazu ihre gewalttätige Omnipotenz zu verdecken.

Friss alles, friss schneller.......(???????)

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Eine ansprechend informative Beschreibung der existierenden, nicht allein der deutschen, Presselandschaft aus einem Interview von Jens Wernicke mit

dem Journalisten und Medienkritiker David Goeßmann. Exklusivabdruck aus „Lügen die Medien?“.

als prägnanter Auszug - nur ein kleiner Appetithappen:

"Kurzum: Die Doktrinen vom »demokratischen Medienmarkt«, von der »Trennung von Verlag und Redaktion« und vom »Journalisten als Held« verschleiern die realen Machtverhältnisse der modernen Massenmedien. Sie sind ein ideologischer Burgwall gegen die immer obszönere Macht der Medien-Fürstentümer, auf dem der journalistische Hofstaat sein Auskommen hat.

Wer die Massenmedien so einrichtet, wie sie es sind, hat kaum Interesse an Machtkontrolle und Demokratie.

Die eigentliche Funktion besteht vielmehr darin, die Bürger an den Kurs der Eliten anzubinden, Vertrauen in die Mächtigen und ihre guten Absichten zu schaffen, Unangenehmes aus dem Weg zu räumen, Lästiges zu übergehen, zu kritisieren, zu skandalisieren und aus dem Nähkästchen zu plaudern, wo nichts auf dem Spiel steht, und Wut über die Zustände in der Bevölkerung in die »richtigen« Bahnen zu lenken – also etwa gegen gierige Banker, Islamisten, expansionistische Russen, flüchtende Araber und Afrikaner, Sozialschmarotzer und Leistungsunwillige, »kommunistische« Politiker, übertriebene Gutmenschen und so weiter."

https://www.rubikon.news/artikel/wenn-regierungen-lugen-und-medien-mitmachen

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Wichtiger, aktuell sehr zutreffender Text bei den NDS

Und als Variante, jenseits der nicht thematisierten Verantwortlichkeit des privaten Betreibers kommen bei den systemkonformen Qualitätsmedien auch gleich mal die faulen, korrupten, mit einer falschen Regierung geschlagenen Italiener zur Sprache.

Ähnlich war das mit den Griechen, die ja jetzt zum willigen EU-Protektorat geworden sind. Und ebenso könnte es auch in Spanien laufen, wobei Sanches & Co. aktuell ja noch die Guten geben dürfen. Aber bereits zur Causa Katalonien ist mehr als deutlich, was die EU-Führung unter Merkel von Unbotmäßigkeit hält.

Ein ähnliches Unglück wie in Genua nun in Katalonien, da würden die nach meinem Wissen dort ebenfalls weitgehend privatisierten Autobahnen wohl ebenso kein Thema zur Hinterfragung sein, eher Puigdemont als der eigentlich Schuldige  in den Mittelpunkt geschrieben.

Bild des Benutzers fahrwax

Antwort auf ebertus  zum Kommentar Privatisierung tötet
 

.......hockt in jedem Detail unseres Lebens von der Autoelektronik, über den Personalschlüssel im Krankenhaus bis zum Krieg in Syrien.

Diese Perversion steht & geht über alle Leichen.

Der kollektive Gewinn für Mensch & Erkugel wird durch diese Grundregel systematisch ausgeschlossen.

Programmiert sind Katatrophen - von denen diese Brücke eine der kleineren ist die sich allerbest "rechnen" - sich im Brutto vom gefeierten "Sozialprodukt" auf der positiven Seite niederlassen.

Das kann sich kein denkender Mensch schönrechnen - nur derjenige der rechtzeitig mit der Gewinnausschüttung entkommen ist.

Dieser Zynismus ist ein systemischer und wird als das Maximum menschlicher Produktivität vergöttert.

Bild des Benutzers Heinz

Antwort auf ebertus  zum Kommentar Privatisierung tötet
 

Die mediale Aufmerksamkeit ist so inflationär, daß die Medien eine ordentliche gerichtliche Untersuchung gar nicht abwarten können.

Eine gerichtlich angeordnete Untersuchung gibt es bei JEDEM Unglück; sogar wenn das Politpersonal schon im Vorhinein weiß, wer die Schuldigen sind. Die Deutschen sollten sich da nicht so sehr  mit Ruhm bekleckern. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, daß die Bahn AG vom Politpersonal am Stück an die Börse gebracht werden sollte. Zu jener Zeit waren die Problem der privatisierten britischen Bahn bereits bekannt. Der damalige Vorstand Mehdorn hatte als Watschenmann der Politiker den Auftrag die Bahn AG so sehr zusammen zu sparen, daß dieser Deal klappen könnte.

Heute arbeitet die Bahn AG die damaligen Versäumnisse an der Reparatur und Sanierung immer noch auf.